Inkontinenz: Darüber reden statt darunter leiden. Inkontinenz ist eine der häufigsten Volkskrankheiten. Doch nur wenige Menschen mit Blasen- oder Darmschwäche suchen ärztliche Hilfe – vielfach wissen sie aber auch gar nicht, dass es sie gibt. Deshalb wird die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ) anlässlich der „Welt-Kontinenz-Woche“ vom 17.-23. Juni 2019 Betroffene informieren und ihnen konkrete Unterstützung anbieten.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 12. Juni 2019 (16:34)
Michael Rutkowski und Michaela Lechner. Fotos: privat (Rutkowski), Jürgen Hammerschmid (Lechner)
privat (Rutkowski), Jürgen Hammerschmid (Lechner)

Etwa 15 Prozent der Österreicher leiden unter einer Form von Inkontinenz. Das heißt rund eine Million Menschen in Österreich oder rund jeder Sechste hat in Österreich ein Problem mit seiner Blase oder seinem Darm. Diese Häufigkeit wird von kaum einer anderen Krankheit erreicht. Dennoch ist Inkontinenz eine Volkskrankheit, von der kaum jemand spricht.

„Die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die auch zentrale Anlaufstelle für Menschen ist, die Rat für ihre Blase oder ihren Darm suchen“, sagt MKÖ-Präsidentin und Fachärztin für Chirurgie mit Spezialgebiet Proktologie Michaela Lechner.

Im Rahmen der „Welt-Kontinenz-Woche“ werden die Informations- und Beratungsangebote der MKÖ verstärkt. Etwa kann man sich eine Infobox bestellen (0810/100 455 bzw. info@kontinenzgesellschaft.at) oder sich am neuen Youtube-Kanal schlau machen.

Neue Info-Videos im neuen YouTube-Kanal

Viele Betroffene suchen ersten Rat bevorzugt anonym und in geschützter Atmosphäre. „Videos entsprechen diesem Informationsbedürfnis“, sagt Lechner. In den neuen Videos der MKÖ werden Themen wie Stuhl- und Harninkontinenz sowie das Training für den Beckenboden verständlich von Experten erklärt und mit dem entsprechenden Einfühlungsvermögen angesprochen.

Die MKÖ startet damit auch einen eigenen YouTube-Kanal, der laufend mit weiteren Beiträgen gefüllt wird: Experten-Statements zu den unterschiedlichsten Fragen rund um Blasen- und Darmschwäche, richtiges Trainieren und Entlasten des Beckenbodens, Fachvorträge etc. werden auf YouTube zu sehen sein (vorerst am besten erreichbar über www.kontinenzgesellschaft.at).

Im Beitrag über Stuhl-Inkontinenz, den ungewollten Verlust von Darminhalt am falschen Ort zur falschen Zeit, geht es Aufklärung über die Häufigkeit, Ursachen und die vielfältigen Behandlungsoptionen. „Mehr als zwei Drittel der Fälle können ohne chirurgischen Eingriff geheilt werden. Durch Beckenbodentraining unter Anleitung spezialisierter Physiotherapeuten, medikamentöse Strategien, wie Stuhl eindickende Mittel, gefolgt von Maßnahmen zur gezielten Enddarm-Entleerung oder eine Ernährungsumstellung kann die Behandlung je nach Ursache ganz individuell gestaltet werden“, informiert Lechner.

Die unterschiedlichen Formen und Behandlungsmöglichkeiten bei weiblicher und männlicher Harn-Inkontinenz werden in zwei weiteren Infovideos beschrieben. Sie sollen Betroffenen Mut machen, den Arzt um Hilfe zu bitten. „Frauen sind deutlich öfter von unwillkürlichem Harnverlust betroffen, doch auch Männer können ein Problem mit ihrer Kontinenz haben“, sagt OA Dr. Michael Rutkowski, Urologe und Vizepräsident der MKÖ.

Die Ausprägungen einer Harn-Inkontinenz sind vielfältig: „Manche verlieren Urin beim Husten, Lachen oder Stiegen steigen, manche müssen ständig zur Toilette – auch nachts, was zusätzlich belastet. Effektive Behandlung ist für jede Form der Harn-Inkontinenz möglich. Auch dauerhafte Heilung kann durchaus erreicht werden.“

Eine Übersicht über die Aktivitäten der MKÖ im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche 2019 finden Sie auf der Website der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich unter www.kontinenzgesellschaft.at/wcw