Skyros – stolze Insel in der Ägäis. Skyros blieb vom Tourismus lange Zeit weitgehend unentdeckt. Zu Unrecht, wie ein Besuch auf der Insel mit ihren herzlichen Bewohnern zeigt.

Von Raimund Holzer. Erstellt am 20. Februar 2019 (02:09)

Erst seit einigen Jahren ist Skyros, die ein wenig versteckt im ägäischen Meer, etwa 100 Kilometer nordöstlich von Athen gelegene, lang gestreckte Insel, von Wien aus direkt mit dem Flugzeug erreichbar. Sonst gibt es nur Flüge aus Athen, Thessaloniki und Paris – aber keine Charter etwa aus Deutschland. Das ist auch einer der Gründe, weshalb sich Skyros eine Atmosphäre bewahrt hat, wie man sie sonst kaum mehr wo findet. Es gibt genauso viele Gästebetten wie Einwohner (nämlich je 3.000), dafür 50.000 Schafe und stolze 240 Kirchen.

„Praktisch jede Familie hat ihre eigene, kleine Kirche, irgendwo auf den Bergen oder auch am Strand. Dort werden dann die christlichen Feste, aber auch die großen Familienfeiern begangen“, weiß Toni, der Reiseführer, der die Insel mittlerweile wie seine Westentasche kennt.

Im Norden mit üppiger, grüner Vegetation, im Süden karg präsentiert sich Skyros seinen Gästen als Ferienparadies, das sich seinen ursprünglichen, dörflichen Charakter erhalten hat. Die stolzen Skyrer sind extrem gastfreundlich, bemühen sich mit großem Ehrgeiz und Aufwand, ihren Besuchern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Charmanter Dorf-Charakter

Neben unzähligen Bademöglichkeiten mit schönen, teils flach abfallenden Sand- und Kiesstränden bietet die Insel, früher oft begehrtes Ziel von Seeräubern, auch viele Ausflugsmöglichkeiten. So sind etwa Besuche bei den Skyros-Ponys auf der Mouries-Farm sehr beliebt. Die kleinen Pferde sind sehr selten und mittlerweile eine geschützte Art. 

Dem Hauptort von Skyros, Chora, stattet jeder Urlaubsgast einen Besuch ab – schon alleine wegen der fantastischen Lage der Stadt, die stufenartig an der Rückseite eines großen Felsmassivs gebaut wurde – für Piraten vom Meer aus nicht sichtbar. Schmale, reizende Gassen mit weiß getünchten Wegen bis hinauf zum hoch über dem Ort thronenden Kloster, kleine Geschäfte mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, Läden mit schöner Handwerkskunst und natürlich jede Menge Restaurants, Tavernen und Cafés laden die Besucher zum Bummeln und Verweilen ein.

Das reiche Kloster der Chora, wahrscheinlich mehr als 2.000 Jahre alt, gehört zu einem Kloster der berühmten Insel Athos. Der immer blendend aufgelegte Pope führt gerne Gäste durch sein Gotteshaus und zeigt die herrlichen, uralten Ikonen und Kunstwerke, die das Kloster beherbergt. Mit einem verschmitzten Lächeln zeigt der hohe Geistliche auf einen beetartigen, großen Steintrog. Hier habe er sein Grab hergerichtet, so der Pope, aber jetzt stünde es ja noch leer – weshalb man dort ruhig erst einmal Tomaten pflanzen könne ...

"Mano Faltaits-Musuem für geschichtlich interessierte Besucher"

Für geschichtlich interessierte Besucher ist das Mano Faltaits-Museum unbedingt zu empfehlen. Nicht nur, dass man dort (auf englisch) alles über die Insel und deren lange Geschichte erfährt, erlauben die unglaublich umfangreichen Exponate, die der unermüdliche Volkskunde-Experte zusammengetragen hat, eine anschauliche Reise durch die Jahrhunderte der Insel und der Region.

Der Dorf-Charakter, der auf der ganzen Insel herrscht, manifestiert sich vor allem auch in den unzähligen Bars und Cafés, aber auch einfachen, landestypischen Tavernen, in denen sich ein Großteil des meist gemächlichen Lebens abspielt. Unverfälschte, typisch griechische Gerichte mit praktisch ausschließlich regionalen Zutaten prägen die schlichten Speisekarten, und natürlich darf auch der manchmal durchaus reiche Fang, den die Fischer am Morgen im Netz hatten, nicht auf den Tellern fehlen.

Wer also Action und Menschengedränge weniger schätzt als das ruhigere, beschaulichere und naturverbundene Leben auf einer ursprünglichen Insel, der wird auf Skyros einen wundervollen Urlaub unter ungemein gastfreundlichen Menschen genießen.