Delikatessen aus Melk. Peter Plutsch isst gerne Garnelen. Die Tiere, die es zu kaufen gibt, entsprechen allerdings nicht den Qualitätsstandards, die er gerne hätte. Also plant er nun seine eigene Garnelenfarm in Melk, wo er die Salzwassertiere nachhaltig und artgerecht züchten und dann an regionale Anbieter verkaufen will.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 20. Februar 2019 (02:40)
Plutsch

In Knoblauchsauce, auf Blattsalat, mit Pasta oder auf dem Grill. Die Salzwassergarnele ist bei uns allgegenwärtig und doch kommt sie von weit her. Das möchte Peter Plutsch jedoch ändern. Der Melker will die Tiere selbst nachhaltig züchten, um sie, ohne lange Transportzeit, verkaufen zu können.

„Bei uns ist es ja eine Delikatesse. Aber, wenn die Leute wüssten, wie die aufgezogen werden, dann würden sie sie nicht mehr essen wollen. Alleine der lange Schiffsweg!“, ärgert sich Plutsch über die aktuellen Bedingungen in der gängigen Zucht.

„Mit dem ganzen Thema habe ich mich lange befasst“ 

Der 49-Jährige muss ein Idealist sein. Anders kann man sich die Arbeit und Zeit, die er in sein Projekt schon hineingesteckt hat, nicht vorstellen. Dass er davon wirklich überzeugt ist, hört man in jedem Satz, den er über seine Pläne sagt. Doch für Garnelenzüchter gibt es keine Kurse.

Plutsch
Um in Melk Garnelen züchten zu können, wartet Peter Plutsch noch auf eine Baugenehmigung und Investoren. Einen Grund und das notwendige Know-how hätte er schon.

Das Know-how hat er sich mühsam angeeignet: „Ich habe Kontakte zur Uni Wien gesucht. Die haben mir dort Algen und Plankton erklärt, ich habe viel gelesen und nachgefragt. Mit dem ganzen Thema habe ich mich lange befasst, um es zu lernen und es zu verstehen“, so Plutsch. Mit seinem Sohn Nino war er zur Recherche auch bei einer Garnelenfarm in Deutschland zu Besuch. „Da haben wir mitgearbeitet, das hat unseren Horizont erweitert“, erklärt der Melker begeistert.

Plutsch ist in Melk geboren und aufgewachsen. Der Einzelhandelskaufmann arbeitet mit seiner Frau Susanne seit Jahrzehnten selbstständig. Sie kaufen Rohstoffe an, wie Kupfer, Messing oder beispielsweise Aluminium. Diese können so wiederverwendet werden: „Wir haben immer schon umweltbewusst gearbeitet.“

Die Garnelenfarm soll in Melk nahe der Anschlussstelle der Autobahn entstehen. Dort soll eine Halle mit 2.000 Quadratmetern inklusive Zuchtbecken und entsprechender Technik, Lager- sowie Büroräumlichkeiten entstehen. Die Entwicklung, wo er mit seiner Farm hinwill, ist die, dass er am Tag der Garnelenbestellung die gewünschte Menge abfischt und am selben Tag beziehungsweise am nächsten Tag die Tiere ungefroren am Teller in Gastronomie oder bei Privatpersonen landen. „Alleine der kurze Weg spart Zeit und Energie. Und Energie ist immer Umweltbelastung“, so Plutsch.

Garnelenzucht ohne Chemie und ohne Antibiotika

Ziel ist es zumindest zwölf bis vierzehn Tonnen Garnelen im Jahr abfischen zu können. Doch die Wasserqualität zu erhalten sei aufwändig. „Wir stecken nach wie vor in der Projektierung“, so Plutsch. Die ersten Tiere habe er probeweise schon gezüchtet. Etwa sechs Monate, nachdem die Farm einmal in Betrieb geht, könnten die ersten Garnelen abgefischt werden. Diese sollen ohne chemische Zusätze und ohne Antibiotika produziert werden. Um zu starten, fehle momentan nur noch die Baugenehmigung vonseiten des Landes.

„Mein Ziel ist, dass mein Enkelkind, wenn ich einmal nicht mehr bin, sagen kann: ‚Er hat mir sein Fleckerl Wiese sauber hinterlassen‘. Ich habe dann eigentlich alles erreicht, wenn die Kinder noch Bäume im Wald sehen und Fische im Bach.“