Die Geschichte einer Region auf Burg Güssing. Auf Burg Güssing ist am Donnerstagabend die Sonderausstellung "Von Deutschwestungarn ins Burgenland" zu "100 Jahre Burgenland" eröffnet worden - coronabedingt ohne Feierlichkeiten. Gezeigt wird die Geschichte einer Region 1848 bis 1921, geöffnet ist die Sonderausstellung von 30. April bis 30. Oktober 2021.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 29. April 2021 (18:26)
Den Burginnenhof mit der wunderschönen Aussicht kann man ab Freitag genießen.
Burg Güssing

Die Schau ist eine von drei großen kulturhistorischen Ausstellungen, mit denen das Burgenland dieses Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert. Sie legt einen besonderen Fokus auf das Alltagsleben der Menschen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Bei den anderen beiden Ausstellungen handelt es sich um "Unsere Amerikaner - burgenländische Auswanderergeschichten", die bereits im Landesmuseum in Eisenstadt läuft, und die Jubiläumsausstellung "Wir sind 100. Burgenland schreibt Geschichte", die am 15. August auf Burg Schlaining eröffnet wird.

Eine große Eröffnungsfeier war am Donnerstagabend auf Burg Güssing freilich nicht möglich. Kurator Dieter Szorger führte aber unter anderem Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Landtagspräsidentin Verena Dunst (beide SPÖ) durch die Ausstellung. Im Frühjahr 2021 wurden burgenlandweit Exponate gesucht und 84 Burgenländer haben persönliche Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt. Fast 800 großteils private Fotoaufnahmen wurden für die Ausstellung und den digitalen Begleitband gesammelt. Unter anderem stieß man auf das älteste Foto des Burgenlandes, erklärte Szorger. Es wurde von Eduard Anger in Mattersburg geschossen und zeigt dessen Sohn und Frau, damit lasse es sich auch recht genau auf 1859/60 datieren.

Die Ausstellung widmet sich unter anderem den Themen Industrialisierung, Bildung, dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von St. Germain. Auch die Eisenbahn in Westungarn wird thematisiert - hierzu sei es gelungen, eine maßstabgetreue, vier Meter lange, Rekonstruktion des 1899 eröffneten Bahnhofes von Güssing zu bekommen, so Szorger. Die Infotafeln der gesamten Ausstellung sind zweisprachig, in deutsch und ungarisch, gestaltet, denn laut seinen Angaben sind 60 Prozent der Besucher auf Burg Güssing Ungarn.

Landeshauptmann Doskozil warf einen ersten Blick auf die Exponate und sah sich persönlich an seine 1911 geborene Großmutter erinnert. Diese habe die Zeit in Ungarn sowie die beiden Weltkriege selbst miterlebt, aber: "Sie hat kaum über diese Zeit erzählt", so Doskozil zur APA. Angesichts des Leides in dieser Zeit, sei dies verständlich, meinte der Landeshauptmann. Er lud die Burgenländer ein, die Ausstellung zu besuchen und sich ein Bild über die Identität des Landes zu machen: "Kaum ein Bundesland hat so dafür kämpfen müssen, an Österreich angeschlossen zu werden. Deutschwestungarn war eine vergleichsweise gut entwickelte Region und man kann heute sagen, dass Ungarn mit dessen Angliederung an Österreich viel verloren und die Republik Österreich viel gewonnen hat."