Ana Schoretits feiert 70er: „Nicht vergessen, woher man kommt“

Erstellt am 12. April 2022 | 09:39
Lesezeit: 4 Min
Die Schriftstellerin, Journalistin und ehemalige Leiterin des Medienbüros der Diözese Eisenstadt, Ana Schoretits, ist 70.
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Sie zählt seit Jahrzehnten zu den engagiertesten Bewahrern der kroatischen Kultur im Burgenland: Mit der Literatin Ana Schoretits aus Zagersdorf wurde diese Woche eine „Institution“ 70 Jahre alt.

Wie auch ihre Altersgenossen sprach Ana bis zu ihrem sechsten Lebensjahr ausschließlich Kroatisch. Erst in der Volksschule lernte sie Deutsch, das sie schnell fließend beherrschte, aber auch über ihre kulturellen Wurzeln. Das lag vor allem ihrer Familie sehr am Herzen. „Meine Mutter sagte immer, vergiss nicht unsere Geschichte, unsere Kultur.“

Doch nach und nach sei auch in ihrem Heimatort die kroatische Sprache mehr und mehr verloren gegangen, bedauert Schoretits, immer mehr Burgenland-Kroaten hätten sich an den Rest von Österreich anpassen wollen. Zudem seien viele Kroaten unter der Woche beruflich nach Wien gependelt und hätten so bald mehr Deutsch als Kroatisch gesprochen. Eine Teilschuld am Rückgang der kroatischen Sprache sieht die ehemalige ORF Burgenland-Redakteurin auch in der Politik. Sie erinnert sich an eine Volksbefragung Anfang der 1970er Jahre zurück, als die Bürger dazu aufgerufen wurden, Deutsch als Muttersprache anzugeben:„Vor allem die älteren Bürger wurden in Angst und Schrecken versetzt, indem ihnen gesagt wurde, sie werden ansonsten nach Zagreb deportiert. “

Auch in den Kindergärten und Volksschulen sei die Veränderung deutlich zu spüren, beklagt die Zagersdorferin. „Früher wurde Deutsch als Fremdsprache angesehen, heute ist es genau umgekehrt.“ Schoredits sieht vor allem die Eltern in der Verantwortung, die Kindern über ihre kroatischen Wurzeln aufzuklären und ihnen die Sprache beizubringen. Schoretits selbst spricht mit ihrem Mann Helmut nur Kroatisch, ebenso mit ihren drei Kindern und Enkelkindern.

Anfänge als Autorin unter männlichem Pseudonym

Auch ihre Theaterstücke schrieb die Jubilarin 30 Jahre lang ausschließlich in Kroatisch. „Ich habe die Leute damals bewundert, die sich ein Theaterstück ansahen, obwohl sie kein Wort verstanden.“ Ihr erstes Stück verfasste sie bereits als Teenager, mit 18 Jahren, unter einem männlichen Pseudonym: „Damals fehlte mir einfach das Selbstbewusstsein. Ich hatte Angst vor der Reaktion der Zagersdorfer.“ Nachdem das Stück ein Erfolg wurde, gab sich Ana als Autorin zu erkennen. Ihr erstes Theaterstück blieb ihr aber auch aus einem anderen Grund lebhaft in Erinnerung. So lernte sie nämlich ihren Gatten Helmut kennen und lieben. „Im letzten Akt gab es eine Kussszene und wir schmusten lange, nachdem sich der Vorhang bereits geschlossen hatte, weiter,“ lacht das Geburtstagskind. Auch während ihrer Ehe teilten die beiden weiter ihre Leidenschaft fürs Theater, Ana schrieb die Stücke, Helmut stand auf der Bühne. Nach 30 Jahren beschlossen sie 2008 dann aber, sich zur Ruhe zu setzen.

Die Begeisterung für Sprachen und fürs Schreiben wurden der Burgenland-Kroatin von ihrer Mutter vererbt. Bereits als Jugendliche verschlang sie ein Buch nach dem anderen: „Ich habe mir die Bettdecke über den Kopf gezogen und mit einer Taschenlampe bis spät in die Nacht gelesen.“ Ihr Erstlingswerk wurde 1987 veröffentlich und bestand aus Gedichtbänden. Mittlerweile hat Schoredits mehr als 20 Bücher publiziert, darunter „Pannoniens letzter Mohikaner“, „Texte für Advent und Weihnachten“ oder Kroatische Sprichwörter in drei Bänden, – beinahe alle sind auf Deutsch und Kroatisch verfasst. Ihre Leidenschaft fürs Schreiben wird wohl niemals vergehen, ist die Autorin überzeugt: „Ich bringe Gedanken und Ereignisse auf Papier, dadurch entstehen meine Werke.“

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