„Eisenstadt – einst und heute“: Pfarrer zu Sankt Martin. Die Pfarrer des heutigen Martins-Doms prägten Eisenstadt geistlich wie kulturell – und manchmal sogar als Straßenname.

Von Hans Larnhof. Erstellt am 10. Januar 2021 (04:47)

Im Bereich des heutigen Martinsdoms wurden Spuren einer romanischen Kapelle gefunden, die eindeutig aus dem 12. Jahrhundert stammen. Die erste gesicherte urkundliche Nennung erfolgte aber erst im Jahre 1246. Kardinalbischof Stephan von Praeneste investierte den Kleriker Girold, Neffe des Bischofs Timotheus von Agram, mit der „capella sancti Martini de minore Mortin“. 1318 wird ein Pfarrer namens Leopold erwähnt, weil er in Rom um einen Ablass für jene Gläubigen angesucht hatte, die nach Empfang der heiligen Sakramente für die Kirche eine Spende geben. Der Generalvikar des Papstes, Johannes von Nepi, verlieh diesen Ablass, der an allen Feiertagen gewonnen werden konnte.

Ablassdekret vom Papst erhalten

Im Jahr 1467 reiste Johann Siebenhirter, Pfandherr der Grafschaft Forchtenstein und der Herrschaft Eisenstadt, und 1. Hochmeister des von Kaiser Friedrich III. errichteten Ritterordens zu Ehren des Hl. Georg, nach Rom und erwirkte dann 1468 von Papst Paul I. ein Ablassdekret zugunsten der Martinskirche Eisenstadt, die er damals durch das Langhaus erweiterte.

Zwischen 1539 und 1581 gab es keinen Pfarrer. Der namentlich nicht bekannte letzte katholische Pfarrer konvertierte zum lutherischen Glauben, vermutlich, weil die Pfandherren, Moritz von Fürst, danach Johann von Weißpriach, eifrige Anhänger des Luthertums waren.

Ab 29. März 1581 war Dr. Georg Würfel als Pfarrer in St. Martin tätig. Kaplan Johann Honoman meldete aber am 6. August 1582 den Klosterrat: „Der Pfarrer Würffl sei seltsam, hat ein Weib .…“. Dennoch blieb Würfel bis 1585 Pfarrer.

Der erst 1586 durch den Klosterrat gegen den Willen der Bevölkerung von Eisenstadt und Kleinhöflein eingesetzte neue Pfarrer Johann Hoffmann beschwerte sich beim Erzherzog, „dass die gmein Von der Kirch und Gottesdienst abweichen, Und sich zu denen anderen sectischen Predicanten hauffenweis begeben, khomben in keine Khirchen ... Vnd da ich inen gleich mit der Obrigkeit drohe, so geben sy doch nichts darumb, lachen sich die Handt voll, tun Ires gefallens was sie wollen …“

Am 16. August 1589 brach in der Pfarrgasse ein verheerender Stadtbrand aus, der neben vielen Bürgerhäusern und öffentlichen Gebäuden auch die Kirche vernichtete. So stürzte das Langhausgewölbe der Kirche ein, sodass dort keine Messen mehr gelesen werden konnten. Die Kirche wurde erst in den Jahren 1628 bis 1630 unter dem Pfandherrn Nikolaus Esterházy erneuert.

Abt Pater Robert Notius floh als Zisterzienserabt in Halberstadt während des 50-jährigen Krieges und wirkte mehrere Jahre als Pfarrer in Leithaprodersdorf. 1643 wurde er der erste Stadtpfarrer von Eisenstadt. 1649 erhielt er die Zisterzienser-Prälatur in Wiener Neustadt, wo er als „Exul“ (Verbannter) im Jahre 1663 starb.

Namenspatron für die Marckhl-Gasse

Die markanteste Priestergestalt in Eisenstadt war von 1685 bis 1725 wohl Matthias Marckhl, nach dem auch die Gasse zwischen Domplatz und Hauptstraße benannt ist. Zusammen mit dem Palatin Fürst Paul Esterházy brachte er nach den Türkenkriegen das religiöse Leben in Eisenstadt zur besonderen Blüte. So erhielt die Pfarrkirche die Marienglocke (1691), angeschafft wurden das Riesengemälde des „Jüddischen Hochgerichtes“ (1693) und viele Paramente, die Sakristei wurde erweitert (1709), die Kirchengruft erbaut (1716). Marckhl war ein Freund der Wissenschaft, der Musik und des Gesanges. Sein Leib ruht in einem gläsernen Sarg in der von ihm errichteten Kirchengruft.

Der wohl erste in Eisenstadt geborene Pfarrer war Leopold Hörger, er wurde 1752 mit 30 Jahren Pfarrer. Hörger war wegen seines sanften und gefälligen Charakters allgemein beliebt. Mit der Würde eines Titularabtes ausgezeichnet, starb er im Jahr 1782 in Eisenstadt.

Ab 1787 war Leopold von Somogyi Pfarrer in Eisenstadt. „Ein wahrer Martin, der nicht nur den Mantel, sondern auch das Hemd und obendrein das Herz teilt, der in dieser Stadt den schönsten Ruhm hinterlassen hat, unzähhlige Wohltaten ausgeübt und viele Tränen getrocknet hat.“ Er wurde 1790 nach Raab berufen, 1806 zum Bischof von Steinamanger/Szombathely ernannt, wo er dann 16 Jahre die Diözese leitete.

Von 1818 bis 1860, also 42 Jahre lang, war Georg Degenheim Seelsorger in St. Martin. Er wirkte still und bescheiden und wurde zum Titularabt von Nyirpál ernannt. Unter Degenheim wurde 1854 der neue Friedhof eröffnet. Er starb am 17. Jänner 1860. Degenheim ließ sich in der Gruft der Pfarrkirche begraben.

Viktor Horvath stammte aus Csepreg. Pflichttreue, Redegabe und ruhiges leutseliges Wesen verschafften ihm das Wohlwollen, sodass er 1890 einhellig zum Stadtpfarrer gewählt wurde. 1903 wurde er Ehrenbürger der Stadt, 1917 wurde er Domherr von Raab/Györ.

Eine lange Wirkenszeit hatte auch Michael Gangl, er war ab dem Jahr 1929 Stadtpfarrer, wurde 1962 Kreisdechant des nördlichen Kreises der Diözese und bekleidete ab 1.8.1963 das Amt des Dignitärs (Dompropst - Rat und Senat des Bischofs). In den Jahren 1972 bis 1998 war Alfred Zistler als Stadtpfarrer tätig. Ihm folgte Josef Prikoszovits, der dieses Amt von September 2000 bis September 2013 ausübte. Am 1. November 2014 wurde P. Erich Bernhard COp Stadt- und Dompfarrer.

Mit dem 1. September 2020 wurde P. Achim Bayer COp aufgrund der Präsentation durch Pater Generalsuperior der Kalasantiner zum Dom- und Stadtpfarrer der Dom- und Stadtpfarre zum hl. Martin in Eisenstadt ernannt.

Quellen: Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes, 2. Band, „Der Verwaltungsbezirk Eisenstadt und die Freistädte Eisenstadt und Rust“

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