30 Jahre Pan-Europa: Viele Veranstaltungen. Das Jubiläum des Pan-Europa-Picknicks bringt heuer laut ungarischen Quellen Angela Merkel an die burgenländische Grenze.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 15. August 2019 (12:22)
Gregor Hafner
Politprominenz. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel war selbst DDR-Staatsbürgerin. Sie kam bereits zum zwanzigjährigen Jubiläum an die Grenze zwischen St. Margarethen und Fertörakos.

Vor fast dreißig Jahren, 1989, fiel an der Grenze zwischen St. Margarethen und Fertörakos der Eiserne Vorhang. Drei Jahrzehnte nach der Öffnung der Grenze wird das historische Gelände auf der ungarischen Seite der Grenze auch heuer im Jubiläumsjahr zum Schauplatz mehrer Gedenkveranstaltungen.

Wetter machte Strich durch die Rechnung

Den Auftakt machte bereits im Mai die erste Neuauflage des Paneuropäischen Picknicks im heurigen Jahr, organisiert von den Organisationen „Pulse of Europe“ und „European May“. Im Zuge einer europaweiten Aktion an historischen Schauplätzen, etwa der Berliner Mauer, sollte der Umbrüche vor dreißig Jahren gedacht werden.

Das Wetter machte den Aktivisten jedoch einen Strich durch die Rechnung, das vom Europäischen Parlament unterstützte Picknick fiel ins Wasser. Stattdessen fand nur eine Kundgebung mit etwa 25 Beteiligten an der Grenze statt. „Auch wenn das Wetter nicht gerade günstig war, sind viele Passanten stehen geblieben und wir konnten einige gute Gespräche führen“, so ein Sprecher der Organisation gegenüber der BVZ.

Für August plant man eine weitere Aktion auf beiden Seiten der Grenze, also in Fertörakos und in St. Margarethen. „Geplant sind dazu etwa Zeitzeugen-Gespräche. Das Gedenken soll am historischen Ort stattfinden, in Wien hätte die Veranstaltung nicht dieselbe Wirkung.“ Die Organisation der Gedenkfeiern von Pulse of Europe laufe großteils über Ungarn.

Gedenken wird von Ungarn aus organisiert

Auch die offiziellen Gedenkveransaltungen werden großteils von ungarischer Seite durchgeführt, nicht zuletzt weil „sich die Gedenkstätte auf ungarischem Grund befindet“, so Bürgermeister Eduard Scheuhammer (ÖVP). Von Seiten des Landes sei eine Veranstaltung zum Jahrestag im August, in der Gemeinde gibt es dazu keine Pläne. „Viel läuft dabei über Sopron, auch die Stiftung ist dahinter.“ Man sei jedenfalls eingebunden und gedenke den Ereignissen im August.

Bereits am 2. Mai 1989 war offiziell mit der Demontage des Grenzzaunes zwischen Österreich und Ungarn verkündet worden. In den folgenden Wochen und Monaten mehrten sich Ausreisewillige auf der ungarischen Seite der Grenze. Auf Anregung von Jugendlichen aus Debrecen wurde schließlich das Paneuropäische Picknick von oppositionellen Organisationen in Sopron ins Leben gerufen. Am 19. August durchbrachen Im Zuge dieser Veranstaltung mehrere Menschen die Grenze, die ungarische Polizei schritt nicht ein. Die Entwicklungen am Grenzübergang bei der Pius Puszta beschleunigten schließlich den Fall des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer.

Über 26 Jahre lang konnten Österreicher und Ungarn wieder ohne Kontrollen die Grenze passieren, seit September 2016 wird die Grenze wieder von Soldaten im Rahmen des Assistenzeinsatzes bewacht. Auch dreißig Jahre nach dem Paneuropäischen Picknick wird noch über Grenzen und Zäune in Europa diskutiert — Grenzgemeinden wie St. Margarethen sind dabei als erstes betroffen. Im positiven wie im negativen Sinn.