Rote Rücktrittswelle in Eisenstadt. Vizebürgermeisterin Lisa Vogl, Stadträtin Renée Maria Wisak und Gemeinderätin Trixi Wagner treten zurück. Grund: „persönlich“.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 11. März 2020 (05:36)
Rücktritt. Stadträtin Renée Maria Wisak und Vizebürgermeisterin Lisa Vogl (v.l.).
Wagentristl

Genau einen Tag nach dem Welt-Frauentag ließ das weibliche Führungs-Trio der SPÖ-Eisenstadt eine kleine politische Bombe platzen: Vizebürgermeisterin und Stadtparteivorsitzende Lisa Vogl, Stadträtin Renée Wisak und Klubobfrau Trixi Wagner traten geschlossen zurück. Aus „persönlichen Gründen“, wie es in einer Aussendung lapidar heißt.

„Schon länger mit Gedanken gespielt“

Was diese Gründe sind, wollten die Drei nicht näher kommentieren. Auf Nachfrage der BVZ erklärte Vogl, sich „schon länger mit dem Gedanken gespielt“ und den Rücktritt in dieser Zeit emotional gut vorbereitet zu haben. Mit damals erst 28 Jahren war sie im Jänner 2019 zur Stadtpartei-Chefin gewählt worden. Vogl wird wieder in ihren Zivilberuf in der Energie Burgenland zurückkehren, diesen hatte sie neben ihrer Polit-Karriere weiterhin ausgeübt.

Die Rücktritte werden mit 30. September 2020 wirksam, dann soll ein Stadtparteitag die Nachfolge regeln. Bis dahin soll ein parteiinternes Komitee nach Folgekandidaten suchen.

Landesgeschäftsführer Roland Fürst und Bezirksvorsitzende Astrid Eisenkopf „nehmen die Entscheidung zur Kenntnis und bedanken sich“, heißt es in der Aussendung weiter. Es sei jetzt Zeit, die Weichen für die Gemeinderatswahl 2022 zu stellen.

ÖVP, FPÖ und Grüne orten „Mobbing“

Über die Gründe des Rücktritts spekuliert nun der politische Mitbewerb. Die Grüne Gemeinderätin Anja Haider-Wallner formuliert vorsichtig: „Frauen haben es schwerer, sich in von männlicher Macht dominierten Zirkeln durchzusetzen. Vielleicht auch, weil wir uns die kleinen alltäglichen Boshaftigkeiten mehr zu Herzen nehmen.“ Ihr FPÖ-Gegenüber Géza Molnár wurde wie gewohnt deutlicher: „Es kann sich dabei nur um eine parteiintern begründete Retourkutsche oder Trotzreaktion handeln.“

Bürgermeister Thomas Steiner „habe schon das Gefühl, dass der Rückzug der drei erfolgreichen SPÖ-Vertreterinnen nicht wirklich freiwillig erfolgt, sondern dass es hier ein politisches Mobbing gegeben hat“. Er bedauert in einer Aussendung, dass „eine konstruktive und sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit im Sinne der Stadt und der Menschen“ nun damit ende, dass „die drei Frauen aus dem Amt gejagt wurden“.

SPÖ: Fokus auf Gemeinderatswahl

Der neue SPÖ-Bezirksgeschäftsführer Richard Frank weist im BVZ-Gespräch diese Vorwürfe zurück. Er betont, dass der Rücktritt keine internen sondern strategische Hintergründe habe: „Wir konzentrieren uns auf die Gemeinderatswahl.“ Für diese soll ein Team gefunden werden, das Steiner Konkurrenz machen könne. Dieser mache seine Arbeit gut, erklärt Frank die schwierige Ausgangslage für die SPÖ in Eisenstadt. Es gäbe aber viele Themen, bei denen die SPÖ punkten könne, wie die Verkehrssituation oder in der Sportpolitik.

Wer die Nachfolge-Kandidaten sein werden, kann Frank noch nicht sagen, es könnten auch neue Gesichter sein. Fix ist für ihn: „Die Themen gehen uns sicherlich nicht aus.“