Finanzdebakel zugelassen: „Alles war ein Chaos“. Prozess gegen Ex-Obmann und Ex-Manager des ASKÖ Stinatz endete mit Diversion. Richter verhängte Geldstrafen von 3.500 beziehungsweise 4.500 Euro.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 31. Januar 2018 (05:23)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Diversion statt Vorstrafe. In der Vorwoche fand der Prozess gegen zwei Funktionäre des ASKÖ Stinatz statt. Sie wurden zu Geldbußen in der Höhe von 3.500 beziehungsweise 4.500 Euro verurteilt.
BVZ, Kirchmeir

Seit dem Sommer 2016 befindet sich der ASKÖ Stinatz, einst ein florierender burgenländischer Landesliga-Verein, im Konkurs. Jahrelang sollen der Obmann und der Manager des Fußballclubs ihre Pflichten grob vernachlässigt haben, weshalb sie sich am Donnerstag dieser Woche am Landesgericht Eisenstadt vor Richter Andreas Beneder wegen des Vorwurfs der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen verantworten mussten.

Beide Männer, der Ex-Manager im Alter von 54 Jahren, der Ex-Obmann 61-jährig, bekannten sich zunächst nicht schuldig, konnten dann aber angesichts der erdrückenden Beweislast doch zu einer Verantwortungsübernahme bewegt werden und kamen somit in den Genuss einer Diversion: Wenn sie Geldbußen in der Höhe von 3500 bzw. 4500 Euro bezahlen, wird das Verfahren gegen sie eingestellt. Von 2010 bis 2016 sei es den Angeklagten „gelungen, den Verein herunterzuwirtschaften“, hielt Staatsanwältin Beatrix Resatz den ehemaligen Fußball-Funktionären vor.

„Es war alles ein Chaos“, brachte die Staatsanwältin das Drama auf den Punkt. Buchhaltung und Rechnungslegung seien mangelhaft geführt worden, es fehlte der Überblick über die Schulden. Irgendwie sei „weitergewurstelt“ worden.

Funktionäre stopften Löcher mit Privatgeld

Um die Finanzlöcher zu stopfen, nahmen sechs Vorstandsmitglieder des Fußballvereins sogar Privatkredite auf. Die Insolvenz ließ sich trotzdem nicht mehr aufhalten, am Schluss hatten die Gläubiger einen Ausfall von 512.000 Euro zu beklagen. Auch die beiden Angeklagten hatten privates Geld in den Verein gesteckt und damit ihre Existenz aufs Spiel gesetzt.

Kabinenneubau, Platzvergrößerung, Flutlichtanlage, Bewässerung, neues Netz, neue Tore: In den ASKÖ Stinatz wurde seit 1999 fleißig investiert. Sportlich wurde dieses Engagement mit dem Aufstieg von der Ersten Klasse in die 2. Liga und von dort in die Landesliga belohnt. 2014 allerdings stieg der Verein wieder ab. Zwei Jahre später war der ASKÖ Stinatz Geschichte. „Alles wurde mit dem Aufstieg in die Landesliga teurer“, sagte der Ex-Obmann vor Gericht und sprach von Buskosten in der Höhe von 12.000 bis 13.000 Euro und das jährlich.

„Die Buchhaltung war nicht mein Revier“

„Wir mussten Kredite zurückzahlen, die Spieler verlangten Geld, das glitt uns aus den Händen“, gab der Angeklagte zu. Im Herbst 2015 wollte man – auf Druck der Bezirkshauptmannschaft – eine Kassakontrolle durchführen, „aber keiner traute sich reinzuschauen“, sagte der Ex-Obmann.

„Die Buchhaltung war nicht mein Revier“, erklärte der angeklagte Ex-Manager. Er habe sich um das Sportliche gekümmert und versucht, gute Spieler zu bringen. 2011/2012 lag die Verschuldung bei 314.000 Euro. „Das ist ein Fußballverein, und Sie haben so hohe Schulden?“, wunderte sich Staatsanwältin Beatrix Resatz. Ein Jahr später war der Schuldenstand dank der Privatkredite der Funktionäre auf 200.000 Euro gesunken.

„Wir hatten vierteljährlich 4000 Euro Stromkosten wegen dem Flutlicht, wir kauften ein Vorzelt, machten Pflasterungen und zahlten Aufwandsentschädigungen“

„Wo kommen die Schulden her?“, fragte der Richter. „Vom Spielbetrieb – Spieler, Trainer, Platzwart, Busfahrten“, meinte der Ex-Obmann. „Wir hatten vierteljährlich 4000 Euro Stromkosten wegen dem Flutlicht, wir kauften ein Vorzelt, machten Pflasterungen und zahlten Aufwandsentschädigungen“, fügte der Ex-Manager hinzu. Finanzamt und Gebietskrankenkasse machten wegen der Beitragszahlungen Druck.

„Ich habe das meiste Geld aufgenommen“, sagte der Ex-Manager. „Warum haben Sie sich so engagiert?“, fragte Richter Andreas Beneder. „Weil ich ein Idealist und vielleicht ein Trottel bin“, gab der Angeklagte zu. Rund 350.000 Euro macht Masseverwalter Gerwald Holper für die Gläubiger geltend. Anerkannt wurde dieser Betrag von den Angeklagten nicht.

Richter Andreas Beneder bot den Ex-Funktionären eine Diversion an, die die Angeklagten nach Rücksprache mit ihren Anwälten annahmen. Damit bleibt ihnen die Vorstrafe erspart.