Starke Frau, späte Würdigung. Die Klingenbacherin Johanna „Hanna“ Sturm kämpfte für die Rechte der burgenländisch-kroatischen Arbeiterinnen und leistete sogar im KZ noch Widerstand.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 07. März 2021 (19:45)
Antifaschistin. Die Klingenbacherin Hanna Sturm wäre heuer 130 Jahre alt geworden.
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Man kann sich heute kaum noch vorstellen, wie hart das Leben im Burgenland vor hundert Jahren war. Ein wichtiges Zeitdokument und Fenster in die rot-goldene Vergangenheit ist etwa die Biographie der Klingenbacher Widerstandskämpferin Johanna „Hanna“ Sturm.

Sturm hätte heuer ihren 130. Geburtstag. Sie wurde in ärmlichen Verhältnissen geboren. Ihre Eltern, Burgenland-Kroaten, suchten in Klingenbach ihr Glück. Der Vater, von Beruf Tischler, hatte es als „Zuagroasta“ schwer an Aufträge zu kommen, die Mutter verrichtete Aushilfstätigkeiten.

Auf eine glückliche Kindheit konnte Hanna Sturm nicht zurückblicken: Schon mit acht Jahren musste sie als Feldarbeiterin ihre Familie in Klingenbach mitfinanzieren.

Kinderarbeit und Streiks in der Zuckerfabrik

Früh fand sie mit gefälschten Papieren — Kinderarbeit war erst ab 14 Jahren erlaubt — in der Siegendorfer Zuckerfabrik eine Stelle. Dort musste sie, wie viele andere Kinder, gefährliche Arbeiten für schlechte Bezahlung verrichten.

Schon früh begann ihr Kampf für Arbeiterinnen und Arbeiter, mit 14 Jahren organisierte sie ihren ersten Streik. Besonders am Herz lagen ihr dabei ihre burgenländisch-kroatischen Kollegen, die noch schlechter gestellt waren als die deutsch- und ungarischsprachigen Arbeiter. Als Dank für ihr Engagement setzte es eine Kündigung und Schläge von der Mutter. Wegen ihrer gewerkschaftlichen Arbeit verlor sie unzählige Jobs, etwa in der Hornsteiner Bandfabrik. Selbst arbeitslos, gründete sie in Eisenstadt ein Komitee für Arbeitslose. Der Stadt war die Gewerkschafterin damit so lästig, dass sie ihr sogar die Ausreise nach Deutschland finanzierte. Schließlich kehrte Sturm aber immer wieder ins Burgenland zurück.

Im Eisenstädter Gefängnis war sie ein Stammgast, regelmäßig wurde sie für ihre politische Tätigkeit — anfangs bei der SPÖ, danach bei der KPÖ — verhaftet. Bereits im Austrofaschismus war sie politischer Repression ausgesetzt. Sogar im KZ Ravensbrück leistete sich noch Widerstand, nur mit viel Kampfgeist und auch Glück überlebte sie die Nazi-Herrschaft.

Nach dem Krieg bekam sie von der Gemeinde Neufeld einen kleinen Grund zur Verfügung gestellt, auf dem sie selbst ihr Haus baute. Dort lebte sie bis kurz vor ihrem Tod 1984. Eine Liebe verband sie auch mit dem ASV Neufeld. Bei einem Fußballmatch traf sie zufällig auf einige ihrer ehemaligen Nazi-Peiniger und entging nur durch das Einschreiten befreundeter Fußballfans einem Mordversuch.

„Sie war und ist Vorbild mit ihrem Tun“, ehrte sie zum Weltfrauentag SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Astrid Eisenkopf. Der autobiographische Roman von Hanna Sturm ist am Gemeindeamt Klingenbach erhältlich.