Ruster Hüttenbesitzer bangen um Saison

Erstellt am 27. Mai 2022 | 05:34
Lesezeit: 4 Min
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Die Ruster Bucht mit ihren Pfahlbauten ist mit Booten mit zu viel Tiefgang schon jetzt nicht ohne Probleme erreichbar.
Foto: Foto zVg Wondra, Penias
Angesichts des besorgniserregend niedrigen Wasserstandes könnte die Saison für Hüttenbesitzer in der Ruster Bucht heuer kürzer ausfallen. Einige Pfahlbauten schon jetzt kaum erreichbar. Die Segelschulen kämpfen unterdessen mit Gerüchten, dass kein Betrieb mehr möglich sei. „Stimmt nicht, wir segeln weiter.“
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Wer in letzter Zeit am See die Füße ins Wasser halten wollte, wird es wohl gemerkt haben: Es geht sich nicht mehr aus. Beim aktuellen Wassermangel handelt es sich jedenfalls nicht um ein Luxusproblem, für viele Menschen in den Seegemeinden wird der Seepegel mittlerweile existenzbedrohend.

Zwar will niemand den Teufel an die Wand malen, Schifffahrtsunternehmen aller Art betonen: „Bisher läuft der Betrieb noch ohne Einschränkungen.“ Allerdings: Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „noch“. Denn sollte der Juni keine Besserung in Form von tagelangem Regen bringen, könne es problematisch werden.

„Wir haben einen Wasserstand wie sonst im August“

Das wissen auch die Hüttenbesitzer der Ruster Bucht. Stellenweise wühlen sogar die Schrauben der kleinsten Schiffe am See im Schlamm, einige Hütten haben gar schon neue Zufahrtskanäle bekommen, um die Erreichbarkeit auch bei Wassermangel sicherzustellen.

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Die Segler hoffen, dass ihre Boote nicht im Gatsch stecken bleiben.
Foto: zVg Wondra, Penias

Über einen Kamm scheren könne man die Situation der Hüttenbesitzer aber nicht, erklärt die Obfrau der Interessensgemeinschaft der Hüttenbesitzer Rust (IGDH), Anna Steiger.

„Es kommt natürlich darauf an, wo die Hütte liegt. An manchen Stellen ist es tatsächlich schon problematisch, wir haben einen Wasserstand wie sonst im August“, erklärt Steiger gegenüber der BVZ besorgt. Bei der Generalversammlung des Vereins am Samstag hätten sich die Hüttenbesitzer jedenfalls besorgt gezeigt.

Unklar ist aktuell noch, ob die Hüttenbesitzer die volle Pacht entrichten müssen, wenn sie ihre Pfahlbauten nicht mehr erreichen können, weil das Boot sonst im Schlamm stecken bleibt. „Wir sind in Gesprächen mit dem Eigentümer, der Esterhazy Stiftung und suchen gemeinsam nach Lösungen“, heißt es von der IGDH.

Wie lange der See noch genug Wasser für die Schifffahrt führt, darüber will Steiger — ihrerseits Vize-Rektorin der TU Wien — nicht spekulieren. „Ich vertraue dabei, wie auch bei der geplanten Wasserzufuhr, auf die Wissenschafter, die sich eingehend damit beschäftigen. Als IGDH hoffen wir jedenfalls, dass wir unsere Hütten die ganze Saison über nutzen können.“

„Wir segeln weiter, solange es geht“

In der Segelschule Kreindl, die in Rust und Weiden vertreten ist, kämpft man neben dem Wassermangel auch gegen Falschinformationen: „Uns rufen laufend Kunden an, weil sie denken, dass gar nichts mehr geht. Wir segeln aber noch normal weiter, die Kurse und der Verleih laufen ohne Einschränkungen“, erklärt Julia Gettinger von der Segelschule. „Wir haben keine Kielboote oder Yachten, sondern Jollen mit 30 bis 50 Zentimetern Tiefgang. Dennoch müssen wir uns natürlich den Gegebenheiten anpassen.“

Dazu wurde die Flotte der Segelschule Kreindl etwa mit kürzeren Ruderblättern bestückt, die von den Betreibern selbst ge- und verbaut wurden. Man werde sehen, „wie weit man damit durch den Sommer kommt. Wie es im August aussieht, bleibt abzuwarten.“ Ein Hindernis sei auch die Verschlammung in der Ruster Bucht. Um diese Problematik zu umgehen, könne man die Boote auch auf offene See schleppen und dort bei deutlich mehr Wasser und weniger Schlamm segeln.

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