Ewald Barilich: Einer der letzten Greißler erzählt. Kleine Nahversorger verschwinden immer mehr aus den Ortschaften am Land. Ewald Barilich erzählt der BVZ über seine Greißlerei in Oslip, die er von seinen Eltern übernahm.

Von Reinhold Woditsch. Erstellt am 12. Februar 2020 (05:36)
Engagiert. Ewald Barilich betreibt den Familienbetrieb in Oslips Zentrum mit Liebe zum Beruf.
Woditsch

Das Aussterben von Innenstädten und Nahversorgern beschäftigt mittlerweile seit Jahren Wirtschaft und Politik. Zu Fuß schlecht erreichbare Einkaufszentren an den Stadträndern prägen österreichweit das Ortsbild. Gefühlt hat jedes mittelgroße Dorf eine Filiale eines großen Lebensmittelhändlers am Ortsrand, viele kleine Dörfer haben gar keinen Nahversorger mehr.

Um zu zeigen, dass es diese aber sehr wohl noch gibt, waren wir in Oslip. Dort beweist der alteingesessene Familienbetrieb von Ewald Barilich, dass es nach wie vor große Nachfrage nach dem klassischen Greißler gibt. Wenn man dieses Kaufhaus betritt, so fühlt man sich ein bisschen, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Dabei kommt der Laden aber ohne die gespielte Hipster-Nostalgie aus, mit der viele neuere Konzepte im städtischen Bereich zu punkten versuchen. Von der ersten Sekunde an sind hier Authentizität und Liebe zum Beruf zu spüren. Wir haben mit dem sympathischen Chef über das Leben als Greißler gesprochen.

Geschichte. Die Greißlerei führten bereits Ewald Barilichs Eltern und sie ist seit nunmehr 40 Jahren Teil des Osliper Ortsbilds.
BVZ

Das Geschäft ist ein Familienbetrieb, den Ewald Barilichs Eltern bereits hatten. „Es ist jetzt rund 40 Jahre alt. Ich bin damit aufgewachsen und führe es jetzt weiter“, erzählt Ewald Barilich über das Nah&Frisch-Geschäft.

Dabei ist ihm vor allem das Verhältnis zu den Kunden sehr wichtig. „Ich schätze, ich kenne über 80 Prozent der Kunden persönlich. Das sind die einheimischen Stammkunden. Die restlichen 20 Prozent sind meistens Arbeiter, die nicht von hier sind“, so Barilich weiter.

Wurst aus Leithaprodersdorf, Gemüse aus dem Seewinkel

So hebt sich der Betrieb auch von den großen Lebensmittelhändlern an den Ortsrändern ab. Barilich erklärt: „Der größte Vorteil ist sicher der persönliche Service, weil ich meine Kunden kenne. Außerdem biete ich regionale Produkte an und das wird vom Kunden immer mehr gesucht und gewünscht. Das Brot ist beispielsweise vom Osliper Bäcker Schumich und auch die Feinkost kommt aus der Region. Wurst habe ich zum Beispiel von Graf aus Leithaprodersdorf, von Wallner aus Pöttsching oder von Karassowitsch aus Rust. Das Gemüse kommt aus dem Seewinkel, also eigentlich sind die meisten meiner Produkte hier aus der Gegend.“ Lächelnd fügt er hinzu: „Und mit Freundlichkeit kann man sowieso immer punkten.“

Ewald Barilich arbeitet mit Nah&Frisch zusammen. „Wir sind – anders als andere Firmen – selbstständige Kaufleute und können so eben auch regionale Sachen anbieten. Wir werden zwar beliefert und auch die Werbung läuft über Nah&Frisch, aber wenn ich jetzt sage, ich will zum Beispiel Adebar Knoblauchchips aus dem Burgenland, ist das alles möglich. So bleiben wir flexibler als andere Märkte“, erklärt Barilich.

Auch als Besitzer des Geschäfts hat Ewald Barilich ein Lieblingsprodukt: „Ein Lieblingsprodukt, das mir gut schmeckt? Naja, da gibt es einiges“, stellt er lachend fest und ergänzt: „Also ich esse zum Beispiel sehr gerne die polnische Spezialwurst.“

Für die Zukunft ist er bescheiden: „Ich bin schon sehr zufrieden, wenn es so weitergeht wie bisher. Das ist heutzutage schon viel wert.“