Besuche im Haftraum? Freispruch in Eisenstadt. Eine wegen Verleumdung eines Justizwachebeamten angeklagte Frau wurde nun freigesprochen.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 24. Februar 2019 (07:06)
Fotodienst/Peter Reiterits
Die Justizanstalt Eisenstadt

2017 kursierten in der Frauenabteilung des Eisenstädter Gefängnisses Gerüchte über ein angebliches Verhältnis einer Insassin mit einem Justizwachebeamten.

Als sich die 34-jährige Insassin gegenüber anderen Frauen mit Details über Besuche des Justizwachebeamten in ihrem Haftraum und über dessen Geschenke zu brüsten begann, verfasste eine Mitgefangene einen Brief an die Anstaltsleitung, um über die angebliche Affäre zu informieren: „Ich glaube, dass so etwas nicht in Ordnung ist“, hatte sie bereits 2018 bei einer Verhandlung vor Gericht ausgesagt. Der Brief hatte ihr nämlich eine Anklage wegen Verleumdung des Justizwachebeamten eingebracht.

Vorige Woche wurde eine 27-jährige Ungarin einvernommen, die sich mit der Angeklagten die Zelle in Eisenstadt geteilt hatte.

Die 34-jährige Insassin habe „überall erzählt, dass der Beamte sie regelmäßig besucht und sie von ihm Geschenke bekam“, sagte die Zeugin aus. „Dass zwischen ihnen etwas lief, haben alle gewusst. Im Oktober 2017 flog alles auf.“

„Das war schon extrem!“

Die 34-Jährige habe „den ganzen Tag über den Beamten gesprochen“, sagte die Ungarin. „Das war schon extrem.“

Sie hätten dann gemeinsam besprochen, dass man die Angelegenheit „melden“ müsse. Sie selbst habe aber nicht in die Sache hineingezogen werden wollen, weshalb die Angeklagte den Brief an die Anstaltsleitung allein verfasste.

Die 34-Jährige, verheiratet und Mutter von fünf Kindern, hatte vor Gericht bestritten, dass sie mit einem Justizwachebeamten ein Verhältnis gehabt habe.

Der Justizwachebeamte hatte ausgesagt, dass er im Nachtdienst nichts mit der Frauenabteilung zu tun habe, die Gänge kameraüberwacht und die Hafträume alarmgesichert seien.

Möglicherweise habe sich die 34-jährige Insassin mit ihren Geschichten über das angebliche Verhältnis nur Geltung verschaffen wollen, sagte die Verteidigerin der Angeklagten und beantragte einen Freispruch.

„Es war nicht beweisbar, dass die Angeklagte wusste, dass sie in ihrem Brief falsche Beschuldigungen erhob“, erklärte Richterin Daniela Berger und sprach die Angeklagte frei. „Es tut nichts zur Sache, ob es wirklich so war“, fügte sie noch hinzu.

Die Staatsanwältin war mit dem Freispruch einverstanden.