Lisa Vogl: „Hab einen harten Panzer gebraucht“. Mit September endet die Amtszeit des SPÖ-Führungs-Trios aus Eisenstadt, der BVZ gaben Vogl, Wagner und Wisak ein Abschieds-Interview.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 03. September 2020 (05:03)
Abschied aus dem Rathaus. Beatrix Wagner, Lisa Vogl und Renée Maria Wisak traten zurück.
zVg

Im März trat die Vizebürgermeisterin der SPÖ, Lisa Vogl, nur 13 Monate nach ihrer Angelobung, wieder zurück. – und mit ihr die gesamte Spitze der Stadt-SPÖ: Stadträtin Renée Maria Wisak und Klubobfrau Beatrix Wagner. Am 30. September endet ihre Amtszeit, nun zogen Vogl und Wagner im BVZ-Abschieds-Interview eine Bilanz über Stadt und Stadtpolitik.

BVZ: Über euren Rücktritt gibt es viele Gerüchte, etwa, dass ihr im Wahlkampf die „falsche“ Person der Landes-SPÖ unterstützt habt?

Lisa Vogl: Das sind Gerüchte, die wir nicht kommentieren wollen. Aber in der Politik gibt es manchmal Situationen, in denen man besser andere ans Ruder lässt, als zu bleiben.

Was sind eure Pläne für ein Leben ohne der Politik?

Vogl: Wir werden zwar aus der Gemeindepolitik ausscheiden, aber Trixi ist nach wie vor bei der Gewerkschaft GÖD aktiv und ich bin im Betriebsrat der Energie Burgenland. Politische Menschen und überzeugte „Rote“ bleiben wir also.

Beatrix Wagner: Ich habe jetzt mehr Zeit für die GÖD, das hat sich oft mit der Gemeindepolitik gespießt. Auch bei den Pensionisten in St. Georgen bleibe ich im Vorstand.

Und für euer Privatleben?

Wagner: Die Freunde sind schon zu kurz gekommen, für die habe ich nun wieder mehr Zeit.

Vogl: An dieser Stelle möchten wir uns bei unseren Familien für die Unterstützung bedanken. Wir freuen uns alle, dass wir unser Privatleben zurück haben und nicht mehr um vier in der Früh im James auf kaputte Kanaldeckel angesprochen werden.

Was sind die großen offenen Baustellen der Landeshauptstadt?

Wagner: Der Morgenverkehr! Und die Innenstadt muss noch besser belebt werden.

Vogl: Hier ist mit Music in the City und dem Silent Cinema schon viel passiert, es haben auch tolle Lokale eröffnet wie die Selektion oder Hopfen & Söhne – von denen bräuchte es noch mehr. Und mehr Parkplätze. Wo wir schon beim Problem sind: Uns haben viele Leute auf die Bodenversiegelung angesprochen. Sei es in der neuen Siedlung bei St. Georgen oder den Kirchäckern. Hier kommt der Verkehr dazu, die Bachgasse ist permanent verstopft.

Euer Stil war ja sehr sachlich und konsensorientiert.

Wagner: Dafür haben wir auch immer gutes Feedback von den Menschen bekommen.

Vogl: Auch SPÖ-intern.

Wird sich der Stil nun ändern mit euren Nachfolgern?

Vogl: Jetzt kommt die Wahl, da braucht man schon einen Wadlbeißer. Zwar nicht als Vizebürgermeisters, da muss man eher auf Events gehen, aber im Hintergrund. Und man braucht Sachpolitiker, die eine Themenhoheit haben.

Wie wird die Nachfolge geregelt?

Vogl: Bis 30. September sind wir im Amt, dann wählt die Fraktion die Neuen, auf die die Partei sich geeinigt hat. Bei der nächsten Gemeinderatssitzung wird das Amt des Vizebürgermeister und Stadtrates vergeben.

Was werdet ihr am meisten vermissen?

Wagner: Der Bau- und Wasser-Ausschuss wird mir abgehen.

Vogl: Mir die Gemeinderats-Sitzungen selber. Und natürlich die Gespräche mit den Bürgern.

Ist es schwer, Aktive für Gemeindepolitik zu finden?

Wagner: Das Schwierige ist: Man braucht einen Job, bei dem man die Arbeitszeit spontan für die Politik unterbrechen kann.

Vogl: Das ist heutzutage immer schwerer, da hatten wir Glück mit unseren Arbeitgebern.

Ist die Eisenstädter Kommunalpolitik extra schwer?

Vogl: Ja! Wenn in Kleinmutschen was passiert, kommen die Gemeinderäte nicht in die Zeitung, in Eisenstadt ist man gleich am Titel. Wenn ich im Südburgenland bin, haben alle immer gleich gewusst, wer ich bin. Damit umzugehen ist schwierig, ich habe schnell einen harten Panzer gebraucht.

Die SPÖ hat es derzeit auch im Bund sehr schwer...

Wagner: Vielleicht sollte die Bundes-SPÖ mehr auf die Gewerkschaft hören. Die ist für die Leute da und dort gewinnen wir die Wahlen auch nach wie vor.

Vogl: Man muss mehr mit der Basis reden. Wir haben uns von unseren Arbeitern entfernt und sollten stärker mit AK und ÖGB zusammenarbeiten. Generell bin ich aber der Meinung, dass wir hinter Pamela Rendi-Wagner stehen müssen.

Schließt ihr eine Rückkehr aus?

Vogl: In den nächsten 10 Jahren schließen wir die Rückkehr aus.

Wagner: Außer, mir wird fad in der Pension (lacht).