51-Jähriger brachte Bekannte um rund 880.000 Euro: Haft. Ein Burgenländer hat am Mittwoch wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs vier Jahre Freiheitsstrafe ausgefasst.

Von APA Red. Erstellt am 13. März 2019 (12:57)
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Symbolbild

Ungewöhnlich war der Betrugsfall, der am Mittwoch, 13. März  am Landesgericht Eisenstadt verhandelt wurde, nicht nur wegen der beträchtlichen Schadenshöhe von mehr als 800.000 Euro. Auch die Gewissenlosigkeit, mit der der 51-jährige Angeklagte aus dem Bezirk Oberwart nächste Verwandte und Bekannte um ihre Ersparnisse brachte, sucht ihresgleichen.

Unter den Opfern des ehemaligen Mitarbeiters des umstrittenen Finanzdienstleisters AWD befinden sich dessen Tante, der Firmpate, zugleich sein Trauzeuge, das Firmpatenkind und die Familie seines Schwiegersohns. Alle Geschädigten würden gerne wissen, was mit ihrem Geld passiert ist. Ein Rätsel, das auch vor Gericht nicht gelöst werden konnte.

„Er hat verschiedene Personen glauben gemacht, er würde ihr Geld gewinnbringend anlegen“, berichtete Staatsanwältin Verena Strnad. Sie bezeichnete es als „besonders verwerflich“, das Vertrauensverhältnis zu Menschen, die dem Angeklagten nahestanden, so rücksichtslos zu missbrauchen.

Eine Blase, die platzen würde…

„Er wusste, alles ist eine Blase, die irgendwann platzen wird“, so die Staatsanwältin. Die „Blase“ platzte, als das Firmpatenkind des Angeklagten 2017 über einen Hausbau nachdachte. „Sie ließen ihn in sein Unglück rennen!“, hielt Richterin Karin Lückl dem Angeklagten vor.

Dieser hatte nämlich dem Firmpatenkind und dessen Eltern die gesamten Ersparnisse herausgelockt. Als es darum ging, die erste Rate an den Baumeister zu zahlen, forderte der Firmpatensohn das vermeintlich gut angelegte Geld zurück. „Das Geld war aber nicht da“, berichtete die Staatsanwältin. Daraufhin wurde Anzeige erstattet.

„Sie haben das gesamte Vermögen der Familie im Ausmaß von 400.000 Euro für sich verwendet. Ihr Firmkind wird nicht einmal den Keller zahlen können“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor. Dieser blieb erstaunlich ruhig.

Das Vermögen der Opfer durchgebracht

Eine „Skrupellosigkeit“, auf die einer der Rechtsvertreter der Geschädigten ausdrücklich hinwies. Der Angeklagte habe „Existenzen ruiniert und das gesamte Vermögen seiner Opfer durchgebracht“, so der Privatbeteiligtenvertreter. Bis zum Tag des Prozesses habe der Angeklagte „kein Wort der Entschuldigung“ geäußert, keinen Beitrag zur Wiedergutmachung geleistet.

Bis 2001 war der Angeklagte Filialleiter einer kleinen ländlichen Bankfiliale gewesen. Sein Mandant habe, so Strafverteidiger Rudolf Tobler, mit 34 Jahren seinen beruflichen Zenit erreicht gehabt, und sei zur Aktienhochblüte von AWD abgeworben worden.

Produkte der Immofinanz seien damals als „mündelsichere Aktien“ verkauft worden. 2008 kam die Finanzkrise, alles krachte wie ein Kartenhaus zusammen. „Jeden Tag standen fünf auf der Matte und wollten ihr Geld haben. Da hat sich für mich die Existenzfrage gestellt“, berichtete der Angeklagte.

Um seinen „guten Ruf“ als Vermögensberater zu retten, verfiel der Angeklagte darauf, Schäden bei seinen Kunden aus anderen Veranlagungen gutzumachen. „Ich versuchte, irgendwo das Geld herzukriegen“, sagte der 51-Jährige, der sich zu den angeklagten Fakten geständig zeigte.

„Wollte mein Leben retten“

Er habe versucht, „sein Leben zu retten“, wollte bei der Hochzeit seiner Tochter dabei sein und sein Enkelkind aufwachsen sehen. „Ich habe gewusst, dass ich Schreckliches gemacht habe“, so der Angeklagte. Seine Opfer hielt er mit gefälschten Kontoauszügen hin.

187.000 Euro investierte der Schwiegervater der Tochter des Angeklagten in dessen Veranlagungen. Wie andere Opfer ist auch er zutiefst enttäuscht: „Ich verkrafte das alles nicht“, sagte der 59-jährige Mann. Er sei in psychologischer Behandlung. Ein weiteres Opfer erklärte unter Tränen: „Alles ist weg! Wir hatten uns nichts gegönnt und jetzt stehen wir da!“

Urteil: Vier Jahre Haft unbedingt

Der Angeklagte wurde wegen schweren, gewerbsmäßigen Betrugs im Zeitraum von 2004 bis 2017 schuldig gesprochen und zu vier Jahren Haft verurteilt. An die Republik muss er 809.000 Euro zahlen, auch wurde er zur Schadensgutmachung bei den Opfern verurteilt.

Das Gericht geht von weiteren Opfern aus, die vielleicht noch gar nicht wissen, dass ihre Investitionen verloren sind. Der Angeklagte bat um Bedenkzeit, auch die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.