Wo Meckern ein Zeichen der Freude ist. Michael Mandl weiß, wie man Ziegen glücklich macht. Sein Ziegenhof ist weit über die Hügel der Buckligen Welt hinaus bekannt.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 08. Oktober 2018 (16:09)
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Viktoria Kornfeld

Es begann alles mit dem Wunsch eines Buben in den 1990er-Jahren nach einem Tier, dass von der Größe zu ihm passte und ganz ihm alleine gehörte. Seine Eltern hatten einen Milchvieh- und Rindermastbetrieb. Die waren für seinen Geschmack zu groß. Und so kam es, dass „Ester“ bei Familie Mandl einzog und Michael 1996 seine Liebe zu den Ziegen entdeckte. Heute ist er Herr über 300 Ziegen und hat sich mit seinem Ziegenhof in der Buckligen Welt einen Namen gemacht. Er gilt als Vorzeigebetrieb auch über die Grenzen Österreichs hinaus. Sogar die EU-Agrarminister schauten auf eine Stippvisite in Lichtenegg vorbei.

So wie damals bei Ester ist es Michael Mandl auch heute wichtig, dass es seinen Ziegen gut geht. Bei geführten Hofrundgängen dürfen sie besucht werden, mittels „Goaß-Kino“ kann man ihnen auch ganz ungeniert beim Alltagsleben zuschauen. „Wir füttern sie mit rein biologischem Futter. Ihre Lebensbereiche haben wir so gestaltet, dass er ihrer Art am besten gerecht wird“, so Mandl.

Auszeichnungen für Käserei

Schon als Zehnjähriger wollte er sich besonders gut um seine Ester kümmern und gab ihr täglich fünf Kilo Rübenschnitzel zu essen. „Das ist zwei Wochen gut gegangen, und dann ist sie verendet“, erinnert er sich mit Wehmut. Seine Eltern Anna und Erich wollten ihm über den Verlust hinweghelfen, und so zogen bald drei weitere Ziegen am Hof ein. Mutter Anna war es auch, die aus der Milch der Ziegen

Käse herstellte. Dem Briefträger schmeckte er so gut, dass er gleich der erste Abnehmer wurde. Die Kunde vom Ziegenkäse aus der Buckligen Welt verbreitete sich, die Nachfrage wurde größer. „2002 wurde der letzte Stier verkauft. Den Betrieb haben wir auf 100 Prozent bio und zur Gänze auf Ziegenhaltung umgestellt“, berichtet Mandl.

Landwirtschaftskammer Niederösterreich/Franz Gleiß

Zehn Jahre später – 2012 – übernahm der damals 25-Jährige den Hof seiner Eltern. Er musste entscheiden, wie es mit dem gut etablierten, jedoch von der Infrastruktur her überalterten Direktvermarktungsbetrieb weitergehen könne. „Viele Wege wurden angedacht, und letztendlich bin ich zu dem Entschluss gekommen, eine neue Käserei zu bauen“, so Michael Mandl. Dafür erhielt er den Österreichischen Jungbauernschaftspreis und den Klimaschutzpreis.

Diese Auszeichnungen machten den Ziegenhof Mandl bekannter, und es wurde ganz schnell viel mehr Milch gebraucht. Der Stall wurde erweitert, ein Schaubetrieb aufgebaut und im alten Getreidelager ein Hofladen eingerichtet. Die Ziegen fühlen sich hier rundum wohl. „Das merkt man, wenn sie ganz entspannt auf den Ziegensofas liegen oder die meiste Zeit im Stall bleiben“, freut sich der 31-jährige Besitzer. Hier hüpfen und spielen sie im Stroh, das täglich neu eingestreut wird. Dabei ist es auch im Freien schön. Über eine Ziegenbrücke gelangen die neugierigen Tiere zum Sonnenbaden und Grasknabbern nach draußen.

Stolz auf seine Mitarbeiter

Bei den Führungen am Hof ist es Michael Mandl wichtig, dass die Besucher die Zusammenhänge zwischen biologischer Bewirtschaftung, der Gesundheit der Ziegen und dadurch den Einfluss auf die Gesundheit der Menschen verstehen. „Ich erzähle auch von meinen neun Mitarbeitern aus der Region, die hier einen ganz tollen Job erledigen. Obwohl wir handwerklich produzieren, erfüllen wir die internationalen IFS-Standards“, so Michael Mandl.

Andere Landwirte kommen zu Besuch. Ihnen zeigt Mandl, dass es immer einen Weg gibt: „Auch in der heutigen Zeit kann man in der Landwirtschaft sehr erfolgreich sein, indem man zum Beispiel neue Produkte kreiert, die Kunden wieder anspricht und die Vermarktung selbst in die Hand nimmt“, ist der Jungbauer aus Lichtenegg überzeugt.

www.ziegenhof.at

„Das Beste vom Land“ steht im Mittelpunkt des aktuellen Sonderjournals, das diese Woche der NÖN beiliegt.