Salamander, Sumpf und Segler. Seltene Tiere und rare Pflanzen? Gibt’s nicht nur in den Donauauen oder im Thayatal. Sondern auch im Biosphärenpark im Wienerwald. Dort lädt man am 14. und 15. Juni zum Entdecken und Forschen, und das vor der eigenen Haustür.

Von Michaela Fleck und Florian Jiresch. Erstellt am 13. Juni 2019 (09:41)

Ein schwarz-gelb-feuriger Salamander. Ein sonnengelb-rotschnäbliger Pirol. Ein scheuer Abendsegler mit Nachwuchs. Eine stolze Schwertlilie. Ein seltener Sumpf-Ständelwurz. Sie alle leben im Wienerwald. Und sie alle werden am Freitag gezählt.

Denn diese Woche ist im Wienerwald „Tag der Artenvielfalt“. Zum 13. Mal. Ab Freitag Früh werden dafür über 90 Experten auf freiwilliger Basis für bis zu 24 Stunden Arten zählen, was mittlerweile als größte Feldforschungsaktion Mitteleuropas gilt. Und dabei immer wieder Raritäten oder Erstnachweise seltener Arten entdecken.

Samstagnachmittag darf dann, von jungen und älteren Besuchern, geschätzt werden. Davor kann an kostenlosen, professionell geführten Dämmerungs- und Nachtwanderungen teilgenommen werden. Oder auf eigene Faust auf Entdeckungsreise gegangen werden, im Wienerwald. Genauer: im Biosphärenpark Wienerwald.

Der erstreckt sich über 51 Gemeinden Niederösterreichs und 7 Gemeindebezirke Wiens. Beinahe eine Million Menschen lebt heute dort. Schon 2005 wurde die Region von der UNESCO zum Biosphärenpark ernannt. Direkt vor den Toren einer Millionenstadt ist sie damit in ganz Europa einzigartig.

Norbert Novak; Marc Graf
Eines von vielen tierischen Beispielen: der Feuersalamander.

Was einen Biosphärenpark eigentlich ausmacht und von anderen Schutzgebieten unterscheidet? „Anders als in einem Nationalpark, wo menschliches Eingreifen oder Wirtschaften möglichst draußen bleiben soll, ist es hier genau umgekehrt“, erklärt Biosphärenpark-Direktor Herbert Greisberger. Es gebe zwar auch Bereiche, „die wir komplett der Natur überlassen – die machen allerdings nur etwa 5 Prozent der Fläche aus“.

Bei den anderen 95 Prozent gehe es darum, dass Menschen hier wohnen, wirtschaften oder sich erholen sollen. Gleichzeitig wolle man aber dafür sorgen, dass die Natur trotzdem in ihrer Vielfalt erhalten bleibt. Ein Biosphärenpark ist also eine „Vorzeigeregion“ für Nachhaltigkeit in all ihren Formen. Hier brauche es, so Greisberger, oft geduldige Kommunikation oder Aufklärung.

Viele Menschen wüssten gar nicht, welche tolle oder sogar seltene Arten man schon in der Wiese im eigenen Garten finden könne, meint Biosphärenpark-Bildungsbeauftragte Simone Wagner. Aber: „Taucht man einmal in diese Welt ein, lässt die Begeisterung nicht lange auf sich warten!“ Denn wie viele Arten am „Tag der Artenvielfalt“ auch gezählt werden, eines steht fest: In Niederösterreich steckt mehr Natur, als man denkt.