Tops und Flops der Gemeinderatswahl im Bezirk Eisenstadt

Erstellt am 06. Oktober 2022 | 05:53
Lesezeit: 4 Min
Der strahlendste Sieger des Landes kam aus Leithaprodersdorf, das Bürgermeisterinnenduell ging an die ÖVP und eine rote Rekordaufholjagd hätte Stotzing fast „gedreht“. Traurigere Rekorde gab es in Eisenstadt und Wimpassing.
Werbung

Leithaprodersdorf wirkt ein bisschen wie das nordburgenländische Brescello, die berühmte Toskanische Heimat von Don Camillo und Peppone. Mit dem einen Unterschied, dass Don Camillo 84 Prozent der Stimmen holt. Martin Radatz bleibt bescheiden: „Wir haben einfach ein tolles Team. Am Wahltag haben wir noch alle Verwandten abgeklappert, das hat bei der Mobilisierung geholfen.“ Nach einem Sieg folgt in der „Heurigen-Hauptstadt“ Leithaprodersdorf traditionell gleich die nächste harte Prüfung: In allen offenen der 16 Heurigen muss so ein Sieg natürlich gefeiert werden.

Eine der erfolgreichsten Aufholjagden im ganzen Land ist Gerald Pangl in Stotzing gelungen. Er holt mit seiner SPÖ 16 Prozent auf Amtsinhaber Thomas Tiwald auf und wird Vizebürgermeister. „Wir sind erst im Juni mit dem neuen SPÖ-Team durchgestartet, für diese kurze Zeit ist das ein sehr gutes Ergebnis“, freut sich Pangl. Er will eine konstruktive Kraft sein: „Wir wollen faire und soziale Politik machen. Wir haben nichts skandalisiert, obwohl wir mit der Bauplatzvergabe nicht einverstanden sind. Zukünftig wollen wir Akzente für die Jugend setzen, ohne sie in SJ und JVP aufzuteilen.“

Im ganzen Land gab es nur ein rein weibliches Duell um das Bürgermeisterinnen-Amt. Margit Wennesz-Ehrlich (ÖVP) konnte sich dabei gegen Elke Dvornikovich (SPÖ) durchsetzen. Ist ein Wahlkampf anders, wenn er nur von Frauen bestritten wird? „Es war ein sehr fairer Wahlkampf, zwischen Elke und mir gab es keine Übergriffe, dafür habe mich bei ihr bedankt, sie hat wirklich eingehalten, was wir uns ausgemacht haben“, bestätigt das die frisch gebackene Ortschefin.

„Macho-Sprüche“ habe es keine gegeben, aber an doch einigen weißen Zetteln bei der Bürgermeisterinnen-Wahl haben beide erkennen können, „dass vielleicht doch noch nicht alle Osliper für eine Bürgermeisterin bereit sind, da waren Elke und ich uns einig“, seufzt Wennesz-Ehrlich. „Aber, ich habe gewusst, worauf ich mich einlasse, ich war zehn Jahre lang in der Kirche sehr aktiv.“

Die Leere in der Wahlurne und am Stimmzettel

Der Zuzug von Menschen, die keinen Bezug zu ihrer neuen Heimatgemeinde haben, hat langsam auch im Burgenland demokratiepolitische Folgen. In den wachsenden Städten (Neusiedl, Eisenstadt, Oberwart) sowie NÖ-Grenzgemeinden mit hohem Zuzug (Parndorf, Neudörfl, Kittsee) ist die Wahlbeteiligung auf unter zwei Drittel gesunken. Nur 56 Prozent wählten in Parndorf, die fünft-niedrigste Wahlbeteiligung gab es mit 63 Prozent in Eisenstadt. Oder, um es noch dramatischer auszudrücken: 4.554 Stimmzettel blieben in Eisenstadt unausgefüllt. Damit gingen in der Landeshauptstadt mehr Menschen nicht zur Wahl, als in Jennersdorf wohnen.

Eine Statistik, die fast noch nachdenklicher macht: Landesweit waren 7,3 Prozent der Stimmzettel ungültig, bei der Landtagswahl 2020 war es nur ein Prozent. Damit liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei nicht um einen Protest handelt, sondern das Wahlsystem für manche zu kompliziert ist. Landesweit die zweitmeisten ungültigen Stimmen gab es in Wimpassing mit 14 Prozent an ungültigen Stimmen.

Aber um diese Seite zu einem positiven oder zumindest vinologisch hochwertigem Abschluss zu bringen: In Donnerskirchen gingen vier der 13 ÖVP-Mandate an Josef und Michael Bayer, Anna Reichardt und Michael Liegenfeld. Das ergibt intern 31 Prozent für die „Weinpartei“.

Weiterlesen nach der Werbung