Kriegsende in Eisenstadt

Im April jährt sich die Befreiung der Stadt von den Nazis zum 75. Mal. Es war eine kurze Schlacht mit sinnlosen Opfern.

Erstellt am 27. April 2020 | 05:10
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Am 1. April eroberte die Rote Armee Eisenstadt.
Foto: Ivansich

Es wirkt ein bisschen wie eine Ironie der Geschichte: Während die Eisenstädter die Karwoche 2020 in ihren Häusern eingesperrt waren, waren diese Häuser in der Karwoche 1945 menschenleer.

Befreiung: Wehrmacht gab Eisenstadt auf

Die Rote Armee hatte nicht viel Mühe mit dem Südostwall, den die Nazis durch hunderte später ermordete Zwangsarbeiter an der ungarischen Grenze errichten lassen hatten. Am 29. März betraten erstmals Einheiten der Ukrainischen Divsion burgenländischen Boden. Nur drei Tage später näherten sie sich, von Siegendorf kommend, mit 40 Panzern, 60 LKW und zwei Infantrie-Bataillonen dem Eisenstädter Bahnhof.

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Etwa die Hälfte der damals rund 7.000 Einwohner flüchtete in Richtung Westösterreich, die andere Hälfte suchte Schutz in den Luftschutzbunkern der Stadt, wie dem in der Bergstraße, im Haus der Begegnung oder im Keller des Franziskanerklosters. Viele flüchteten — wie schon zur Osmanenbelagerung 250 Jahre zuvor — in die Naturhöhlen des Leithaberges, wie die Johannesgrotte, die Kürschnergrube oder die Hartllucken.

Die deutsche Wehrmacht hatte sich zuvor kampflos zurückgezogen. Die Nazis, die Burgenland als östlichsten „deutschen Boden“ ansahen, warteten vergebens auf Unterstützung durch die 6. Panzerarmee, deren Befehlshaber im März an die Wiener Gauleitung funkte: „Wir nennen uns 6. Panzerarmee, weil wir nur noch sechs Panzer haben“.

Die Verteidigung Eisenstadts wurden dem mehrheitlich aus Jugendlichen und Alten bestehenden Volkssturm sowie den Landesschützen überlassen. Die sowjetischen Panzer umgingen deren Sperren indem sie über Kleinhöflein auf den Leithaberg fuhren und von dort die Stadt angriffen. Um 14 Uhr wurde die Flucht der Landesschützen und der Nazi-Befehlshaber nach Stotzing bekannt, um 15 Uhr ließ der Volkssturm alle Waffen im Schützengraben liegen und ging nach Hause. Eisenstadt war frei.

Besatzung: Zeitzeugen berichten

Was folgte, war die „Russenzeit“, die Zeitzeugen ganz unterschiedlich schilderten. Wer Russische (oder Kroatische) Sprachkenntnisse hatte, kam mit den Russen gut zurecht. So gelang es etwa einem Stotzinger Kriegs-Veteranen die Sowjets vom Beschuss Stotzings abzuhalten.

Viele berichteten aber auch von Vergewaltigungen. Erst am siebenten April konnte Ortskommandant Major Woronzow mit strengen Befehlen die Lage beruhigen. Er setzte auch den Lehrer Franz Elek-Eiweck als Bürgermeister ein und beauftragte ihn mit dem Hissen der Fahne des von den Nazis aufgelösten Burgenlandes. Die sowjetische Kommandantur in der ehemaligen Reichsbank befehligte bis 28. April über 17.000 Rotarmisten in der Stadt, erst ab Juni zogen sie langsam ab bis es 1946 nur noch rund 500 waren.