Feuer, Streit und Musik im Haydn-Haus

Das Eisenstädter Haydn-Haus hat eine bewegte Geschichte mit Brandkatastrophen und Nachbarschaftsstreits hinter sich – diese ist heute noch erlebbar.

Erstellt am 03. September 2021 | 06:50

Als Haydn 1761 nach Eisenstadt kam, dürfte er in einer der Wohnungen des sogenannten „Musikgebäudes“, das sich westlich an die Bergkirche am Oberberg anschließt und ursprünglich als Gasthaus gedient hatte, gelebt haben. Dieses wurde später das „Margaretinum“ (eine Klosterfrauensiedlung mit Schule). Er bewohnte dort wahrscheinlich die Wohnung im Südosteck des ersten Stockes neben dem Probensaal.

Nach dem Tod von Haydns Vorgesetzten, dem ersten Kapellmeister Gregor Joseph Werner, am 3. März 1766, scheint eine Umgruppierung der Musikerwohnungen erfolgt zu sein. Jedenfalls sah sich Joseph Haydn nach einer Wohnung in der Freistadt um. Am 2. Mai 1766 kaufte er das Haus Nr. 82 in der Klostergasse, heute Haydngasse 21, von der Besitzerin, der verwitweten bürgerlichen Adlerwirtin Euphrosina Schleicherin; sie war die Witwe des Jakob Schleicher, Bürger des äußeren Rats.

Alles beim Alten im Haydnhaus

Die Anordnung der Hausräume ist trotz der mehrfachen Brandkatastrophen bis heute etwa dieselbe geblieben. Auch gehörten sämtliche angeführten Grundstücke (mit Ausnahme der Steinmühläcker) jedenfalls noch bis 1927 zum Haus. Das „Kuchlgärtl hinter den Spittal“ liegt hinter dem ehemaligen Bürgerspital, heute Bank Burgenland, auf dem das Haydn-Gartenhaus steht.

Haydn konnte sich dieses Hauses aber nicht lange erfreuen, denn am 2. August 1768 brach in der Stadt ein großer Brand aus, der zwei Tage andauerte und der besonders die heutige Haydngasse verwüstete. So auch Haydns Haus. Obwohl der Fürst ihm das Haus wieder aufbauen ließ, dürften zahlreiche Kompositionen und Instrumente verbrannt sein.

Kaum hatte sich Haydn von dem schweren Schaden einigermaßen erholt, gab es am 17. Juli 1776 neuerlich einen Großbrand, wobei der Schaden diesmal nicht so groß war. Auch diesmal hat Fürst Nikolaus den Bauschaden wieder gutgemacht. Auch der Verlust an Manuskripten war geringer, weil sein Schüler Pleyel einige der wertvollsten Werke ohne Haydns Wissen abgeschrieben hatte.

Großer Musiker mit schwierigen Nachbarn

Neben diesen Widrigkeiten hatte Haydn häufig Streitigkeiten mit seinen beiden Nachbarinnen: Im Haus Klostergasse 81 (heute Haydngasse 19), wohnte Magdalena Frumwaldin, bürgerliche Weißgerberin, deren Haus heute zum Haydnmuseum dazugehört. Auf der anderen Seite, Klostergasse 83 (heute Haydn-gasse 23), wohnte Theresia Spächin, Witwe des fürstlichen Beamten Georg Späch.

Im August 1776 klagte Theresia Spächin, dass beim Aufbau nach dem Brand eine „nach-theilige Dachung“ vorgenommen worden sei. Der Ausgang dieses Prozesses ist wegen Verlustes der Akten unbekannt.

