Passionsspiele erneut abgesagt. Nur 50 Leute auf der Bühne und zu wenig Zeit für die Proben: Auch heuer fallen die Passionsspiele der Pandemie zum Opfer.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 20. Mai 2021 (05:52)
Keine Massenszenen. Heuer wurden den Passionsspielern in St. Margarethen nur 50 Darsteller auf der Bühne genehmigt — für die berühmten Massenszenen zu wenig. Auch die Zeit für die Proben wurde zu knapp.
zVg, zVg

„Wer nicht proben darf, kann auch nicht spielen.“ Mit diesen Worten erklärte Spielleiter Pfarrer Richard Geier schweren Herzens die erneute Absage der Passionsspiele St. Margarethen.

Wochenlang habe der Vorstand der Passionsspiele auf eine Ausnahmegenehmigung durch die Behörden gewartet, um den 400 Laiendarstellern und Regisseur Alexander Wessely Proben zu ermöglichen. Doch das Warten war vergeblich: „Das fast 30 Seiten starke, eigens verfasste Sicherheitskonzept, wurde zwar von Experten als überzeugend gewertet, doch vor der staatlich verordneten Öffnung am 19. Mai wollte sich offensichtlich niemand in Verwaltung und Gesundheitsministerium die Finger verbrennen. Da half auch die breite Allianz von Unterstützern durch Bischof, Landeshauptmann und Wirtschaftskammer nichts“, schildert Spielleiter Richard Geier den Leidensweg der Passionsspieler.

„Kaum 100 Meter entfernt gelten für die Oper auf der großen Bühne im Steinbruch keine Beschränkungen“. Stellungnahme der Passionsspiele St. Margarethen.

Schließlich wurde die Zeit bis zur geplanten Premiere am 3. Juli zu knapp. Um eine „halbwegs anschaubare Inszenierung hinzubekommen“ hätten die Laiendarsteller sechs bis sieben Stunden an jedem Wochenende proben müssen.

Man wolle keine „Hau-Ruck-Passion“, das wäre mit den Qualitätsansprüchen der traditionsreichen Spiele von St. Margarethen nicht vereinbar. Schließlich blieb Vorstand, Regisseur und Spielleiter nun nichts anderes übrig, als die Notbremse zu ziehen. Laut neuer Verordnung sind nur 50 Darsteller auf der Bühne erlaubt, die zahlreichen Massenszenen der Passionsspiele wären so nicht aufführbar.

„Umso bitterer, weil kaum 100 Meter entfernt die Oper auf der großen Bühne im Steinbruch keine Beschränkungen hat“, orten die Passionsspieler eine Ungleichbehandlung von Profis und Laien.

Der Blick ist nun in die Zukunft gerichtet: Wenn die Verhandlungen mit der Esterhazy-Privatstiftung positiv ausgehen, stehe den Passionsspielen vor der Opernsaison 2022 von Mai bis Juli nichts im Wege. „Es wird uns viel Verständnis entgegen gebracht und Mut für die weiteren Bemühungen zugesprochen“, so der Vorstand unisono.