Bankomatdiebstahl: drei Jahre Haft. In der Nacht auf 28. März 2018 hatten vorerst unbekannte Täter den Bankomat aus dem Spar-Markt in Trausdorf entwendet. Ein 49-jähriger Rumäne, dessen DNA auf einer am Tatort zurückgelassenen Spitzhacke sichergestellt werden konnte, wurde am Dienstag, 12. November 2019, wegen seiner Beteiligung an dieser Straftat zu drei Jahren Haft verurteilt. Obwohl der Mann die Tat bis zuletzt geleugnet hatte, nahm er das Urteil an.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 12. November 2019 (13:05)
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Dem Urteil war ein langwieriges Verfahren mit mehreren Prozessterminen vorangegangen. Bevor Richterin Daniela Berger das Urteil des Schöffensenates verkünden konnte, war am Vormittag des 12. November noch eine Videokonferenz mit einem Gericht in Rumänien am Programm gestanden, wo einige Zeugen auf ihre Einvernahme warteten.

Videokonferenz mit Rumänien

Bis die Kontaktaufnahme jedoch klappte, dauerte es fast 45 Minuten lang. Unzählige Versuche wurden hüben wie drüben gestartet, um Bild und Ton aus beiden Gerichtssälen auf die Bildschirme zu bekommen.

Was dann von einem ehemaligen Arbeitskollegen des Angeklagten, dessen Chefin und dessen Ehefrau gesagt wurde, konnte dessen Alibi nicht nachhaltig untermauern.

Der Angeklagte hatte stets behauptet, er sei im März 2018 als Arbeiter mit dem Verlegen von Gasleitungen beschäftigt gewesen, dabei seien auch Spitzhacken wie die in Trausdorf vorgefundene verwendet worden.

Angeklagte leugnete die Tat

Mit dem Coup, der sich in der Nacht auf 28. März 2018 in Österreich ereignet hatte, habe er nichts zu tun, hatte der Angeklagte stets beteuert. Wie die Spitzhacke mit seinem genetischen Material nach Trausdorf gelangt war, könne er nicht erklären.

Der Rumäne soll mit zwei weiteren, bislang unbekannten Mittätern zunächst die Glastüre zum Foyer des Spar-Marktes aufgezwängt, dann ein Seil um den dort aufgestellten Bankomat gelegt und diesen aus der Verankerung gerissen haben.

Der mit einer Flex geöffnete Bankomat wurde am nächsten Tag in einer Gartenhütte nahe Sopron gefunden. Zwei Wochen später entdeckte man jenes in Wöllersdorf gestohlene Auto, mit dem der Bankomat abtransportiert worden war.

81.930 Euro verschwanden

Von den im Bankomat enthaltenen 81.930 Euro fehlte jede Spur. Aufgrund des DANN-Treffers konnte der 49-jährige Rumäne in seiner Heimat ausfindig gemacht und im Jänner 2019 nach Österreich ausgeliefert werden.

Die kurz vor der Urteilsverkündung per Videokonferenz durchgeführte Einvernahme der rumänischen Zeugen überraschte nur mehr in einem Punkt: Die als Zeugin beantragte ehemalige Chefin des Angeklagten entpuppte sich als dessen Schwester. Wegen des Verwandtschaftsverhältnisses machte sie von dem Recht Gebrauch, sich der Aussage zu entschlagen.

Die anderen beiden Zeugen, ein ehemaliger Arbeitskollege und die Gattin des Angeklagten, konnten nicht überzeugend darstellen, dass der Verdächtige just am 27. und 28. März 2018 nachweislich seiner Arbeit nachgegangen sein soll.

Freispruch beantragt

Dennoch beantragte der Verteidiger einen Freispruch für seinen Mandanten.

Dem kam der Schöffensenat nicht nach. Es gebe, so die vorsitzende Richterin Daniela Berger, keinerlei Zweifel, dass der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Taten begangen hat. Sie verwies auf das Gutachten des Sachverständigen, der zu dem Schluss gekommen war, dass die DNA-Spur auf der Spitzhacke von jener Person stammen muss, die das Werkzeug zuletzt verwendet hat.

Ähnliche Straftaten in Deutschland begangen

Außerdem sei der Angeklagte 2008 in Deutschland wegen Bankomatdiebstählen verurteilt worden, die auf genau dieselbe Art und Weise wie in Trausdorf begangen worden waren.

„Ein Alibi konnte er nicht liefern“, sagte die Richterin.

An die Bankomatbetreibergesellschaft muss der Angeklagte die gestohlenen 81.930 Euro zurückzahlen – binnen 14 Tagen, wie das Gericht vorschrieb.

Der Angeklagte nahm das Urteil – drei Jahre Haft - an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.