In den Justizialakten des Stadtarchivs aus 1769 wird ein Streitfall beschrieben, weil Haydn nach dem Brand von 1768 zur Stütze des neu aufgerichteten Daches eine anstelle einer Holzwand auf Haydns Kosten hergestellte Mauer benutzte, die Haydns Anwesen von dem der Frau Frumwald trennte. Diese griff zur Selbsthilfe und brachte durch Entfernen der Stütze (um halb fünf Uhr früh!) einen Teil des Dachsparrenwerks des Haydnhauses zum Einsturz. In einem Vergleich wurde die Trennmauer als gemeinschaftlich anerkannt und beiden Parteien untersagt, auf den von ihnen errichteten Teilen „aufzubauen“. 1773 begehrte Haydn beim Rat der Stadt einen Revers, da Frau Frumwaldin entgegen dem seinerzeitigen Vergleich auf „ihrem“ Teil der Mauer aufgebaut habe.

Am 27. Oktober 1778 verkaufte Haydn das gesamte Anwesen um 2.000 Gulden an den fürstlichen Buchhalter Anton Liechtscheidl. Haydn dürfte in der Folgezeit wieder in einem fürstlichem Gebäude, wahrscheinlich nunmehr in der Musikerwohnung des Musikgebäudes, gewohnt haben.

Das Haydnhaus erlebte in der Folgezeit noch mehrfachen Besitzerwechsel.

Zwei Gedenktafeln schmücken das Haydn-Haus: eine mit ungarischem Text aus 1898, die andere mit deutscher Inschrift aus 1923.

Aus dem Wohnhaus wird ein Museum

1925 wurde der Heimatschutzverein gegründet, der auch eine Sammlung an Erinnerungsstücken ankaufte. Als 1926 das Landesmuseum gegründet wurde, stellte der Heimatschutzverein seine Objekte zur Verfügung. Nach dem Ende der Ausstellung mietete der Verein Räume des Haydnhauses an, um die Sammelstücke unterzubringen. 1935 konnte der Verein von Frau Kornmüller drei Räume mieten, auch jene Räume, die Haydn persönlich für den Alltag benützt haben soll. Im ersten Inventar scheinen die Textbücher zu den „Sieben Worten“ und zu der „Schöpfung“ auf, sie waren der Grundstock der Museumssammlung.

Der Verein konnte Gönner finden, etwa die Landeshauptmannschaft, die Stadt, die Geldinstitute und Versicherungsgesellschaften, Herr Wolf half mit Vitrinen aus, das Elektrizitätswerk führte nötige Installationen kostenlos durch und spendete auch die Leuchtkörper.

Am 23. Juni 1935 fand die feierliche Eröffnung des Museums statt, es wurde auch weiter von Frau Kornmüller betreut, welche auch mit ihrer Mutter den Vordertrakt des Hauses bewohnte.

Damals entstand auch der Plan, das ganze Haus käuflich zu erwerben, wofür der Eisenstädter Bildhauer Gustinus Ambrosi eine stattliche Summe spendete, die er anlässlich der Enthüllung des Lisztdenkmals 1936 bekam. Am 15. Dezember 1937 schloss der Vereinsobmann einen Kaufvertrag um 24.000 Schilling mit Frau Kornmüller für das Haus in der heutigen Haydngasse und das Haydnhäuschen ab, wobei Ratenzahlung vereinbart wurde. 1938 übernahm die Landeshauptmannschaft und dann der Gau Niederdonau die ausständigen Raten, sodass das Haus in Landesbesitz überging. Die Gauhauptmannschaft bestimmte auch, dass Erinnerungsstücke vom Privatmuseum Wolf ins Haydnmuseum integriert wurden.

Während des Krieges und derBesatzungszeit hatte das Museum keinen Schaden erlitten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Haus zusammen mit verschiedenen Sammlungen in das Eigentum des Landes Burgenland über.

Während der Restaurierungsarbeiten zum Haydn-Jahr 2009 wurden die originalen Wandgestaltungen der Haydn-Zeit in zwei Zimmern freigelegt. Heute sind die Räume mit originalen Möbeln aus der „Haydnzeit“ eingerichtet, die die Grundlage für die Dauerausstellung darstellen. Neben Originalportraits werden auch Briefe und Noten gezeigt, sowie ein Anton Walter-Hammerflügel von 1780.