Der Sommer duftet nach Lavendel. Der Lavendel bildet auf kargen Böden viel ätherisches Öl, das nicht nur das Parfum wohl duften lässt. Die französische Provence ist nicht der einzige Anbauort in Europa.

Erstellt am 20. Mai 2018 (03:30)
Gordon Bell / Shutterstock.com

„Das Parfum“, nämlich der Film, ist eine visuelle und sinnliche Pracht. Tom Tykwer wagte sich an ein Meisterwerk heran, das als nicht verfilmbar galt. Er lässt die Kamera über endlose Lavendelfelder der Provence streifen – und man ahnt den Duft in Grenouilles Nase. Der Regisseur knüpft an Patrick Süskinds einzigem Buch an: Das Publikum glaubt, den Film riechen zu können. Der filmisch-literarische Ausflug an dieser Stelle soll nur zum Verharren vor dem Lavendel verleiten.

Ist der Sommer richtig heiß, hat er seinen großen Auftritt: Er duftet auf eine Weise, die manche mit Leintüchern in Verbindung bringen. Kein Wunder, der echte Tausendsassa findet in Waschmitteln genauso Anwendung wie in Säckchen, die in Kleiderkästen gelegt werden, in Kosmetikprodukten und – natürlich – im Parfum. Die helfende Wirkung war schon in der Antike bekannt. Der Geruch wirkt erfrischend, beruhigend und hilft beim Einschlafen.

LiliGraphie / Shutterstock.com

Man muss nicht viel dafür tun: Die Stile der prall gefüllten Blütenknospen abschneiden, knapp unter der Blüte zu einem Sträußchen zusammenbinden, die grünen Stile um die Blüten zum Schutz der feinen Pracht stülpen, noch mal zusammenbinden und trocknen lassen.
Der Lippenblütler wird oft zu Rosen gepflanzt, nur passt er bodentechnisch gar nicht dorthin. Ersterer mag’s kiesig, die Königin der Pflanzen mag’s lehmig. Lavendel bringt jedenfalls mediterranes Flair auf den Balkon und in den Garten. Hitze und Trockenheit schadet ihm nicht, tatsächlich gilt die Regel: je sonniger, desto duftiger. Viel ätherisches Öl bildet er auf nährstoffarmen und kargen Böden aus.

Lavendel zieht Bienen an und vertreibt Läuse

Bienen und Schmetterlinge können ihm kaum widerstehen: Das Duftkraut ist ein echter Magnet der fleißigen und schönen Insekten. Der gegenteilige Effekt tritt – sehr zur Freude des Menschen – bei Schädlingen ein: Blattläuse und Zikaden machen einen Bogen um ihn.

Die Blüten sind nicht immer blau-violett: Der Halbstrauch tritt ebenso in Weiß und Rosa auf. Der Favorit unter den Sorten ist hierzulande „Hidcote Blue“: Das dunkelste Blauwächst kompakt und ist robust. Gärtnermeister Karl Ploberger rät aber, beim Einkauf aufzupassen. Die große Nachfrage erfordert große Mengen, sodass im Handel oft durch Saatgut vermehrte Pflanzen vorzufinden sind. Der echte, durch Stecklinge verbreitete „Hidcote Blue“ wächst aber besser.

Der Lavendel ist mit der französischen Provence oder der italienischen Toskana tief im kollektiven Gedächtnis verankert; er wächst aber auch in Dalmatien und Griechenland. Benediktiner-Mönche führten ihn sogar nördlich der Alpen ein: Der größte Bestand war um 1800 im deutschen Rheinland-Pfalz auf dem Lavendelberg, der später in einen Weinberg umgewandelt wurde.

Bessarabien zwischen Rumänien und Ukraine ist als 34.000 Quadratkilometer große Anbaufläche wohl am wenigsten bekannt: Moldawien war einst der weltweit größte Produzent von ätherischen Ölen. Das kleine Land knüpft an alte Traditionen und verleiht dem Lavendelbau wieder Schwung, wie die deutsche Naturkosmetik-Marke „Weleda“ berichtet. Einem Kilogramm Öl liegen 100 Kilogramm Lavendelblüten zugrunde. Die Blüten werden mit der Sichel per Hand geerntet. Wie intensiv der Duft wohl sein muss? Der eigene Garten könnte einen Eindruck verschaffen.

Von der NÖN-Sonderjournal-Redaktion