Wie Corona und IT die Pflege verändern

Unfall-Pfleger Markus Stampf aus Mannersdorf erzählte der BVZ, wieso er seinen Beruf auch nach fast 20 Dienstjahren so spannend findet.

Erstellt am 15. Mai 2021 | 03:44
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Zusammenhalt. Markus Stampf (rechts) und sein Stationsleiter Kurt Kainz sind gut durch die Corona-Krise gekommen.
Foto: Markus Wagentristl , Markus Wagentristl

Da soll noch mal wer sagen, dass der Zivildienst verlorene Lebenszeit sei. Für Markus Stampf entschied sich dabei nämlich der Rest seines Lebens. Der Maurer-Geselle bemerkte nämlich bei seinem Zivildienst beim Roten Kreuz in Oberpullendorf, dass „das etwas für mich sein könnte“. Gleich darauf, im Jahr 2000, begann der damals 20-jährige Mannersdorfer mit seiner Ausbildung in Oberwart und landete drei Jahre später in der Unfallstation im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt.

Wieso gerade die Unfallstation? „Ich hätte jede Station mit Patientenkontakt genommen“, lacht Stampf. Er ist von der alten, burgenländischen Schule: „Ich bin ein redseliger Mensch. Arbeiten in der Stille – das wär für mich nix.“

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Alles ändert sich, vieles zum Besseren

Das trifft sich gut, Aufregung hat Stampf in seinem Arbeitsalltag nämlich genug. Auch wenn der sehr oft aus Senioren mit Sturzverletzungen besteht. Junge Leute sieht Stampf immer kürzer. „Früher ist man mit einem Kreuzbandriss fast zehn Tage bei uns gelegen. Bei heutigen Behandlungsmethoden kann man am nächsten Tag nach der OP wieder zu Hause“, beschreibt Stampf die Durchlaufzeiten, die sich in den letzten Jahren extrem verkürzt haben. Was mehr geworden ist, ist die Bürokratie. Alles muss genau im EDV-System erfasst werden: „Das macht die Arbeit aufwendiger, aber gleichzeitig auch sicherer.“

„Eine hohe soziale Kompetenz muss man schon mitbringen. Alles andere kann man erlernen.“ Markus Stampf, Pfleger

Eine weitere positive Veränderung ist die Digitalisierung: Aufgrund der Corona-Maßnahmen sind Besuche nur eingeschränkt möglich, die Familie ist am Handy – das mittlerweile auch 90-Jährige zu bedienen wissen – aber ohnehin immer griffbereit.

Corona: Kern-Team hielt zusammen

Apropos Corona: Die Unfall-Station wurde während der 2. Welle zur Covid-Station. Stampf und seine Kollegen kamen gut damit zurecht. Keiner kündigte, keiner steckte sich an. Die Arbeitsbelastung war nicht zuletzt aufgrund der Schutzanzüge dennoch hoch. Aber Stampf will nicht klagen, denn in dieser Zeit erlebte er auch eine besonders schöne Geschichte: Ein Patient mit 98 Jahren aus Mattersburg, „den wir schon zum Sterben aufgenommen haben“ kam drei Mal mit den schlimmsten Befunden (Wirbelbruch, Covid). „Und alle drei Mal hat er selbstständig gehend das Spital verlassen“, denkt Stampf zurück an den „Mann weniger Worte: Der hat nur das Notwendigste geredet.“

Stampf will das Krankenhaus erst für die Pension verlassen. Die Nachtschichten verträgt er noch gut, die Arbeitswoche mit drei Zwölfer-Schichten bei freier Zeiteinteilung sehr empfehlenswert. Wer die nötigen sozialen Kompetenzen mitbringt, dem kann Stampf nur zum Pflegeberuf raten: „Es gibt kaum einen anderen Beruf, der derart vielseitig ist.“