Hitzewellen sind länger und häufiger geworden. Eine Auswertung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigt, dass die durchschnittliche Dauer einer Hitzewelle in den Landeshauptstädten in den letzten Jahrzehnten um rund zwei Tage zugenommen hat. Außerdem kommen Hitzewellen mittlerweile um mehr als 50 Prozent öfter vor als früher. Aktuell erleben wir eine überdurchschnittliche lange Hitzewelle. Sie dauert zumindest bis Mitte der kommenden Woche.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 03. August 2018 (09:09)
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Symbolbild

Schwieriger als die Auswertung einzelner ungewöhnlich warmer Tage ist die Analyse von Hitzewellen, also von mehreren heißen Tagen hintereinander. „Man könnte eine Hitzewelle zum Beispiel mit einer Serie von mindestens drei Tage mit mindestens 30 °C definieren. Dann würde aber bereits ein Tag mit 29,9 °C die Serie beenden, obwohl es immer noch heiß ist. Das ist natürlich nicht sinnvoll.", sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Analyse von Hitzewellen mit Kysely-Tagen

Eine gute Methode, Hitzewellen sinnvoll zu erfassen und ihre Entwicklung in den letzten Jahrzehnten zu analysieren stammt vom tschechischen Meteorologen Jan Kysely und ist auch nach ihm benannt. „Vereinfacht gesagt definierte Kysely eine Hitzewelle mit einer Serie von zumindest drei aufeinanderfolgenden Tagen über 30 °C, die von Tagen zwischen 25 und 30 °C unterbrochen werden konnen solange die mittlere Maximaltemperatur in der gesamten Periode größer 30 °C bleibt. Jeden Tag so einer Hitzewelle bezeichnet man als Kysely-Tag", erklärt ZAMG-Klimatologe Orlik.

Hitzewellen-Entwicklung in den Landeshauptstädten.pdf (pdf)

Ergebnis 1: derzeit schon überdurchschnittlich lange Hitzewelle

An der ZAMG wurden mittels Kysely-Tagen die Hitzewellen der Landeshauptstädte ausgewertet. Die Daten reichen teilweise bis in die 1870er-Jahre zurück.

In den letzten 30 Jahren dauerte eine Hitzewelle in den Landeshauptstädten im Durchschnitt zwischen sechs Tage in Bregenz und neun in Klagenfurt. Diese Werte werden von der aktuellen Hitzewelle auf jeden Fall übertroffen. Bis inklusive 2. August 2018 dauerte die Hitzewelle bereits zwischen vier Tage an der Wetterstation Salzburg Flughafen und 10 in Wien Hohe Warte, und nach dem aktuellen Stand der Prognosen kommen noch mindestens sechs Tage dazu.

Die Rekorde sind allerdings noch deutlich entfernt. Die längste Hitzewelle aller Landeshauptstädte erlebten Eisenstadt, St. Pölten und Wien im Jahr 2003 mit 29 Tagen in Serie.

Ergebnis 2: Hitzewellen dauern länger

Interessant ist auch der Vergleich von Hitzewellen der letzten Jahrzehnte. Für statistisch sinnvolle Aussagen zieht man Auswertungen von zumindest 30 Jahren heran. In der Klimaperiode 1951-1980 dauerte eine durchschnittliche Hitzewelle in den Landeshauptstädten zwischen fünf und sieben Tage. In der jüngsten Vergangenheit (1988-2017) dauerte eine Hitzewelle durchschnittlich zwischen sechs und neun Tage. „Hitzewellen sind in den letzten Jahrzehnten, je nach Landeshauptstadt, um ein bis zwei Tage länger geworden", sagt ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik, „nur in Bregenz gab es keine Änderung."

Ergebnis 3: Hitzewellen werden häufiger

Sehr markant ist auch, dass Hitzewellen immer öfter vorkommen. Früher (Klimaperiode 1951-1980) gab es in zehn Jahre nur zwischen zwei (Bregenz) und sechs (Innsbruck, St. Pölten, Eisenstadt) Jahre mit mindestens einer Hitzewelle. In der jüngsten Vergangenheit (1988-2017) kommt eine Hitzewelle statistisch gesehen innerhalb von zehn Jahren zwischen vier (Bregenz) und fast zehn Jahren (Wien) vor. „Die Häufigkeit von Hitzewellen hat deutlich zugenommen, um mehr als 50 Prozent", so Klimatologe Orlik, „In Innsbruck, Klagenfurt, Eisenstadt und Wien muss man mittlerweile fast jedes Jahr mit zumindest einer Hitzewelle rechnen. Früher war das nur ungefähr jedes zweite Jahr der Fall."