Schläge nach Trausdorfer Kirtag: Männer verurteilt

Erstellt am 06. August 2022 | 05:33
Lesezeit: 4 Min
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Die Skulptur „Weizenkorn“ steht wieder an ihrem Platz.
Foto: Kirchmeir
Raufhandel nach Vandalismus-Akt: Zwei deutsche Staatsbürger wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Nicht rechtskräftig.
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Lange hatte man nach möglichen Schuldigen gesucht. Vorige Woche wurden nun zwei deutsche Staatsbürger im Alter von 23 und 26 Jahren wegen schwerer Körperverletzung verurteilt.

Sie sollen in der Nacht auf 12. August 2018 nach dem Besuch des Kirtags in Trausdorf auf einen heute 30-jährigen Wiener eingeschlagen haben. Der Wiener erlitt damals Brüche an Hand und Fuß sowie Rissquetschwunden im Ohr und am Hinterkopf.

Die Angeklagten waren Teil einer Gruppe gewesen.

Am Weg zum Bus entdeckten sie vor der Magdalenakapelle die Skulptur „Weizenkorn“. Einer der Kirtagsbesucher riss die Skulptur aus der Verankerung, gemeinsam trug man das Kunstwerk zur Wulkabrücke und warf es ins Wasser.

Wiener stellte die Randalierer zur Rede

Das beobachteten der 30-jährige Wiener und seine Freundin. „Ich forderte sie auf, Selbstanzeige zu erstatten, sonst würde ich es tun“, hatte der Wiener bei einer Verhandlung berichtet.

Geistesgegenwärtig nahm er einem Beteiligten das Handy aus der Hand und rief sich damit selbst an.

Danach sollen, wie seine Freundin berichtete, zwei Männer auf den Wiener eingeschlagen haben, bis dieser bewusstlos am Boden lag.

Die Suche nach den mutmaßlichen Tätern gestaltete sich schwierig. Die Freundin des Verletzten startete einen Aufruf auf Social Media.

Daraufhin wurde ihr ein Foto eines 22-jährigen Mannes aus dem Bezirk Eisenstadt zugespielt und die 29-Jährige war sich sicher, dass dieser auf ihren Freund eingeschlagen hatte.

Der 22-Jährige wurde 2019 gemeinsam mit jenem 20-jährigen Studenten aus Deutschland angeklagt, der es „lustig gefunden“ hatte, dass die Skulptur in die Wulka geworfen wurde.

Der Student gab seine Beteiligung an der Sachbeschädigung zu und erhielt eine Diversion. Dass der Wiener danach verletzt wurde, habe er nicht mitbekommen.

Der 22-jährige Mitangeklagte aus dem Bezirk Eisenstadt konnte glaubwürdig nachweisen, dass er nicht einer der gesuchten Täter war. Er wurde freigesprochen.

Der Student aus Deutschland hatte dem Gericht Hinweise auf seine Begleiter gegeben.

So saßen im Jänner 2022 weitere vier Beteiligte aus Deutschland am Eisenstädter Landesgericht auf der Anklagebank.

Zwei von ihnen wurden freigesprochen, weil sie sich vom Tatort entfernt hatten, bevor dort zugschlagen wurde.

Ein 23-jähriger Angestellter und ein 26-jähriger Zimmermann, beide bislang unbescholten, wurden vorige Woche verurteilt.

Zuvor hatte ein medizinischer Sachverständiger erläutert, wie es zu den Verletzungen des Wieners gekommen war. Die Rissquetschwunde im Ohr könne auf einen Schlag zurückzuführen sein, jene am Hinterkopf durch den Sturz auf den Randstein, an dem Blutspuren verifiziert worden seien.

Der Bruch des Mittelhandknochens könne durch einen Schlag des Wieners selbst entstanden sein, der Bruch des Mittelfußknochens sei „nicht geklärt“.

Angeklagte zeigten sich nicht geständig

Der 23-jährige Deutsche hatte zugegeben, einmal auf den Wiener eingeschlagen zu haben. Aber nur „in Notwehr“, um seinen Freund vor angeblichen Attacken zu schützen.

Der 26-Jährige hatte sich nicht schuldig bekannt. Er habe mit dem Wiener nur „diskutiert“.

„Dieses Verfahren führte uns einen tragischen Fall vor Augen“, sagte die Staatsanwältin. „Nämlich den eines jungen Mannes, der Zivilcourage bewies, weil er ein kleines Stück österreichischer Kultur retten wollte.“

„Sie waren im Ausland, gut drauf. Sie randalieren, reißen die Skulptur ab und werfen sie in den Fluss“, fasste der Anwalt des Opfers den Vorfall zusammen. Sein Mandant habe Zivilcourage gezeigt, „und das ist der Dank dafür“.

Der Anwalt des 23-jährigen Deutschen, Florian Astl, verwies auf „widersprüchliche Angaben“ der Freundin des Wieners. „Da hat überhaupt nichts zusammengepasst“, so Astl.

Richterin Gabriele Nemeskeri verurteilte den 23-Jährigen zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung, den 26-Jährigen zu vier Monaten. An das Opfer müssen sie 6.600 Euro Schmerzensgeld bezahlen.

Beide Angeklagten kündigten Berufung gegen das Urteil an. Dieses ist nicht rechtskräftig.

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