Die Star-Virologin als Pferdeflüstererin

Vor zwei Jahren machte die berühmte Corona-Expertin Dorothee von Laer ihr Hobby zum Beruf und gründete in Wulkaprodersdorf das „Equiliber Reitkunstzentrum“.

Erstellt am 04. November 2021 | 04:13
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„Wir bemühen uns, ein Umfeld zu schaffen, in dem man optimal lernen kann. Wir wünschen uns, dass unsere Besucher beginnen, mit ihrem Pferd still zu kommunizieren und die tiefe Verbindung zwischen sich und diesem feinfühligen Partner suchen. Wir wünschen uns, dass die Reiter auf ihrem Weg unendlich viel über ihren Partner und über sich lernen“, erklärt die Star-Virologin Dorothee von Laer die Philosophie ihres Reitkunstzentrums in Wulkaprodersdorf.
Foto: Foto Christine Kubec

Am Rande der Ortschaft Wulkaprodersdorf im Nordburgenland, liegt in wunderschöner Landschaft das Equiliber Reitkunstzentrum, das Dorothee von Laer im Sommer 2019 gründete. Für die Virologin ging damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung.

Die Leidenschaft für Tiere, insbesondere für Pferde war schon immer gegeben, vor allem da Pferde als feinfühlige Begleiter des Menschen gelten. Vor allem sieht Dorothee von Laer den Reitsport als Ausgleich zu ihrem Beruf als Virologin und Professorin an der Medizinischen Universität. Mit ihren Pferden bietet sich eine fantastische Möglichkeit zwischendurch Kraft zu tanken und den Kopf auszuschalten.

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Ruhe-Oase in einer gehetzten Welt

Vor der Gründung des Reitkunstzentrums hatte Dorothee von Laer ihre eigenen Pferde in verschiedenen Reitställen untergebracht. Dabei bekam sie den Eindruck, dass keines ihrer Pferde einen wirklich glücklichen Eindruck machte. „Daraufhin habe ich einen Reitstall gegründet, der eine Oase in dieser gehetzten Welt sein sollte, in der Tier und Mensch sich entspannen können und Raum für die feine Kommunikation miteinander finden. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber wir befinden uns auf einem guten Weg dahin“, erzählt die 63-Jährige.

Das Reitzentrum bietet Platz für insgesamt 30 Pferde. Es gibt einen 60 m Reitplatz, eine 60 m Reitallee, eine 20 m Rundhalle sowie 7 ha Weiden mit altem Baumbestand. Im Haupthaus befinden sich sechs Gästezimmer, ein gemütliches Reiterstüberl und ein modern ausgestatteter Seminarraum.

Ich fühle mich im Burgenland sehr wohl. Die Burgenländer sind sehr entspannt, ich erlebe keine Feindseligkeit als Deutsche oder Virologin, die sich zur Pandemie äußern muss. Dorothee von Laer Virologin und Pferdefreundin

Im Reitkunstzentrum wird Reitunterricht in der klassischen Reitkunst „Equiliber“ angeboten. Von der klassischen Reitkunst bezieht sich auch der Name des Reitzentrums. „Equiliber ist eine alte Reitweise, die sehr fein ist und eigentlich darauf abzielt, das Pferd mit Gedanken zu reiten, und gar nicht mehr mit körperlichen Hilfen“, so von Laer. Vom Anfänger bis zur Profi-Reiterin, vom Kind bis zum Pensionisten, jedermann kann sich Reitstunden nehmen. „Wir bemühen uns, ein Umfeld zu schaffen, in dem man optimal lernen kann. Wir wünschen uns, dass unsere Besucher beginnen, mit ihrem Pferd still zu kommunizieren und die tiefe Verbindung zwischen sich und diesem feinfühligen Partner suchen. Wir wünschen uns, dass die Reiter auf ihrem Weg unendlich viel über ihren Partner und über sich lernen.“ so die Virologin.

Unter ihren Pferden befinden sich Barockrassen, eine besondere Vorliebe hat von Laer für Lusitanos aus Portugal und Murgesen aus Italien. Des Weiteren befinden sich auch die Vertreter der wichtigsten österreichischen Barockrasse – nämlich Lipizzaner – im Stall. Auch ein Einstellbetrieb, in dem man seine Pferde unterbringen kann, wird geboten.

Vollständiger Umzug ins Burgenland in Planung

Obwohl die Reitbegeisterte derzeit noch in Tirol zu Hause ist, entschied sie sich ihr Reitkunstzentrum im Burgenland zu eröffnen. Die Virologin erklärt ihre Beweggründe: „Primär war der Grund, dass ich möglichst viel Land kaufen wollte, damit die Pferde sich bewegen können. Auch war mir wichtig, dass ich in Reichweite ein kulturelles Zentrum wie Wien hatte. Dass die Burgenländer ein so nettes und offenes Völkchen sind, habe ich erst später gelernt.“

Jedoch fällt das Pendeln zwischen Innsbruck und dem Burgenland keineswegs leicht, immerhin unterrichtet Dorothee von Laer an der Medizinischen Universität und ist als Virologin tätig. „Ganztags Virologin während einer Pandemie zu sein, hin und her zu pendeln, und im Reitstall nach dem Rechten sehen, ist eigentlich nicht machbar. Ich hoffe, dass die Pandemie bald unter Kontrolle ist, zumindest in Österreich“, so von Laer.

Dass es auf Dauer nicht so weitergehen kann, ist der Besitzerin des Reitkunstzentrums klar. Daher möchte sie auch bis 2023 ihren Lebensmittelpunkt gänzlich ins Burgenland verlagern. Wenig verwunderlich, immerhin kommt die 63-Jährige aus dem Schwärmen über das schöne Burgenland gar nicht mehr heraus: „Ich fühle mich im Burgenland sehr wohl. Die Menschen sind sehr entspannt, ich erlebe keine Feindseligkeit als Deutsche oder Virologin, die sich zur Pandemie äußern muss. Das Wetter ist wunderbar, das Essen hervorragend, und Wien ist auch nicht weit, wenn man mal etwas Kultur tanken möchte.“

Die BVZ konnte der Star- Virologin auch einige Antworten auf Fragen zur Corona Pandemie entlocken. Auf die Frage, warum die Impfbereitschaft im Burgenland am höchsten sei antwortet die Expertin: „Diese hohe Impfbereitschaft zeigt ein exzellentes Corona Management im Land. Möglicherweise ist die Mentalität der Menschen hier auch offener für Neues. Auch gibt es im Burgenland nicht so viele FPÖ Anhänger wie in anderen Bundesländern, die FPÖ eben als Partei der Impfskeptiker.“

Weiters prophezeit von Laer geringere Einschränkungen im Winter als noch im Jahr zuvor: „Wenn die Burgenländer weiterhin so wunderbar mitmachen, könnte man noch vor Weihnachten den Freedom Day erreichen. Der Rest von Österreich wird das wohl frühestens im nächsten Jahr schaffen.“