LKW-Crash nach Sekundenschlaf. 2.000 Kilometer unterwegs, kaum Pausen: Ungar verursachte tödlichen Unfall. Urteil: 480 Euro Geldstrafe und bedingte Haft.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 27. August 2020 (05:03)
Auch bei den Herausforderungen beim Güterverkehr will man in Niederösterreich mit Wien zusammenarbeiten.
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28. Dezember 2017, kurz nach Mitternacht. Drei Tage vor seinem 30. Geburtstag verliert ein ungarischer LKW-Lenker die Herrschaft über sein Fahrzeug.

Dieses rollt auf der Umfahrung Wulkaprodersdorf auf die Gegenfahrbahn und kollidiert dort mit einem entgegenkommenden Klein-LKW. Für dessen Lenker, einen 48-jährigen Ungarn, kommt jede Hilfe zu spät, sein Beifahrer wird verletzt.

Der übermüdete LKW-Fahrer wurde wegen grob fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeklagt und musste sich vorige Woche vor Richterin Birgit Falb verantworten.

Er gab zu, auf der anstrengenden Fahrt von Ungarn bis Deutschland und retour allein unterwegs gewesen zu sein und sich kaum ausgeruht zu haben.

Am 26. Dezember war er mit dem Kleintransporter aus Ungarn aufgebrochen, um Waren ins 1100 Kilometer entfernte Duisburg zu liefern.

Während der LKW entladen wurde, habe er sich zwei Stunden lang am Fahrersitz ausgeruht, dann brach er zur Rückfahrt auf. Er habe zwar Kaffeepausen gemacht, aber niemals ausreichend geschlafen. Bei Wulkaprodersdorf, exakt 1000 Kilometer von Duisburg entfernt, muss ihn um 0.20 Uhr der Sekundenschlaf übermannt haben.

Lange Fahrstrecke ohne ausreichend Erholung

Was genau vorgefallen ist, konnte der Angeklagte vor Gericht gar nicht sagen.

Die Folgen waren schrecklich. Der Ungar krachte frontal gegen einen entgegenkommenden Lieferwagen, dessen Lenker konnte nur mehr tot geborgen werden.

Der Angeklagte erlitt selbst schwere Verletzungen, unter anderem wurde sein Brustkorb zertrümmert. Vier Tage lang musste er auf der Intensivstation behandelt werden.

Der 49-jährige Beifahrer des verstorbenen Lenkers erlitt Quetschungen und forderte vor Gericht 1000 Euro Schmerzensgeld. „Ich habe die Lektion für mein ganzes Leben gelernt“, beteuerte der Angeklagte. „Das mache ich nicht mehr.“

Er wurde zu neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 480 Euro Geldstrafe unbedingt verurteilt. An den verletzten Mann muss er 500 Euro bezahlen.