Bezirk Eisenstadt/Bezirk Mattersburg: Ein Jahr Haft für Unternehmer

Erstellt am 03. Februar 2022 | 06:00
Lesezeit: 3 Min
Justizanstalt Eisenstadt
Justizanstalt Eisenstadt
Foto: Fotodienst/Peter Reiterits
Ferkel-Exporte führten in Desaster. 62-jähriger Geschäftsmann wegen schweren Betrugs schuldig gesprochen.
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Der Unternehmer aus dem Bezirk Mattersburg mit Firmensitz im Bezirk Eisenstadt hatte sich seit den 1990er-Jahren mit dem Export von Ferkeln nach Kroatien beschäftigt. Ende 2009 war sein Unternehmen zahlungsunfähig. Doch anstelle Konkurs anzumelden, begann der Exporteur zu tricksen und zwei Banken mit gefälschten Dokumenten zu täuschen, um den Geldfluss am Laufen zu halten.

Vorige Woche hatte sich der Unternehmer vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Birgit Falb nur teilweise schuldig bekannt. Er habe „ein paar Jahre überbrücken“ wollen und sei überzeugt gewesen, dass alles irgendwie „machbar“ gewesen wäre.

Tatsächlich hinterließ der Unternehmer Schulden in Millionenhöhe. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft klagte ihn wegen schweren Betrugs, grobfahrlässiger Beeinträchtigung der Gläubigerinteressen, fahrlässiger Krida und in 170 Fällen der Urkundenfälschung an.

Am zweiten Prozesstag, Dienstag dieser Woche, führte der Angeklagte vor Gericht immer noch aus, dass er überzeugt gewesen sei, das Richtige zu tun.

Vor allem habe er gehofft, beim Kauf einer Schweinezuchtanlage in Kroatien zum Zug zu kommen. Dazu wurde ein Tierarzt als Zeuge befragt, mit dem der Unternehmer zusammengearbeitet hatte. „Es war ein interessantes Projekt“, sagte der Tierarzt. Er habe sich sogar überlegt, selbst in die Zuchtanlage zu investieren. „Warum ist das Projekt gescheitert?“, fragte Richterin Birgit Falb.

„Kroatien ist ein interessantes Land“, führte der Tierarzt aus. „Ich war Berater bei großen Unternehmern, die mittlerweile alle inhaftiert sind.“Gescheitert sei die Übernahme der Zuchtanlage aus politischen Gründen und mangels Vernetzung in Kroatien, berichtete der Tierarzt.

Nach außen hin wirkte Unternehmen gesund

Jener Sachverständige, der die Buchhaltung und die Kontobewegungen der Firma des Angeklagten geprüft hatte, berichtete dem Schöffensenat, dass nach außen hin der Eindruck eines „gesunden Unternehmens“ erweckt wurde. „Es gab hohe Umsatzerlöse, der Angeklagte zahlte sogar Steuern, obwohl er Verluste machte“, wunderte sich der Gutachter.

Nach einem Gespräch mit dem Verteidiger bekannte sich der glücklose Unternehmer schließlich doch zu allen Anklagepunkten schuldig.

Er erhielt eine Strafe von drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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