Ein Sonntag und jede Menge Tracht(en). Tragen kann man sie immer, die Dirndln, die Blusen, die Kalmucks, die Hosen. Zur Arbeit, im Alltag und natürlich an Festtagen. An einem Tag im Jahr aber gehören sie unbedingt angezogen: an Niederösterreichs Dirndlgwandsonntag. Der ist heuer am 8. September – und das in ganz NÖ.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 04. September 2019 (05:54)
Lechner
Der 8. September gehört dem Dirndlgwand.

Die Winzerinnen, und zwar die in Baden, tragen Schwarz (am Leib). Und Champagner (auf der Schürze). Die Wachauerinnen tragen Gold (am Kopf). Und Schwarz (am Rock). Die Bürgerinnen tragen Dunkelrot (am Leib und am Rock). Und ein paar weiße Spitzen (am Hals und am Saum).

Und die Groß Gerungserinnen? Die tragen Schwarz (am Rock). Schwarz (am Leib). Zartes Gold (am Rücken). Und helles Rosa, in schmalen Streifen (auf der Schürze).

„Es ist ein geniales Kleidungsstück!“ Schwärmt Dorli Draxler. Denn: „Durch das Spiel mit Farben und Stoffen“ sei es so „variantenreich“ wie kein anderes. Und: Es gehört zu Niederösterreich wie das Blau und das Gelb, das Dirndl.

„Es gibt kaum ein idealeres Gwandl!“ Volkskultur-NÖ-Chefin Dorli Draxler über das Dirndl

Wobei: Zu Niederösterreich gehört nicht nur das Dirndl. Zu Niederösterreich gehört auch der Janker aus dem Weinviertel. Der Anzug von der Eisenstraße. Der Festrock vom Sonntagberg und der Gehrock aus Haag und der Langrock aus Baden. Oder der Kalmuck aus der Wachau.

NOEN
Die Groß Gerungser Festtracht

63 Dirndlkleider und Männerröcke, Leinenleibchen und Festtrachten hat Niederösterreichs Volkskultur im Rahmen ihrer Brauchtumsinitiative „Wir tragen Niederösterreich“ in ihrer Trachtenmappe versammelt. Dazu noch zwölf Blätter mit Beschreibung und Schnittmuster allein zu den unterschiedlichen Trachtenblusen. „Das Dirndl“, meint Niederösterreichs Volkskultur-Chefin, „kleidet jede Frau. Und auch die Männer machen in Tracht immer eine gute Figur.“

Die Trachten erzählen aber nicht nur, wo ihre Trägerinnen und seine Träger herkommen. Sie erzählen auch, wozu sie getragen wurden. Zur Arbeit, wie das blaue Arbeitsdirndl mit den kleinen, weißen Blumen und der weißblauen Schürze. Oder die rot karierte Alltagstracht mit der dunkelblau-geblümten Schürze aus Berndorf. Zum Waschen, wie das Waschdirndl mit den zwei verschiedenen Schürzen. Oder zum Feiern, wie die Festtagstrachten von Feistritz bis zum Erlauftal und vom Ötscher bis nach Zwettl.

Wobei: Getragen werden sie noch immer. Vor allem dann, wenn die heilige Notburga aus dem Tiroler Rattenberg, die Patronin der Dienstmägde, der Landwirte und der Trachtenträger, Namenstag feiert. Und Niederösterreichs Volkskultur zu ihrem elften Dirndlgwandsonntag lädt.

Bodensteiner
Die Gruppe Terz Sterz

Der fällt heuer auf den 8. September. Und wird in den katholischen wie den evangelischen Pfarren gefeiert, in den Gemeinden und Vereinen. Und das von Baden bis Waidhofen (an der Ybbs), von Niedersulz und bis Puchberg (am Schneeberg).

www.wirtragennoe.at