Schulstartaktion der Caritas: Schultüte um 3 Euro. Um den österreichweit rund 330.000 Kinder und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien einen guten Start ins neue Schuljahr zu ermöglichen, gibt es heuer wieder die Schulstartaktion der Caritas Wien.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 20. August 2018 (13:20)

In den "carlas", den Second-Hand-Läden der Caritas in Wien und Niederösterreich, werden Schulartikel besonders günstig angeboten. Dabei wird die Nachfrage von Jahr zu Jahr stärker.

"Wir sehen, dass der Schulstart nicht nur eine große Freude ist, sondern auch eine enorme finanzielle Belastung für armutsbetroffene und armutsgefährdete Familien. Wir versuchen auf vielfältige Weise zu unterstützen, etwa in den Caritas Lerncafes oder hier ganz konkret mit Schulsachen bei der "carla"-Schulstartaktion", sagte Klaus Schwertner, Caritas-Generalsekretär der Erzdiözese Wien, bei einem Medientermin. Hier gibt es beispielsweise Federpennale oder Malkästen ab einem Euro, gefüllte Schultüten um drei Euro, Schultaschen ab fünf Euro und Stifte schon um zehn Cent.

Preisgünstige Schulartikel in den "carlas" 

Dabei würde die Nachfrage jedes Jahr stärker werden und daher immer noch nach gut erhaltenen Schultaschen, Mappen oder Stiften gesucht, rief Schwertner die Menschen zum Spenden auf. Die Kunden würden aus unterschiedlichen Gründen dieses Angebot nutzen - "manche, weil sie ein eingeschränktes Budget haben, aber andere auch, weil sie finden, dass Wiederverwenden besser als Wegwerfen ist", erklärte die Leiterin der carlas, Elisabeth Mimra.

Für die Caritas stellt die Schulstartaktion eine Maßnahme zur Bekämpfung von Armut dar: Je geringer die Bildung, desto höher die Armutsgefahr, hieß es. 33 Prozent der armutsgefährdeten Menschen seien Pflichtschulabsolventen, während lediglich 16 Prozent der Maturanten von Armut gefährdet seien. Aus diesem Grund wurden die Lerncafes in Wien und Niederösterreich gegründet. Hier begleiteten Freiwillige im vergangenen Semester 300 Kinder durch das Schuljahr. Zur Unterstützung bei Hausaufgaben und Prüfungen werden laufend Freiwillige gesucht.

Im Kampf gegen Kinderarmut erwartet sich Schwertner mehr Unterstützung von der Regierung sowie eine Veränderung, wie über Armut gesprochen wird: "Manchmal wird der Diskurs - speziell wenn ich an die Mindestsicherung denke - auf eine Art und Weise geführt, die beschämend ist". Armutsbetroffene Familien und Kinder würden sich ohnehin für ihre Situation schämen. Dies sei "eine zusätzliche Belastung zu dem Stress, den Armut schon von vornherein bedeutet", kritisierte Schwertner. Bis zum 7. September läuft die Schulstartaktion in den carlas, Spenden werden direkt in den Läden angenommen.

Auch Diakonie beklagt finanzielle Belastung für Eltern

Die Diakonie wies am Montag per Aussendung ebenfalls darauf hin, dass Eltern zunehmend über nicht mehr leistbare Belastungen zu Schulbeginn klagen würden. "Ein einfaches Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet 100 bis 300 Euro", so Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk per Aussendung. Dazu kämen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr.

Die Diakonie Wien kritisierte dabei auch diverse Regierungsvorhaben. Die Kürzung der Mindestsicherung für Kinder werde die Situation noch verschlechtern. "Auch die Kürzung der Familienberatungsstellen österreichweit, der Stopp des Ausbaus von Ganztagsschulen und das Einfrieren von Investitionen in Kindergärten geht zulasten von Kindern, die in Haushalten mit geringerem Einkommen leben", hieß es.