Eisenstadt: Wein aus dem 17. Jahrhundert „revinifiziert“

Erstellt am 24. Februar 2022 | 03:00
Lesezeit: 3 Min
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Verkostet. Wein Burgenland-Geschäftsführer Georg Schweitzer, Direktorin Eva Ackerl, Winzer Franz X. Lehner, Bürgermeister Thomas Steiner, LH-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf und die Schüler der Weinbauschule Tizian Eisner, Stefan Theiler, Matthias Robitza und Lukas Tomsits.
Foto: Kaiser
Wein aus dem 17. Jahrhundert erfolgreich „revinifiziert“.
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Der Eisenstädter Winzer Franz X. Lehner, interessierte sich schon länger für autochthone Eisenstädter Sorten. Das sind solche, die schon vor dem modernen Weinbau in einer bestimmten Gegend heimisch waren. Wie etwa der kaum bekannte „Weiße Heunisch“ und eben der sicher bald besser bekannte Muscat de Noir. Letzterer ist so ur-eisenstädtisch, dass er die Haydn-Stadt sogar im Namen trägt. Der Wein ist aber älter als Joseph Haydn selbst. Wiederentdeckt hat Lehner die Sorte bei seinen Forschungen an der Uni für Bodenkultur. Er mikrovinifizierte erst 20 Rebstöcke des leichten zitrus-notigen Weißweins aus der dunklen Traube (daher: „de Noir“), gemeinsam mit Erwin Tinhof setzte er später 500 Rebstöcke davon aus. Nun soll die Qualitätszertifizierung folgen. Im Jahr 2025 will ihn Bürgermeister Thomas Steiner zum 100-jährigen Jubiläum Eisenstadts als Landeshauptstadt ausschenken. Weintourismus-Obmann Herbert Oschep und Wein Burgenland-Geschäftsführer Georg Schweitzer betonten die wichtige Rolle von autochthonen Sorten für den Tourismus: Viele Gäste würden extra in eine bestimmte Region kommen, um die heimischen Sorten zu verkosten.

Weinbauschule bald ohne Lehr-Äcker?

Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Eisenkopf lobte auch die Weinbauschule für ihre Hilfe bei der Muscat-Abfüllung. Direktorin Eva Ackerl schloss die Verkostung in der Hoffnung, dass ihre Schule nicht nur ihre hohen Standards, sondern auch ihren Standort halten könne. Sie sprach damit die bestehenden Siedlungsbaupläne auf den Lehräckern der Weinbauschule südlich der Bahntrasse an. Eisenkopf sicherte ihre Unterstützung zu: Das Land sei nicht Eigentümer, sondern die Landwirtschaftskammer (LK). Sollte sich die – nicht wünschenswerte – Verbauung aber nicht verhindern lassen, müsse im Gegenzug die Schule neue und möglichst nahe Lehrflächen bekommen.

Aus dem Rathaus heißt es, die angesprochenen Flächen seien als Aufschließungsgebiet gewidmet, befinden sich aber nicht im Besitz der Stadt, sondern der LK, Pfarre und anderen Eigentümern. Ein konkretes Bauprojekt ist der Stadt dort nicht bekannt. Nach BVZ-Informationen hat die LK einen Teil des umstrittenen Gebiets schon vor Jahren aus Not heraus verkauft, ein Verkauf des anderen Teils sei derzeit kein Thema.

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