In 119 Waschmittel-Produkten Plastik festgestellt. Erster Erfolg: Hofer, Lidl, Rewe und Spar haben zugesichert, festes Mikroplastik aus Waschmittel-Eigenmarken zu verbannen

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 04. Juli 2019 (11:46)
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GLOBAL 2000 und der Konsumentenschutz der AK OÖ haben über 300 Waschmittel auf synthetische Polymere untersucht.

Die schlechte Nachricht: In 119 Waschmitteln wurde industriell hergestelltes und zugesetztes Plastik gefunden.

Die gute Nachricht: Es gibt auch Waschmittel, die für Mensch und Umwelt empfohlen werden können.

Der erste Erfolg: Hofer, Lidl, Rewe und Spar haben bereits vor Veröffentlichung zugesichert, festes Mikroplastik aus den Waschmittel ihrer Eigenmarken zu verbannen. „Es ist sehr erfreulich, dass schon während der Recherchen zu diesem Waschmitteltest vier Supermarktketten angekündigt haben auf festes Mikroplastik in ihren Eigenmarken zu verzichten“, sagt Lisa Kernegger, Plastikexpertin bei GLOBAL 2000.



36 Waschmittelproben im Labor

GLOBAL 2000 und der Konsumentenschutz der AK OÖ haben 36 Waschmittelproben im Labor des Umweltbundesamtes auf mögliche Mikroplastikverbindungen untersuchen lassen. Zusätzlich wurden die Inhaltsstoffe laut Herstellerangaben von mehr als 300 Waschmitteln auf synthetische Polymere durch leuchtet. In fester Partikelform sind diese als Mikroplastik bekannt.

Synthetische Polymere gibt es aber auch in flüssiger, gelartiger oder gelöster Form. Sie werden Waschmitteln zugesetzt, um beispielsweise Grauschleier oder Verfärbungen zu verhindern oder dem Waschmittel eine bestimmte Konsistenz zu verleihen.



Mikroplastik belastet die Umwelt

Zugesetztes Mikroplastik aus Kosmetika oder Reinigungsmitteln gelangt beim Waschen ins Abwasser. Zwar können Kläranlagen bis zu 95 Prozent davon aus dem Wasser filtern, da der Klärschlamm aber teilweise zum Düngen der Felder verwendet wird, landet das zuerst mühsam aus dem Wasser gefilterte Mikroplastik wieder in der Natur und sammelt sich dort an.

Der kleinere, nicht gefilterte Anteil gelangt aus der Kläranlage wieder in den Flüssen, Seen und Meere. Mikroplastik zerfällt in immer kleinere Teile und wird von Pflanzen und Tieren aufgenommen. Auf diese Weise gelangt es letzten Endes sogar in die Nahrungskette. Wie sich gelöste oder flüssige Kunststoffe in der Umwelt verhalten, ist überhaupt noch weitestgehend ungeklärt.

„Es ist absurd: Wir waschen unsere Platikkleidung mit Waschmittel dem extra Plastik zugesetzt wurde und wundern uns dann darüber, dass Plastik mittlerweile überall ist“, fasst Kernegger die Lage zusammen.



Transparente Inhaltsangaben fehlen

Anders als bei Lebensmitteln oder Kosmetika müssen nicht alle Inhaltstoffe von Waschmittel direkt am Produkt angegeben werden. Es ist ausreichend, wenn Hersteller die Inhaltsstoffe auf einer Website veröffentlichen und nur den Hinweis auf die Webadresse auf den Verpackungen drucken. Demnach ist es ohne Smartphone oder Computer unmöglich herauszufinden, ob ein Waschmittel Mikroplastik enthält oder nicht.

„Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, dass nicht alle Inhaltsstoffe direkt auf der Waschmittelpackung angegeben werden müssen. Auch dass in Waschmitteln Plastik enthalten sein kann und diese sogenannten synthetischen Polymere nicht nur in fester Form, sondern auch flüssig vorliegen können, ist weitgehend unbekannt. Daher ist eine transparente Darstellung aller Inhaltsstoffe auf der Verpackung, sowie ein Verbot von Mikroplastik und allen biologisch nicht abbaubaren synthetischen Polymeren, dringend nötig“, fordert Kernegger.



Verbot von Mikroplastik und von flüssigen, nicht abbaubaren synthetischen Polymeren dringend nötig

Mikroplastik soll unter anderem in Waschmitteln laut aktuellem Gesetzesvorschlag der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) bald europaweit verboten werden. Aktuell deutet jedoch alles darauf hin, dass synthetische Polymere in gelöster oder flüssiger Form vom angekündigten EU-Verbot ausgenommen werden. GLOBAL 2000 und die AK OÖ fordern daher ein umfassendes Verbot von allen biologisch nicht abbaubaren synthetischen Polymeren.

Waschmittel mit einem Umweltgütesiegel, wie etwa dem Österreichische Umweltzeichen, dem EU-Ecolabel oder dem Blaue Engel, sind aus ökologischer Sicht die bessere Wahl: Sie enthalten garantiert kein festes Mikroplastik, schonen die Umwelt und Gesundheit und ihre Verpackung ist auf Recyclingfähigkeit und Wiederverwendung ausgelegt.