Lichtverschmutzung trübt Sicht auf Sternschnuppen. Kaum ein Kind, das noch keine Sternschnuppe gesehen hat, und kaum ein Wunsch, der nicht mit dem Segen einer dieser kurzlebigen Leuchterscheinungen am Himmel ausgestattet werden konnte. Das war einmal. Bald schon könnten die Sternschnuppen unsichtbar werden, denn die Lichtverschmutzung erreicht nun bereits die letzten naturnahen Lebensräume Österreichs.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 31. Juli 2019 (14:59)
Rudi Dobersberger
Ein Bolide (besonders helle Sternschnuppe) mit Milchstraße und Glühwürmchen (grüne Leuchtspur) im Juni 2019. Aufgenommen auf der Hohen Dirn im Nationalpark Kalkalpen, einer jener Regionen in denen man noch eine naturnahe Nacht erleben kann.

Die ersten Erhebungen des Projekts „Lebensraum Naturnacht“ zum Stand der Nachthimmelsaufhellung in Österreichs wertvollsten Naturschutzgebieten zeigen unerwartet hohe Werte im Nationalpark Kalkalpen. „Besonders dramatisch war der Kontrast zwischen dem intakten Himmel beim Blick in Richtung Süden, in Richtung Alpenhauptkamm, und des hell erleuchteten Himmels in Richtung Alpenvorland”, zeigt sich Günther Wuchterl besorgt.

Als Astronom misst er im Rahmen des vom Naturhistorischen Museum Wien koordinierten Projekts die Aufhellung des Nachthimmels durch vom Menschen künstlich eingebrachtes Licht. 10 Jahre nachdem das internationale Magazin „National Geographic“ mit dem „Ende der Nacht“ titelte, ist die Lichtflut auch in einer der letzten intakten Nachtregionen Österreichs und Europas angekommen.

Günther Wuchterl zeigt sich überdies überrascht „wie weit die vom Großraum Linz verursachte Lichtverschmutzung bereits in den Nationalpark vorgedrungen ist. Aufgrund der Abschattung der Vorberge hatte ich gehofft, dass die Nacht in den Ostalpen noch intakt ist. Aus noch zu erforschenden Gründen reicht die natürliche Abschattung nicht mehr. Wir müssen jetzt gezielt handeln, wenn wir den Lebensraum Naturnacht zumindest in den Schutzgebieten erhalten wollen.”

Späte Einsicht

„Im Naturschutz spielt die Lichtverschmutzung frühestens seit den 1980er Jahren eine Rolle und oft bis heute leider eine untergeordnete“, berichtet Andreas Hantschk, Biologe am NHM Wien. „Das ist verwunderlich, denn seit dem 19. Jahrhundert weiß man um den Einfluss des Lichts. Bereits damals war bekannt, dass Haushühner durch Zugabe von künstlichem Licht zu vermehrter Eiproduktion angeregt werden können.“ 

Vögel stark betroffen

Vögel zählen zu jenen Tiergruppen, die am stärksten von der Lichtverschmutzung betroffen und somit gefährdet sind. Zum einen weist ihr Lebensrhythmus, etwa die Zeit des Vogelzuges oder der Brut, eine besonders starke Abhängigkeit vom Verlauf der Jahreszeiten und damit auch vom Licht auf. Und zum anderen orientieren sich Vögel meist optisch. Besonders in der Dämmerung werden sie von beleuchteten Gebäuden geblendet und verenden in großer Zahl durch Anflug an Hochhäuser. Licht kennt keine Grenzen, so dass auch abgelegene Schutzgebiete, wie etwa Nationalparks, nicht von den negativen Auswirkungen des Lichtes verschont bleiben.

Aber nicht nur die Natur ist durch die Lichtflut bedroht. „Auch ein kultureller Wert geht mit dem zunehmenden Verschwinden des Nachthimmels verloren“ so Wuchterl. Denn schon jetzt ist die Beobachtung der Naturnacht in und rund um die hell erleuchteten Städte nicht mehr möglich und wir sind auf Schutzgebiete mit dunklem Himmel angewiesen. „Gerade die lauen Sommernächte eignen sich hervorragend für die Beobachtung des nächtlichen Sternenhimmels. Mit den tausenden funkelnden Sternen und der hoch am Himmel stehenden Sommermilchstraße sind diese Nächte ein eindrucksvolles Erlebnis, erst recht wenn es Sternschnuppen regnet“, weiß der Astronom.

Unscheinbare Staubkörner mit großer Geschwindigkeit

Besonders der August gilt als der Sternschnuppenmonat schlechthin, fällt doch das Maximum des jährlich wiederkehrenden Sternschnuppenstromes der Perseiden in diesen Sommermonat. Dabei handelt es sich bei den Sternschnuppen lediglich um kleine unscheinbare Staubkörner die mit großer Geschwindigkeit mit der Erdatmosphäre kollidieren. Als kurze Leuchtspur huschen sie dann über den Himmel.

Noch kann man trotz der Lichtverschmutzung zahllose Sternschnuppen sehen – am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Aus den Arbeiten zu den Lichtverhältnissen im Lebensraum Naturnacht ergeben sich auch Beobachtungstipps für die Sommer-Sternschnuppen.

„Klarerweise sollten die Lichtglocken der Städte, die die Nacht bis zum Tausendfachen der natürlichen Helligkeit erleuchten, gemieden werden. Als Faustregel empfiehlt sich ein Abstand zu den Städten von 25 km pro Million Einwohner“ sagt Wuchterl. Geeignet sind naturgemäß Schutzgebiete mit intaktem Nachthimmel, die vielleicht letzten Orte wo noch Naturnächte erlebbar sind. Die Österreichischen Nationalparks, besonders jene in den Ostalpen, bieten noch entsprechende Bedingungen. Auf einer Höhe von 2.000m leuchten die Sterne und Sternschnuppen sogar um 20 Prozent heller als auf Meereshöhe.

Sternschnuppenbeobachtung im August

Mit dem 13. August liegt dieses Jahr das Maximum der Perseiden nur zwei Tage vor dem August-Vollmond. Das Mondlicht gestaltet daher die Naturnacht in der diesjährigen Perseidenzeit vielfältig, denn auch Naturlicht kann nachts sehr hell sein. Nach Berechnungen des Projektpartners Verein Kuffner-Sternwarte sind vom 7. bis 13. August dennoch täglich bis 3:30 Uhr in der Früh gute Bedingungen zur Beobachtung der Sternschnuppen gegeben. Lediglich die Startzeit der Beobachtung sollte mit 7. August 22:30 Uhr beginnend, jede Nacht um 30 Minuten, ab dem 10. August jede Nacht um eine Stunde gesteigert werden. Den Blick sollte man dabei nach Nordosten richten wo das Sternbild Perseus, dem scheinbaren Ausgangspunkt der Sternschnuppen, im Laufe der Nacht immer höher über den Horizont steigt.