11,5 Millionen Euro für moderne Müllentsorgungs-Anlage. Bis zum Herbst soll auf dem Gelände des Entsorgungsbetriebs Hackl in Wulkaprodersdorf eine Müllaufbereitungsanlage mit 35.000 Tonnen Kapazität entstehen.

Von Nina Sorger. Erstellt am 27. Februar 2019 (06:51)
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Nachdem 2017 ein Großbrand die Ersatzbrennstoffanlage des Entsorgungsunternehmens Hackl in Wulkaprodersdorf zerstört hatte, fiel nun genau an jener Stelle der Startschuss für die Errichtung der modernsten Müllaufbereitungsanlage Europas.

„Brand war Katastrophe, aber auch Chance“

„Der Brand war eine Katastrophe, aber auch eine Chance.Wwir wussten, es kommen harte Zeiten auf das Unternehmen, auf unsere Mitarbeiter und auf unsere Familie zu, aber wir haben zusammengehalten“, erinnerte sich Oswald Hackl jun. sichtlich bewegt an jenen Tag im Oktober 2017.

Flammenberge. In der Nacht des 20. Oktobers 2017 brannte die Ersatzbrennstoffanlage des Betriebs.
BVZ

Rund 350 Feuerwehrmitglieder mit 68 Fahrzeugen und einer Teleskopmastbühne waren damals 24 Stunden lang bei der Bekämpfung des Feuers im Einsatz.

Nun soll in einer Bauzeit von sechs Monaten eine Müllaufbereitungsanlage nach neuesten technischen Standards entstehen. Die neue Anlage wird eine Kapazität von 35.000 Tonnen haben.

Der wesentliche Unterschied zur bisherigen Müllaufbereitung ist ihre deutlich bessere Sortiertiefe, denn erstmals in Österreich werden hier Sortierroboter eingesetzt, wie sie auch in der Autoindustrie verwendet werden.

„Wir holen mehr Wertstoffe aus dem Abfall“

„Die Anlage kann also aus dem Abfall viel besser und zuverlässiger erkennen, was wieder verwertbar ist“, erklärt Firmenchef Oswald Hackl. Durch den Einsatz der Roboter kann der Grad der Wertstoff-Aussortierung bei den gemischten Abfällen von fast 0 auf 20 Prozent und bei Leichtverpackungen von bisher 35 auf 60 Prozent angehoben werden.

Während in Zukunft mehr Müll wiederverwertet werden kann, gibt es weder eine Steigerung der übernommenen Mengen noch eine Änderung der übernommenen Abfallarten. Im Gegenteil: „Wir holen mehr Wertstoffe aus dem Abfall und reduzieren die ohnehin schon niedrigen Lärmwerte noch weiter“, freut sich Oswald Hackl: „Um die Sortieranlage mit den Robotern bedienen zu können, brauchen wir zehn Mitarbeiter mehr als bisher. Arbeitsplätze werden zwar umgeschichtet, aber die Roboter werden keinen Arbeitsplatz wegnehmen.“

Die neue Anlage wird rund 11,5 Millionen Euro kosten. Dazu gibt es eine zwölfprozentige Förderung von der Wirtschaft Burgenland.

Eine Million Euro für den Brandschutz

Insgesamt werden für die neue Müllaufbereitungsanlage rund 100.000 Einzelteile, 650 Tonnen Stahl, ein Kilometer Förderbänder und 50 Kilometer Kabel verwendet. Und viel Beton denn: „Wenn wir eines durch den Brand gelernt haben, dann, dass man viel Beton verwenden soll“, so Oswald Hackl.

Aufgrund dieser Erfahrungen wird auch allein eine Million Euro in den Brandschutz investiert: „Es wird beispielsweise Infrarotkameras und automatische Brandlöscher geben“, so Hackl.

Landeshauptmann Hans Niessl zeigte sich beim Spatenstich auf dem Betriebsgelände beeindruckt von dem Projekt: Mit Innovationskraft, unternehmerischem Weitblick, Fleiß, Verlässlichkeit und Qualität habe sich die Firma Hackl in den letzten 41 Jahren einen ausgezeichneten Namen in Sachen Abfallwirtschaft erarbeitet, so Niessl: „Ich bedanke mich bei der Familie Hackl und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das unternehmerische Engagement. Als im Jahr 2017 die Ersatzbrennstoffanlage der Firma abgebrannt ist, hat das Unternehmen entschieden, dies als Chance zu sehen.“

Neue Anlage ab Herbst 2019 in Betrieb

Ganz im Zeichen dieser Chance überarbeitete die Firma Hackl im vergangenen Jahr aber auch ihre Positionierung und entwickelte ein komplettes Marken-Redesign. Mit dem neuen Leitgedanken „Vorreiter in Nachhaltigkeit“ soll der Fokus auf die Verantwortung des Unternehmens gegenüber Umwelt, Menschen und kommenden Generationen gelegt werden.

„Um die steigenden Abfallmengen zu bewältigen, braucht es immer bessere Methoden – und Unternehmen, die heute proaktiv arbeiten, um Probleme von morgen gar nicht erst entstehen zu lassen“, erklärt Hackl. In diesem Sinne soll die neue Anlage im Herbst in Betrieb gehen.

Hackl in Zahlen

Der Entsorgungsbetrieb Hackl Container wurde 1978 von Oswald Hackl sen. in Zagersdorf gegründet und übersiedelte später nach Wulkaprodersdorf.

Derzeit beschäftigt die Firma unter der Leitung von Oswald Hackl jun. 55 Mitarbeiter, zu denen ab Herbst zehn weitere hinzukommen sollen.

Jährlich werden rund 45.000 Tonnen Werkstoffe und Abfälle fachgerecht entsorgt.