Wimpassing: Noch nicht sonnenklar

Erstellt am 03. Februar 2022 | 05:41
Lesezeit: 4 Min
Ja oder Nein? Am Sonntag entscheiden die Wimpassinger über 52 Hektar Solarpark.
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Am kommenden Sonntag findet die Volksbefragung über eine 52 Hektar große Photovoltaik-Anlage statt. Die Abstimmung wurde notwendig, da die ÖVP 450 Unterschriften für eine solche gesammelt hatte. Von 8:30 bis 13 Uhr sind die Wahlurnen in der Volksschule Wimpassing geöffnet. Offen sind auch noch einige Fragen, die die Projektbefürworter und -gegner gänzlich unterschiedlich beantworten.

Nur eines ist klar: Grüne Energie ist die Zukunft

„Ich möchte unseren Kindern eine lebenswerte Welt hinterlassen, das geht nur über CO2-Neutralität. Alle reden vom Klimaschutz, ich möchte weg vom Floriani-Prinzip und handeln“, betont Bürgermeister Ernst Edelmann (SPÖ). Da stimmt auch Landeshauptmannstellvertreterin Astrid Eisenkopf zu: „Wenn wir im Burgenland klimaneutral werden wollen, müssen wir raus aus Öl und Gas und stark auf saubere Energien setzen.“ Ebenso sieht es Hans Ackerbauer von der FPÖ und immerhin studierter Biologe: „Wir müssen neue Energieformen forcieren.“

Das ist der einzige Punkt, bei dem mit Thomas Menitz (ÖVP) und Johann Kauper (unabhängiger Bürgermeister-Kandidat, von der ÖVP unterstützt) zustimmen: „Wir sind für PV-Anlagen“, betonen sie, „aber nicht auf Ackerflächen.“

Auf die Dächer oder auf die grüne Wiese?

Diese Frage stellt sich für Edelmann nicht. Er präsentiert eine Studie vom Technikum Wien, laut der es auf Dächern und versiegelten Flächen zwar ein Potenzial von 18 Terawattstunden (TWh) gäbe, praktisch seien es das aber nur vier. Für Klimaneutralität brauche es elf TWh. Die Projekt-Gegner haben ein Gutachten von der Wiener Universität für Bodenkultur eingeholt. Dieser bestätigt den Bedarf von elf TWh, sieht bei 15.000 gewerblichen Parkplätzen und 1.400 Kilometer Autobahn-Lärmschutzwänden aber Potenzial, um ausreichend große PV-Anlagen anzubringen.

Vonseiten der Energie Burgenland hieß es gegenüber der BVZ immer, dass die Leitungen nicht gemacht seien, um von der Autobahn aus Solarenergie ins Netz zu speisen. Diese Leitungen müssen eben hergestellt werden, betonen Kauper und Menitz – auch, wenn das die Gewinne der Energie Burgenland schmälere.

Warum hier, warum so groß und warum Esterházy?

Projektgegner berichten von Skepsis der Bevölkerung, weil die 52 Hektar große Anlage gänzlich auf Esterházy-Grund stehen soll und kein Wimpassinger Grundbesitzer mitverdient. Das liege daran, so Edelmann, dass sich das Umspannwerk gleich in Nähe befindet.

Ein weiterer Kritikpunkt der ÖVP: Eine der größten PV-Anlagen Österreichs verändere die Landschaft grundlegend. Wegen der Größe und der Acker-Verbauung haben sich auch die Bürgermeister aus Leithaprodersdorf und Hornstein, Martin Radatz und Christoph Wolf (beide ÖVP) gegen das Projekt ausgesprochen.

Edelmann hält dem entgegen, dass ein Begrünungskonzept die Solarpaneele in der Landschaft fast verschwinden lasse. Umzäunt werde das Areal nicht, damit Wildwechsel aber auch Spaziergehen weiterhin möglich sei, außerdem soll ein breiter Abstand zwischen den Paneel-Reihen gelassen werden.

„Wir werden das Landschaftsbild in Wimpassing erhalten und auch eine Mehrfachnutzung sicherstellen, etwa für Heuproduktion oder Tierhaltung“, verspricht Landesrat Heinrich Dorner. Für Ackerbauer ist das „AgriPV-Modell“ ein guter Kompromiss aus Technik und Umwelt, da Versiegelung vermieden wird. Ob Wimpassinger Bauern zum Zug kommen werden, bezweifelt Kauper allerdings. Und, dass sich Wanderer zwischen den Paneelreihen wohlfühlen, ebenso.

Eingriff ins Mikro-Klima für 38.000 Euro?

Kaupers nächster Kritikpunkt ist die Hitze, die von den Paneelen abstrahlt und, je nach Windrichtung, Hornstein oder Wimpassing im Sommer noch weiter aufheizt. „Im Sommer kann man auf einem Paneel ein Spiegelei machen“, seufzt er. Das seien die geplanten Jahreseinnahmen 38.000 Euro für die Gemeinde einfach nicht wert. „Allein die Mindestlohn-Umsetzung kann uns bis zu 60.000 Euro kosten“, betont Menitz.

Edelmann verweist hingegen auf Erfahrungen mit PV-Anlagen in der Wüste. Dort könne man unter den Paneelen sogar kühlere Temperaturen messen. Die Einnahmen von 38.000 Euro seien, auf die 40-jährige Pachtzeit gerechnet, immerhin fast 1,4 Millionen Euro. „Auf die können und sollten wir nicht verzichten“, betont er.

Nun sind die Wimpassinger am Wort. Alle Parteien hoffen auf eine hohe Wahlbeteiligung und ein eindeutiges Ergebnis. Eine Volksbefragung ist rechtlich nicht bindend. Die ÖVP werde jedes Ergebnis anerkennen, so Menitz. Sollte das Votum zu knapp ausgehen, müsse das Thema noch einmal in den Gemeinderat, kündigen Edelmann und Ackerbauer an.

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