Ukrainerin in Eisenstadt: „Wir wissen nicht, wie es weiter geht“

Erstellt am 10. März 2022 | 05:47
Lesezeit: 3 Min
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Volksschuldirektorin Charlotte Toth-Kanyak mit Diana Guillen Navarro (r.), ihrer Schwester Victoria und ihren Neffen Justin und Augustin.
Foto: Wagentristl
Familie Guillen half ihren Verwandten, aus der Ukraine nach Österreich zu fliehen. Als direkt Betroffene wollen sie aufklären.
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Diana Guillen Navarro hat die Liebe nach Eisenstadt geführt. Die Giarristin mit Wurzeln in der Ukraine, genauer gesagt in einer Stadt in der Nähe von Lviv (Lemberg), ist schon mehrere Jahre in Österreich, nachdem sie die Liebe zu Gabriel Guillen, ebenfalls Gitarrist, Lehrer am Haydnkonservatorium und Organisator des Gitarrenfestivals in Rust, nach Eisenstadt verschlagen hat.

„Wir müssen die Familie nach Österreich in Sicherheit bringen.“

Damit ihre Familie es nach Eisenstadt geschafft hat, war neben Hilfe aus Österreich auch viel Glück notwendig. „Mitte Feber, vor Kriegsbeginn, ist mein Schwager aus der Ukraine zu uns gekommen, um uns bei der Haussanierung zu helfen. Wenige Tage nachdem er zu uns kam, startete Russland die Invasion in der Ukraine“, schildert die gebürtige Ukrainerin. Als die Militäroffensive Russlands an Fahrt aufnahm und die Truppen Kiew zu umzingeln begannen, kamen sie schließlich zum Schluss: „Wir müssen die Familie nach Österreich in Sicherheit bringen.“

In ihrer Heimatstadt, ganz im Westen der Ukraine, nahe der polnischen Grenze, waren zu diesem Zeitpunkt bereits Explosionen zu hören, erste Kämpfe brachen aus. Die Flucht schien jedoch nicht möglich. „Die Regale in den Geschäften waren bereits leer, Essen war schwer aufzutreiben. Da sah ich einen tschechischen Reisebus — allerdings konnte man keine Tickets kaufen“, dolmetscht Guillen für ihre Schwägerin Victoria, deren Söhne mittlerweile die Volksschule und den Kindergarten in Eisenstadt besuchen. Über Freunde in Polen gelang es ihr schließlich doch noch an Tickets zu kommen, so startete für sie und ihre Söhne die Reise in den Westen.

„In der Westukraine sieht es noch besser aus als im Osten.“

Besonders freundlich seien die Busfahrer zwar nicht gewesen, eigentlich wollten sie die Familie kurz nach der polnischen Grenze aus dem Bus werfen. Nach einigen Interventionen wurden sie in Krakau an einer Tankstelle abgesetzt, von wo Familie Guillen sie abholte.

Wenn der Krieg in ihrer Heimat vorbei ist, wollen die Ukrainer schnellstmöglich zurück in ihre Heimat — „natürlich!“ Abschätzen, wie sich die Situation entwickelt, können aber auch sie nicht. „In der Westukraine sieht es noch besser aus als im Osten. Aber wir wissen nicht, ob Russland nicht auch noch den Westen bombardieren und einnehmen will“, schätzt Guillen.

In Österreich sei ihre Familie jedenfalls gut versorgt, die Hilfsbereitschaft ihnen gegenüber sei enorm. „Danke an alle, die sich für uns eingesetzt haben und an Volksschuldirektorin Charlotte Toth-Kanyak, die uns von Anfang an mit Rat und Tat unterstützt hat“, zeigt sich Diana Guillen Navarro gerührt.

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