Absdorf

Erstellt am 08. Februar 2019, 06:36

von Michaela Fleck

Das Kraut, das lebt – und lustig macht . Vom „Arme-Leute-Essen“ zum Winter-Klassiker: Sauerkraut ist nicht nur am Bauernmarkt gefragter denn je. Sondern auch ab Hof, direkt bei Niederösterreichs Gemüsebauern – wie bei Rudolf und Gerlinde Hell aus Absdorf.

Ihre „wertvollste Köstlichkeit“, sagen die Hells, ist das Sauerkraut. Das kommt bei der Bauersfamilie aus Statzendorf schon seit bald drei Jahrzehnten ganz klassisch auf den Tisch. Oder ins Halb-Liter-Becherl. Oder in den Zehn-Liter-Eimer. Ganz nach Wunsch.  |  Hell

„Angefangen hat mein Mann, mit dem Kraut.“ Lacht Gerlinde Hell. Und erinnert sich an 1992, als „wir in der Wirtschaftsküche Kraut geschnitten haben“. Und im Keller dann drei Holzfässer standen, mit dem Kraut. „Wir haben“, sagt die Statzendorferin, „ganz klein angefangen. Und dann ist es immer ein bissl mehr geworden.“ Erst kam ein Verkaufsanhänger, dann eine Vitrine, dann die Märkte und die Feuerwehrfeste.

Heute, 27 Jahre später, haben die Hells ein Kühllager für 150 (!) Tonnen Kraut. Einen wohlbekannten Namen. Und machen trotzdem noch immer ganz viel mit der Hand. „Es ist ein Riesen-Aufwand“, gibt Gerlinde Hell zu. Aber: „Wenn wir’s zukaufen, haben wir nicht die Qualität. Wir machen’s, wie wir’s brauchen.“ Und wenn eine Bestellung für 600 Kilogramm Krautsalat kommt, „können wir das zu viert in zwei Stunden schaffen“. Bei ihnen sei „nichts konserviert und nichts pasteurisiert“. Bei ihnen seien im Sauerkraut noch „die Bakterien drin“. Denn: „Unser Sauerkraut lebt!“ Das mache es so frisch. Und auch so gesund.

„Ich ess’ es noch immer sehr gern, ganz roh, gleich vor dem Frühstück oder zwischendurch mit Obst!“ Kraut-Bäuerin Gerlinde Hell über ihr (Sauer-)Kraut

„Das Kraut“, erzählt Gerlinde Hell, „war immer ein Arme-Leute-Essen. Die Notration im Winter. Die Vitamin-C-Spritze.“ Bei den Bauern sei es immer am Tisch gestanden, das Kraut, mit Erdäpfeln, und „zu allen heiligen Zeiten“ auch mal ein Fleisch dazu. Dahin müsse man heute wieder ein bisschen zurück.

Wobei: Bei Familie Hell gibt es längst nicht nur Kraut. Sondern auch Sellerie und Salzgurken, Rote-Rüben- und Rohkostsalat, Suppenwürze und Erdäpfelsalat. Der wird noch immer und jeden Tag („auch am Sonntag“) frisch gemacht. „Da“, stellt Gerlinde Hell klar, „da besteh’ ich darauf!“

Verpacken: Rudolf und Gerlinde Hell mit zwei von insgesamt sechs Salaten – dem Rote-Rüben- und dem Kraut-Salat. Außerdem im Sortiment: Rohkost-, Erdäpfel- oder Selleriesalat.  |  Hell

Das Kraut dagegen, als Salat, vergoren oder gekocht, mache man nach Bedarf. Und in jeder Größe – offen, im Becher, Küberl, im Sackerl „oder im mitgebrachten Tupper-Geschirr“. Haltbar ist es zwischen 14 Tagen und vier Wochen, „je kühler, desto länger“.

Ob sich an ihrem Sauerkraut auch mal etwas ändert? Eine Zutat, ein Geschmack, ein Rezept? „Nein!“, sagt Gerlinde Hell. „So wie’s ist, bleibt es!“ Man habe natürlich auch Schnittkraut im Angebot. Aber sie habe in einem Seminar schon einmal eine Variante mit Ingwer probiert. Und sie denke etwa über Rotkraut mit Äpfeln, Orangen und Nüssen nach.

„Unsere Zukunft“, ist sich Gerlinde Hell sicher, „ist der Markt. Die Leute wollen einfach ein Gesicht und eine Geschichte dazu.“ Wobei: Ihre Zukunft sei auch die nächste, mittlerweile dritte Generation. Die, nämlich Sohn Rudolf junior, werde demnächst den Hof übernehmen. Und habe schon begonnen, Wassermelonen anzubauen und zu vermarkten. Eine neue Homepage online gestellt. Oder einen 24-Stunden-Hofladen auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken aufgemacht. „Der ist richtig abgegangen!“

Schneiden: Manches machen bei Familie Hell auch Maschinen, das meiste aber nach wie vor die Hände. Im Bild: Weißkraut vor dem Schnitt.  |  Hell

Noch mehr (Sauer-)Kraut aus Niederösterreich

Kraut haben viele von Niederösterreichs Gemüsebauern im Angebot, Sauerkraut nur ein paar. Hier ein Überblick:

  • Absdorf: Rudolf und Gerlinde Hell bauen, ernten, verarbeiten und vertreiben ihr Kraut und ihre Salate ab Hof in Statzendorf, am Wochenmarkt in St. Pölten und Herzogenburg oder in Hell’s Frischekistl. www.hells-salate.at
  • Nappersdorf: Michaela Kemeter führt im Weinviertel eine Gemüselandwirtschaft ohne Chemie und bietet neben Sauerkraut auch Krautsalat und Senfgurken an. www.Gemüse-Manufaktur.at
  • Ollern: Martina und Johann Höfinger (im Hauptberuf Nationalrat) bauen nicht nur Paradeiser bis Erdäpfel an, halten Hühner und ziehen Himbeeren, sondern machen auch Sauerkraut – zu haben ab Hof. www.abhof-hoefinger.at
  • Pöchlarn: Stefan Gröbl, der „Speck- und Brotkaiser“ von Wieselburg, hat auch Sauerkraut im Sortiment und ab Hof. www.groebl-abhof.at
  • St. Pölten: Waltraud Harm hat sich in Völtendorf auf Frischkraut, Krautsalat und Sauerkraut spezialisiert – Letztere nach einem alten Rezept von Mutter Katharina und ab Hof zu erwerben. https://harm-kraut.at