Neue Therapie im Kampf gegen Krebs. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Bürgermeister Klaus Schneeberger und Spitzenvertreter des Zentrums "MedAustron" in Wr. Neustadt präsentierten die neue Therapie mit Kohlenstoffionen - eine Behandlungsform, die neue Chancen bei bisher schwer oder gar nicht behandelbaren Tumoren bieten soll.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 23. Juli 2019 (13:22)

Es sei ein „historischer Tag für Wiener Neustadt“, erklärte Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) am Dienstagvormittag im Rahmen einer besonderen Pressekonferenz. Denn wurden die Patienten im Krebsbehandlungszentrum „MedAustron“ bisher ausschließlich mit Protonen behandelt, steht ab sofort auch eine Therapie mit Kohlenstoffionen zur Verfügung.

„Damit sind wir in diesem Projekt in Wahrheit genau dort, wo wir von Anfang an hinwollten“, so Schneeberger, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Das freue ihn besonders, schließlich sei er „ein Mann der ersten Stunde“ bei dem Vorhaben gewesen, ging der Stadtchef ins Detail.

Mikl-Leitner: "MedAustron" als "Vorzeigebeispiel"

„MedAustron“ sei „ein Vorzeigebeispiel bei Behandlung und Forschung“, erklärte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP).

Philipp Grabner
ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: "Das Land sichert weiterhin volle Unterstützung zu!"

Wissenschaft und Forschung seien in Niederösterreich wichtige Zukunftsthemen, so die Landeschefin, „ein zentrales Thema dabei ist die Gesundheit und die Nutzbarmachung von Wissenschaft und Forschung für die Menschen, so wie es bei ,MedAustron‘ auf höchstem Niveau geschieht“, lobte die Landeschefin.

Seit dem Jahr 2016 habe es über 12.000 Einzelbestrahlungen für insgesamt über 400 Patienten gegeben. Und denen konnte man „Hoffnung im Kampf gegen den Krebs geben“, zeigte sich Mikl-Leitner überzeugt. Künftig beheimate man mit "MedAustron" eines von sechs Zentren weltweit, die eine derartige Behandlung anbieten. Wichtig sei ihr auch gewesen, dass die Behandlung bei in dem Zentrum „keine finanzielle Belastung“ darstelle.

Dass die Behandlung mit der E-Card erfolgen könne, hätte „viele harte Gespräche“ erfordert, so die Landeshauptfrau – auch mit Blick in Richtung Bürgermeister Klaus Schneeberger.

Klinische Daten werden für nächstes Jahr erwartet

Die Vorteile der Kohlenstoffionen-Behandlung gegenüber der seit bereits drei Jahren angewandten Protonen-Bestrahlung seien eine „bessere Dosisverteilung“ sowie eine „erhöhte biologische Wirksamkeit bei nicht einfach zu bestrahlenden Tumoren“, erläuterte Piero Fossati, der wissenschaftliche und klinische Direktor dieser Behandlung.

Philipp Grabner
Piero Fossati erklärte die neue Behandlungsform bei "MedAustron".

Die Ergebnisse seien vergleichbar mit jenen der Chirurgie. Weil es sich dabei außerdem um die am wenigsten verfügbare Krebsbehandlung handle, sei es wichtig, bei „MedAustron“ auch entsprechende Forschung zu betreiben, so Fossati.

Eugen B. Hug, Ärztlicher Direktor von „MedAustron“ erklärte, dass der Startschuss für derartige Behandlungen „ein großer Schritt“ seien und Patienten größere Chancen auf die Bewältigung der Krankheit hätten. Klinische Daten, inwieweit die neue Behandlungsmethode Wirkung zeigt, erwartet Hug spätestens kommendes Jahr.

Schneeberger: "Positive Zahlen ab 2022"

Der allererste Patient bei „MedAustron“ wurde im Jahr 2016 behandelt, mittlerweile finden rund 31 Bestrahlungen pro Tag in dem Zentrum statt.

Philipp Grabner
Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schneeberger (ÖVP): "Ein historischer Tag für Wr. Neustadt!"

„Was die Finanzierung betrifft, so gab es vom Bund eine Anschubfinanzierung von 41 Millionen Euro, von der Stadt das Grundstück und 1,9 Millionen Euro sowie vom Land Niederösterreich 3,7 Millionen Euro und Haftungen in der Höhe von 290 Millionen Euro“, so Klaus Schneeberger.

Den "Break-Even-Point" erwarte er, so der Stadtchef, für 2022. „Ab dann schreiben wir positive Zahlen“, zeigte sich Schneeberger überzeugt.