Millionen Blüten lassen das Dirndltal gelb erstrahlen. Ein Naturspektakel spielt sich derzeit im Pielachtal südöstlich der Landeshauptstadt ab. An die 60.000 Dirndlstauden erreichen nach und nach ihre Vollblüte und bringen goldene Farbenpracht in die noch vom Winter karge Natur. Am besten erleben lässt sich das bei einer Wanderung.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 20. März 2019 (03:10)

Köstliches aus den Früchten des Gelben Hartriegels, wie Dirndlschnaps, Dirndlsaft und Dirndlmarmelade, sind mittlerweile bei Gourmets im ganzen Land bekannt. Welch prächtiges Naturspektakel sich in der Blütezeit der Sträucher abspielt, wissen nur die wahren Kenner. Gelbe Farbtupfer zeugen in der sonst noch unbelaubten Natur vom nahenden Frühling.

Rund 60.000 Dirndlstauden machen das Tal entlang des oberen Abschnitts der Pielach zum Dirndltal. Dieses erstreckt sich südöstlich der Landeshauptstadt von Frankenfels bis nach Ober-Grafendorf.

Erst nach der letzten großen Eiszeit wurde die Dirndl in unseren Gefilden heimisch. Ihr Ursprung liegt im Kaukasus, in Georgien ist sie der Nationalbaum. Sie wächst langsam und braucht viel Sonne. Daher gedeiht sie am besten in der offenen Landschaft. Im Pielachtal findet die Kornelkirsche ihren Lebensraum auch an Waldrändern, zudem ist sie als Heckenpflanze bestens geeignet. „Wenn die Pflanzen stark beschattet werden, können sie klein und mickrig aussehen, obwohl sie schon über hundert Jahre alt sind“, weiß Johann Weiß, der die zwei größten Beherbergungsbetriebe im Dirndltal betreibt. Hundert Jahre und mehr sind keine Seltenheit, viele erreichen ein stattliches
Alter.

"Sie sind ein wesentliches Element der Kulturlandschaft"

Weiß sind die Dirndln ein großes Anliegen. „Sie sind ein wesentliches Element der Kulturlandschaft.“ Und sie haben großen ökologischen Nutzen. Dank der frühen Blüte ist die Kornelkirsche eine unverzichtbare Insektennähr pflanze, denn der Pollen ist eine wichtige Eiweißquelle. Die Bestäubung müssen jedoch kälteunempfindliche Vertreter wie Wildbienen, Schwebfliegen oder auch Hummeln übernehmen, weil es zu dieser Jahreszeit immer wieder zu Temperaturstürzen kommen kann. Der Dirndlblüte selbst kann auch der Schnee nichts anhaben. Später im Jahr ist sie auch für andere Tiere wichtiger Lebensraum. Vögeln bietet sie in der dicht belaubten Krone mit eigenem Mikroklima Schutz vor Sonne und Wind. Die Früchte sind dann auch eine beliebte Nahrungsquelle.

Das dichte und verzweigte Wurzelsystem der Dirndl sorgt außerdem dafür, das erosionsgefährdete Böden gut befestigt werden. Die Pflanze sorgt auch für eine gute Humusbildung und die Verringerung des Oberflächenabflusses.

Die Menschen bringt die Dirndl genauso früh hinaus in die Natur. Für viele Naturbegeisterte läutet die Blüte den Beginn der Wandersaison ein. Bis zu drei Millionen Einzelblüten erstrahlen an einem Großstrauch in leuchtendem Gelb. Ein besonderer Ort ist daher im Frühling der Geisbühel bei Warth. Er ist wegen seines Südhanges voller Dirndlsträucher im Pielachtal auch als Tausend-Dirndl-Berg bekannt. Am besten erkunden können Interessierte das Spektakel bei geführten Dirndlwanderungen. Vereinbaren kann man auch individuelle Termine für Wanderungen durch die blühende Pracht.

Functional Food aus dem Pielachtal

Besucher, die im Pielachtal unterwegs ist, lassen sich auch die schmackhafte Seite der Dirndl nicht entgehen. Diese wurde schon immer gerne gegessen. Das belegen auch Ausgrabungen. Die Kelten aßen die Kerne gleich mit und schieden sie dann wieder aus. So verbreiten übrigens auch die Vögel die Dirndl. Während in der Türkei die Dirndln noch heute als Tafelobst gereicht werden, machen die Menschen hierzulande Marmelade, Säfte und Schnaps daraus. „Das ist eigentlich schade, denn die Dirndl ist die fruchtigste Frucht, die ich kenne“, bedauert Weiß. Der hohe Gehalt an Gerbstoffen, besonders wenn die Dirndl zu früh geerntet wird, hat den Genuss so manchem verleidet. Dabei kann man die Dirndl mit ihrem hohen Fruchtsäureanteil und dem bemerkenswerten Vitamin-C-Gehalt durchaus als Functional Food bezeichnen.

Schon die berühmte Klosterfrau Hildegard von Bingen (1098-1179) kannte die Kornelkirsche und empfahl diese gegen Gicht und für den Magen. Später wurde sie wegen ihrer stopfenden und durchfallheilenden Wirkung geschätzt. Heute steht der Genuss und nicht mehr die Heilwirkung im Vordergrund. Die Steinfrucht ist etwa so groß wie eine Hagebutte und entwickelt bis zur Vollreife eine Süße. Bis sie diese erreicht hat, dauert es jedoch bis Ende August, Anfang September. Wer nicht so lang warten will, der kann die unreifen Früchte wie Oliven einlegen und pikant genießen. Gourmets, die sich bis zur Reife gedulden, werden mit weichem und schmackhaftem Fruchtfleisch belohnt. Für die Ernte ist allerdings einige Geduld nötig. Die Früchte werden mehrmals täglich aus den unter den Sträuchern gespannten Netzen gesammelt und aussortiert. Denn sie müssen sofort verarbeitet werden, um ihre Qualität zu halten.

Von besonderer Qualität ist auch das Holz der Dirndl. Weil die Pflanze sehr langsam wächst, ist das Holz sehr dicht und hart und geht wegen der hohen Dichte sogar im Wasser unter. Das Holz lässt sich gut drechseln und zu verschiedenen Gegenständen wie Feitln, Schmuck und Rechenzähnen verarbeiten.