Junger Techniker wurde Priester: Der Ruf in die Leere. Wie ein junger Techniker zu Gott fand, sich für das Priesteramt entschied, und seine Familie damit umzugehen lernte.

Von Markus Wagentristl. Erstellt am 28. Juni 2019 (06:22)
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Berufen. Andreas Stipsits aus Wulkaprodersdorf.
Gossmann

Wer von der kleinen Welt im Burgenland in die große Welt hinauszieht, hat durchaus etwas vom biblischen „verlorenen Sohn“. Verloren und „innerlich leer“ fühlte sich jedenfalls Andreas Stipsits, als er nach dem Bundesheer nach Graz ging, um Tontechnik zu studieren.

„In dieser Zeit hab ich mich viel mit Spiritualität beschäftigt und zu beten begonnen“, erzählt er der BVZ. Und dann habe er „den Ruf“ empfangen. Wie man sich diesen Ruf vorstellen kann? Eine Marienerscheinung ist in einem Studienheim ja noch schwerer vorstellbar als in einer Höhle in Lourdes. Stipsits lacht: „Ich hab nix gesehen oder gehört.“ Es ist ein ehrliches Lachen, wie es nur Menschen haben, die anderen nichts vorspielen müssen.

Die Leere habe sich mit einer „positiven Sehnsucht“ gefüllt, beschreibt der 31-Jährige seinen damaligen „Ruf“: Für die Menschen zu beten und ihnen zu vermitteln, dass Gott sie liebt, gäbe ihm die Chance, „etwas positiv zu verändern“.

Wer holt die Jugend zurück in die Kirche...

Für das Hauptproblem der Kirche, der Schwund an, vor allem jungen, Mitgliedern, ist für Stipsits vor allem ein Glaubwürdigkeits-Problem: „Wer Moral und Anstand predigt, muss diese auch leben. Das gilt für uns Priester, aber auch die Gemeinde. Nach der Messe draußen am Kirchplatz die anderen ausrichten - das stößt junge Menschen ab.“ Diese hätten ein besonders starkes Bedürfnis nach Religiosität, weiß Stipsits. Bei Gottesdiensten in kleinerer und vertrauterer Runde kämen immer besonders viele Jugendliche.

... und wie kommt die Mama jetzt zu Enkerln?

Die Familie reagierte auf die ungewöhnliche Berufswahl erst verwundert, dann aber positiv. „Die Mama hat ja noch Chancen auf ein Enkerl.“ Immerhin, erklärt Stipsits lachend, habe er ja noch eine Schwester. Und einen Papst, der laut über das Ende des Zölibats nachdenkt.