Mit Kräutern und Bären auf du und du

Erstellt am 25. April 2019 | 03:31
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So ist Jennifer Frank-Schagerl am liebsten unterwegs: Mit dem Campingrucksack in der Natur auf der Jagd nach Kräutern für die nächste Mahlzeit.
Foto: Sandra Frank
Jennifer Frank-Schagerl ist ein Outdoor-Mädchen, das nur mit einem Rucksack die Natur erobert. Wie Kräuter solchen Reisen die richtige Würze verleihen, beschreibt sie in ihrem ersten Buch.
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Durch die Wildnis wandern, nur mit dem Nötigsten im Rucksack. Dabei viele Tiere, aber wenig Leute treffen. Kochen am Lagerfeuer, schlafen im Zelt. Was auf den ersten Blick romantisch klingt, ist für die meisten Menschen dann aber doch nicht das Richtige, wenn ihnen bewusst wird, dass sie ohne weiches Bett, Dusche und WC auskommen müssen.

Anders ist das bei Jennifer Frank-Schagerl. „Ich liebe es, in der Natur draußen zu sein“, sagt die Radiomoderatorin. Die Wildnisreisen begleiten sie seit mehr als 15 Jahren. „Das holt einen in die Realität, da bin ich ganz bei mir“, erinnert sie sich an ihre Wanderungen durch die verschiedensten Länder. Sie bestieg den Machu Picchu in Peru, sah die Nordlichter im norwegischen Tromsø, zuletzt bereiste die gebürtige Sitzendorferin (Bezirk Hollabrunn), die jetzt in Hofstatt (Bezirk Krems) lebt, mit ihrem Mann drei Wochen Vietnam.

Kurioses erlebte sie vor vielen Jahren, als sie den Kenai Fjord Nationalpark in Alaska erkundete. „Wir sind mit dem Kanu gepaddelt. Ich habe gesehen, dass ein Biber den Fluss queren will und hab’ mir gedacht: Dem schneiden wir den Weg ab!“ Also legte sie sich mit ihrem damaligen Freund ins Zeug. „Als wir dann näher kamen, haben wir gesehen, dass es ein Bär war …“, lacht Frank-Schagerl. Bären hat sie auf dieser Tour noch öfter getroffen, nur wenige Meter von ihr entfernt. „Solange man ihnen ihr Futter, die Lachse, nicht streitig macht, sind sie ganz friedlich.“ Ein anderes Tier machte der heute 33-Jährigen mehr zu schaffen: „In der Nacht knackst es die ganze Zeit und jedes Mal sind es Eichhörnchen!“

„Ich liebe es, in der Natur draußen zu sein. Das holt einen in die Realität, da bin ich ganz bei mir.“ Jennifer Frank-Schagerl, Kräuterpädagogin und Rucksackreisende

Wochenlang kann sie nur mit dem, was sie in ihren Rucksack gepackt hat, unterwegs sein. „Und das reicht“, verzichtet sie bewusst und sehr gern auf viel Schnickschnack. Die Liebe zur Natur wurde so immer größer, was die Erlebnispädagogin aber bald satt hatte, war die abgepackte Fertignahrung. „Die schmeckt immer gleich …“, hielt sich ihre Begeisterung dafür sehr in Grenzen. Nach einem Kräuterseminar ging ihr ein Licht auf: „Das hat mir die Augen geöffnet, das kann ich ja alles essen!“, begann sie, komplett umzudenken, wie sie selbst sagt. Couscous, Reis und Nudeln sind seitdem ihre Begleiter, wenn sie auf Reisen ist. Gewürzt wird mit den Kräutern vom Wegesrand. Diese „Basics“ hat sie ausgewählt, weil: „Wenn du den ganzen Tag unterwegs bist, dann muss es schnell gehen und satt machen. Und du brauchst Kohlenhydrate, um wieder Energie zu bekommen.“

Frank-Schagerl machte die Ausbildung zur Kräuterpädagogin. Bereits da dachte sie: „Ich mach’ ein Handout für die Teilnehmer meiner zukünftigen Kurse.“ Aus diesem Handout ist nun ihr erstes Buch geworden: „Wildkräuter-Outdoorküche“. Darin beschreibt sie zehn Wildkräuter, die es das ganze Jahr über gibt. „Sie sind sehr nährstoffreich und zum Essen ein Traum“, schwärmt die Outdoor-Trainerin. Und: „Die Kräuter kennt jeder, man muss sie nur verwenden“, will sie Bewusstsein für „heimisches Powerfood“ schaffen. Dass diese zehn Kräuter, darunter Brennnesseln, Giersch, Gänseblümchen und Löwenzahn, wirklich alle im Garten oder auf der Wiese dahinter zu finden sind, bestätigte sich bei einem „Lokalaugenschein“ mit der NÖN.

Das Lieblingskraut der Moderatorin, die auch eine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin abgeschlossen hat, ist übrigens der Giersch. Warum? „Er ist so vielseitig, er schmeckt gut und gibt aus.“ Giersch könne beim Kochen verarbeitet werden wie Petersil, rät Frank-Schagerl, einmal Giersch-Kartoffeln zu kochen. Das muss aber nicht überm Lagerfeuer sein. „Die Rezepte im Buch funktionieren alle auch in der Küche.“