3,5 Jahre für Sextäter. Sechsjährige wurde zweimal missbraucht, nach der ersten Tat bekam sie 50 Cent: „Weil du so brav warst.“ 3,5 Jahre Haft für 32-jährigen Täter, Angeklagter nahm das Urteil an.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 22. Juni 2017 (05:40)
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Fünf Kinder soll ein 17-jähriger Asylwerber sexuell missbraucht haben.Die Ermittlungen laufen.
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Das heute zehnjährige Opfer entstammt einer südburgenländischen Großfamilie, die durch Gewalt und Kindesmissbrauch bereits massiv belastet ist. Die Mutter der Zehnjährigen und ihrer Schwester ist verstorben, die Mädchen leben heute in einer Betreuungseinrichtung.

Im November 2013, das Mädchen war damals sechs Jahre alt, soll sich der Angeklagte, ein heute 32-jähriger Freund der Familie, zweimal des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben. Die Übergriffe ereigneten sich an den zwei Wohnsitzen der Familie im Bezirk Güssing und im Bezirk Oberpullendorf.

Aussagen des Opfers in der Pflegefamilie hatten erst zu einem späteren Zeitpunkt zu polizeilichen Ermittlungen in diesem Fall geführt. Der Angeklagte bekannte sich vor Gericht nicht schuldig. Am ersten Verhandlungstag im Februar 2017 hatte er sich ebenfalls nicht schuldig bekannt. Vorige Woche fiel das Urteil.

Nach erstem Übergriff bekam Opfer 50 Cent

In einer Videobefragung schilderte das Mädchen die Übergriffe und berichtete, dass ihr der Angeklagte nach der ersten Tat 50 Cent gegeben habe. Weil sie „so brav gewesen sei“, habe der Mann gesagt, dessen auffälliges Kennzeichen seine ungepflegten, gelb-braunen Zähne gewesen seien.

Als sie dem leiblichen Vater von den Tathandlungen des Angeklagten erzählte, habe dieser mit ihr geschimpft, so das Mädchen, und nicht mit dem Sexualstraftäter.

Ein kinderpsychologisches Gutachten bestätigte, dass das Mädchen aussagefähig und aussagetüchtig ist. Es gebe keine Hinweise auf eine bewusste Falschaussage oder eine Fremdbeeinflussung des Opfers, stellte der Gutachter fest.

Ein Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Wolfgang Rauter verurteilte den Angeklagten wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu dreieinhalb Jahren Haft.

„Der Senat hat keinen Zweifel daran, dass es zu diesen Übergriffshandlungen kam. Die Aussagen des Mädchens sind schlüssig und glaubhaft“, erläuterte der Richter das Urteil. Es handle sich um eines der schlimmsten Verbrechen, die man sich vorstellen könne, mit katastrophalen Auswirkungen auf das zum Zeitpunkt der Übergriffe erst sechsjährige Mädchen.

Der Angeklagte nahm das Urteil an.