Schlosspark in Eisenstadt: Mehr als nur ein paar Bäume

Erstellt am 30. Dezember 2021 | 05:55
Lesezeit: 4 Min
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Gartengeschichte als Stadtgeschichte. Brigitte Krizsanits erklärt in ihrem Buch, wie das „selbstbewusste Bürgertum“ den Schlosspark erst öffentlich machte.
Foto: Kaiser
Historikerin Brigitte Krizsanits schrieb Buch über die jüngere Geschichte des Eisenstädter Schlossparks.
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Die Historikerin Brigitte Krizsanits hat im Rahmen ihres Doktoratstudiums an der Universität Wien die Geschichte des Eisenstädter Schlossparks erforscht. Die jüngere Geschichte des Parks ist jetzt im Buch mit spannenden Abbildungen aus vergangenen Jahrzehnten und neuen Ansichten erschienen.

Wieso sich die Historikerin gerade den Schlosspark als Forschungsobjekt ausgesucht hat? „Als Eisenstädterin hat man einfach von Kindheit an einen Bezug zum Schlosspark. Er war ja irgendwie immer schon da. Ich habe nun versucht, die Geschichte des Gartens mit der Geschichte der Stadt und ihrer Menschen zu verknüpfen“, erklärt Krizsanits im BVZ-Gespräch.

Grünfläche ist ja nicht gleich Grünfläche. Während man früher im landwirtschaftlich geprägten Westungarn eine sehr funktionale Sicht auf „Landschaft“ als Ackerfläche oder Holzlieferant hatte, war das im bürgerlichen Eisenstadt schon sehr früh ganz anders. „Eisenstadt hatte etwas, das es woanders im Burgenland kaum gab: ein sehr selbstbewusstes Bürgertum“, betont die Historikerin. Dieses Selbstbewusstsein war auch im fürstlichen Landschaftsgarten präsent. Ab 1800 veranlasste der Fürst Nikolaus II. Esterházy erste Rodungen. Um die Fläche zu erweitern, kaufte er den Bürgern Weingarten- und Ackerflächen ab - für manche musste er da beträchtlich in die Tasche greifen. Weite Teile des neuen Gartens waren dann für die Bevölkerung zugänglich. Und die Eisenstädter nützten die Möglichkeit, um hier zu flanieren.

Ein Park als Spielball politischer Kräfte

Als der Sohn von Nikolaus II. Esterházy, Paul III., Mitte des 19. Jahrhunderts den Park schließen wollte, hatte er die Rechnung ohne die Eisenstädter gemacht: Wohl mit Protesten verhinderten sie eine Schließung. Die Revolution von 1848 war dem Fürsten wohl noch sehr präsent.

In den turbulenten Jahren nach Kriegsende und dem Zerfall der Donau-Monarchie bildete sich in Ungarn 1919 eine Räteregierung. Das ungarische Direktorium ließen den Park gänzlich öffnen. Ein Schritt, der nach der militärischen Niederlage der Räterepublik schwer rückgängig zu machen war. Die Vertreter des Eigentümers Paul V. Esterházy setzten jedoch ein sichtbares Zeichen: Sie stellten Schilder mit der Aufschrift „Betreten auf eigene Gefahr!“ auf. Die Folge waren Proteste und Diskussionen zwischen Stadt, Land und der Esterházy-Zentraldirektion. Nach mehrjährigen Gesprächen schenkte Paul V. Esterházy 1934 der Stadt den Marientempel (Gloriette) und darunter liegende Grundstücke

Im Zweiten Weltkrieg wurden am Parkgelände Arbeitsbaracken aufgestellt, die noch lange nach dem Krieg als Verwaltungsgebäude dienten.

Nach dem Krieg, zur Zeit der sowjetischen Besatzung, wurde der Park einmal mehr zum Konfliktpunkt zwischen Öffentlichkeit und Besitzer. Entgegen dem Verstaatlichungswunsch der Kommunistischen Partei Burgenland – aber auch vieler Teile der SPÖ und ÖVP – stellte die Sowjet-Kommandatura die Esterházy-Besitzungen unter ihren direkten Befehl. Nach Abzug der Roten Armee bekam die Fürstenfamilie ihren Schlosspark zurück. Erst 1962 schloss Fürst Paul einen neuen Vertrag mit der Stadt. Der Park wurde in einen öffentlichen und einen privaten Teil aufgeteilt, die Obsorge für die Parkpflege hatte die Stadt zu tragen.

Aber das damals noch wesentlich ärmere Eisenstadt hatte ganz andere Baustellen und der Park war in einem schlechten Zustand. So schlecht, dass er sogar den Gemeinderatswahlkampf 1987 prägte. Darauf trat nun die Zivilbevölkerung auf den Plan: Der Arzt Franz Prost begann Spenden für die Parkerhaltung zu sammeln, so entstand der Verein Freunde des Eisenstädter Schlossparks noch vor dem Pachtverein, mit dem Stadt, Land Burgenland und der Freunde-Verein die Park-Revitalisierung planten. Ein Pachtvertrag dieser drei Partner mit Esterházy läutete ab 1996/97 eine neue Phase der Parkgeschichte ein.

Internationales Ansehen erlangte der Park im Oktober 2021, als das „Symposium Landschaftsgärten“ hier veranstaltet wurde.

„Geschichte ist aber nicht nur eine Abfolge von Jahreszahlen“, betont Krizsanits, „sondern Garten, Politik und Mensch beeinflussen sich in unserer Stadtgeschichte gegenseitig.“ Und diese kann man jetzt auf 194 Seiten nachlesen.

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