Ein Ort des Ursprungs in der Buckligen Welt. „Back to the roots“ heißt es für die Kinder in der Buckligen Welt. Schuhe aus, barfuß durch die Wiese – und das Abenteuer Leben (er)leben.

Von Linda Goldsteiner. Erstellt am 15. August 2019 (03:41)
Bewusst die Zeit abseits des Alltags verbringen. Das ist im Roots Camp in Bromberg für Kinder von sechs bis 16 Jahren möglich. Ohne Strom, ohne Uhr, ohne Spiegel und ohne Smartphone erfahren sie, was es bedeutet, im Hier und Jetzt zu leben. Aktuell kostet das fünftägige Camp 310 Euro pro Teilnehmer.
Roots Camp

Keine Uhr, kein Spiegel, kein Strom, kein Smartphone … Dafür viel Natur, Abenteuer und Gemeinschaft. Als „Ort ursprünglicher Kindheit“ bezeichnet der 58-jährige Jürgen Schneider sein Ferienlager namens Roots Camp in Bromberg, das er vor etwa 15 Jahren ins Leben gerufen hat.

Fünf Tage lang einfach nur Kind sein, Mensch sein und zeitlos tun, was ansteht. Aufstehen, wenn es hell wird. Schlafen, wenn es dunkel wird. Essen, wenn man hungrig ist. Forschen, wenn man motiviert ist. Ruhen, wenn man müde wird. Klingt logisch. Und doch irgendwie absurd. Denn in einer Zeit, die bereits für Kinder von Terminen, Smartphone & Co. beherrscht ist, bleibt die innere Stimme meist außen vor.

„Die Kinder erleben sich als Kinder. Authentisch und echt.“ Jürgen Schneider, Gründer des Roots Camps

Dafür soll das Roots Camp Abhilfe schaffen. Hier leben 25 bis 30 Kinder von sechs bis 16 Jahren und etwa zwölf Betreuer in den Tag hinein und erkunden gemeinsam die Welt – so wie sie im Hier und Jetzt ist. „Die Kinder erleben sich als Kinder. Authentisch und echt“, erzählt der Gründer. Die Grundmotivation für dieses Camp schöpfte er aus seinen eigenen Kindheitserinnerungen, die er jetzt in dieser Form weitergibt. „Das alles so praktizieren zu dürfen, ist ein großes Glück“, sagt er heute.

Zu Beginn des Camps wird ein mündlicher Vertrag zwischen Jürgen Schneider und den einzelnen Kindern abgeschlossen und mit Handschlag besiegelt. „Es geht um Respekt, Solidarität und Eigenverantwortung. Als Gegenleistung bekommen die Kinder Schutz und Vertrauen“, so Schneider.

Im Vordergrund stehe das „Wir“ und nicht das „Ich“ – es geht um die Gemeinschaft. „Ich möchte den Kindern vermitteln, ihr Gegenüber mit Wertschätzung zu begegnen. Jeder wird willkommen geheißen für den Menschen, der er ist. In dieser simplen Art wird das von den Kindern direkt verstanden, für sie ist das „eh klar“, erzählt Schneider. Anders als in gewöhnlichen Kindercamps gibt es hier kein festgelegtes Programm.

Kinder sind selbst für Tages-Gestaltung verantwortlich

Die Kinder werden nicht „bespaßt“, sondern seien selbst für die Gestaltung ihres Tages verantwortlich. Nach dem gemeinsamen Frühstück wird je nach Wetter und Laune beschlossen, was der Tag bringen soll: Töpfern, malen, schnitzen, eine Bachwanderung erleben, ab auf die Heidelbeerwiese oder einfach nur im Baum herumhängen. Außerdem gibt es tägliche Meetings mit den Kids, in denen sie ihre Wünsche und Bedürfnisse aussprechen können.

Ein echtes Highlight für die Kinder sei der tägliche „Catchkreis“: Auf einem Sandplatz begrüßen sich jeweils zwei Kinder mit einem Handshake und bei Los geht’s Los – bis sich einer der beiden außerhalb des Kreises befindet. Am letzten Tag gibt es noch ein großes Catchkreis-Turnier. „Die Kinder lieben es“, erzählt Schneider. Kämpfen und Raufen „dürfe“ man heute nicht mehr, es sei aber nichts Verwerfliches, findet er.

Bei Dämmerung werden die Schlafplätze in den Tipis und Nomadenzelten vorbereitet und Lagerfeuer gezündet. In einem gemeinsamen Sitzkreis lesen die Betreuer den Kindern aus verschiedenen Büchern vor und sprechen über den Tag.

Zurück in den natürlichen Zustand

Ein besonderer Moment sei auch der Abschluss des Camps: Alle gehen noch einmal auf Gedankenreise in die letzten fünf Tage und teilen ihre ganz persönliche Erinnerung mit den anderen.

Die Kinder würden in der Zeit des Camps übrigens nicht an ihr Smartphone denken. Nötig sind sie nämlich nicht: „Wir gehen zurück in den natürlichen Zustand, für den wir Menschen eigentlich geboren sind. Mit unserem angeborenen Set-up an Sinnen, Gefühlen und Mimik erleben wir Kommunikation. Das erfahren die Kinder hier.“ Und das zeigt, welche Magie in der Einfachheit entsteht, wenn Smartphone & Co. zuhause bleiben.

Mehr Infos zu den Camps gibt es unter http://rootscamp.at/ 
Ab September werden die Roots-Camps-Termine 2020 bekannt gegeben.