Dachzelte für "gehobenes Zelten" auf dem Vormarsch . Vor etwa 60 Jahren in Italien entwickelt, war das Dachzelt ursprünglich für Abenteuer- und Fernreisen in abgelegene Gebiete gedacht. Heute sind die meisten Käufer "normale" Urlauber mit Vorliebe für Natur und Flexibilität.

Von Redaktion noen.at und Redaktion bvz.at. Erstellt am 30. Juli 2020 (17:29)
ÖCC

Camping hat in den vergangenen Jahren viele Gesichter bekommen. Neben den Klassikern Reisemobil, Wohnwagen und Zelt tauchen zusätzliche Unterkunftsformen für Naturliebhaber auf. "Immer mehr Interesse finden derzeit Dachzelte. Das im wahrsten Sinne des Wortes 'gehobene' Zelten hat im Vergleich zum herkömmlichen Zelten zahlreiche Vorteile, die auch Zeltskeptiker überzeugen sollten", weiß Tomas Mehlmauer, Präsident des Österreichischen Camping Clubs (ÖCC).

"Allein der Abenteuer-Charakter eines Dachzeltes hat seinen Reiz – auch wenn man dann damit 'nur' auf einen Campingplatz fährt", sagt Mehlmauer. "Ein großer Vorteil: In zwei Minuten ist man fertig zum Schlafen und genauso schnell wieder bereit für die Weiterfahrt." Ein Dachzelt fasst meist auch zusätzliches Gepäck – so kann die Bettwäsche beispielsweise immer drinnen bleiben. Bei vielen einigen Modellen kann man sogar Dinge auf dem Dachzelt transportieren, wie z. B. Reservereifen oder Kanu. "Ein Dachzelt erfüllt auch dort seinen Zweck, wo man herkömmliche Zelte wegen unebenem, steinigem oder nassem Untergrund nicht aufstellen kann", nennt der ÖCC-Experte einen weiteren Vorteil. "Speziell Camping-Kritiker, die einen Besuch von Insekten, Schlangen oder anderen Tieren fürchten, werden Gefallen an dieser Form des Zeltens finden."

Gewichtsbestimmungen des Autos vorab kennen – was ein Dachzelt kostet

Die meisten Dachzelte wiegen zwischen 40 und 80 Kilogramm. "Vor der Anschaffung sollte man unbedingt prüfen, ob das Gewicht mit Dachzelt und Dachträger sowie Gepäck und Personen das maximale Fahrzeuggewicht nicht überschreitet", rät der Experte. Außerdem muss die maximal zulässige Dachlast des Pkw beachtet werden. Dachzelte gibt es mit einer Breite zwischen 130 und 165 Zentimeter – sie sind damit für zwei Erwachsene oder auch Familien mit zwei kleineren Kindern geeignet. Der Spritverbrauch steigt durch das Dachzelt übrigens nur leicht – die meisten Modelle sind aerodynamisch geformt, sodass der Luftwiderstand nur minimal größer ist. Abhängig ist der Spritverbrauch aber auch von Fahrweise und Beladung – wer also nicht allzu schwer und schnell unterwegs ist, wird maximal ein bis zwei Liter mehr auf 100 Kilometer verbrauchen. Achtung: Das Dachzelt darf maximal 20 cm über die Fahrzeug-Breite ragen.

Für ein neues Dachzelt guter Qualität muss man zwischen 1.500 und 3.500 Euro einkalkulieren. Teurere Varianten sind dann eher für den Einsatz bei extremen Bedingungen gedacht. "Den Anschaffungskosten 'gegenrechnen' kann man natürlich die Übernachtungskosten für alternative Unterkünfte wie Pensionen oder Hotels", sagt der ÖCC-Experte. Generell ist es für Campingliebhaber die günstigere Alternative zu Reisemobil oder Wohnwagen. Der Gebrauchtmarkt an Dachzelten ist hingegen dürftig. Das liegt auch daran, weil sie bei richtiger Verwendung und Pflege (ein Dachzelt darf, wie ein herkömmliches Zelt auch, nie in feuchtem Zustand gelagert werden) sehr lange halten.

Schalenmodell oder Stoffzelt – Montage bei fast allen Pkw denkbar einfach

Dachzelte gibt es als Schalenmodell oder Stoffzelt. Die Schalenmodelle ähneln einer Dach- oder Skibox – sind allerdings größer und stabiler. Die untere Schale ist der Boden, die obere Schale das Dach. Innen befinden sich die Matratze und der Zeltstoff, der in geöffnetem Zustand die Seitenwände darstellt. Geöffnet wird die obere Schale entweder automatisch per Gasdruck-Dämpfer oder mittels Handkurbel. Stoffzelte hingegen sind in geschlossenem Zustand "nur" mit einer Plane gegen Nässe und Schmutz geschützt. Jedes Dachzelt ist mit Hilfe einer Leiter zugänglich, die in der Regel bei der Fahrt im Zelt verstaut wird.

Für die Montage sind die meisten Fahrzeuge geeignet – ausgenommen Cabrios und Sportwagen. Oft reichen zwei standardmäßige Vierkant-Querträger – nur bei besonders großen Dachzelten können drei oder vier Täger notwendig sein. "In jedem Fall ist auf den richtigen Abstand der Querträger zu achten. Dann ist die Montage denkbar einfach und funktioniert ähnlich wie bei einer Ski-Box mit vier Beschlägen, die das Dachzelt am Lastenträger des Fahrzeuges fixieren", weiß Mehlmauer. "Beim ersten Mal braucht man vielleicht eine Stunde, mit ein bisschen Übung nur mehr 15 Minuten."