Bildungscampus: „Keine Scheinanmeldungen mehr“

Projekt würde rund 13 Millionen Euro kosten. Strem und Heiligenbrunn wollen den Gemeinderat nochmals befragen.

Erstellt am 10. Juni 2021 | 04:47
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Foto: Von Syda Productions, Shutterstock.com

Eine neuerliche Verhandlungsrunde der fünf Bürgermeister aus dem Pinka- und Stremtal mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil — betreffend der Errichtung eines Bildungscampus (siehe Infobox rechts) — brachte wieder keine Einigung. „Jetzt hat man sich den 2. Juli als neuerlichen Stichtag gesetzt, wo man den „letzten“ Anlauf für die Beteiligung aller fünf Gemeinden am Projekt nimmt“, heißt es aus dem Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Zuvor geht es jetzt in Strem und Heiligenbrunn noch einmal mit dem Thema in den Gemeinderat. „Für uns ist nach wie vor die geografische Ausrichtung das Hauptthema. Heiligenbrunn war immer schon mehr an Güssing orientiert, als am Pinkatal. Außerdem würde bei diesem Projekt der Kindergarten überbleiben, denn der ist nicht vorgesehen, uns aber sehr wichtig. Auch die Kostenfrage steht im Raum“, fasst Heiligenbrunns Ortschef Johann Trinkl (ÖVP) seine Bedenken zusammen.

Apropos Kostenfrage! Rund 13 Millionen Euro würde der Bildungscampus kosten. „Davon war ich negativ überrascht“, meint Bildeins Ortschef Walter Temmel (ÖVP), der auch für das nächste Treffen eine Aufschlüsselung der Kosten für alle Gemeinden fordert. Trotzdem ist er dem Projekt gegenüber positiv gestimmt. „Wenn es der gemeinsamen Sache dient, dann bin ich für diese neue Variante“, so Temmel.

Ins selbe Horn stößt Eberaus Bürgermeister Johann Weber (ÖVP): „Dieses Projekt ist ein Schritt in die richtige Richtung, auch hinsichtlich einer umfassenden Regionalentwicklung. Da muss man als Gemeinde dafür sein“, ist Weber überzeugt, der bei einem positiven Beschluss davon ausgeht, dass man in rund drei Jahren den neuen Standort beziehen könnte. Im Hinblick auf die Neuausrichtung der dann wieder öffentlichen Mittelschule — die gleichzeitig das Aus für die katholische Privatschule Josefinum bedeutet — blickt Weber aber trotzdem mit etwas Bauchweh. „Aktuell sind knapp 50 Prozent der Schüler im Josefinum aus Ungarn. Das wäre dann nicht mehr möglich, denn bei einer öffentlichen Mittelschule müsste man den Hauptwohnsitz in Österreich begründen und somit könnten ungarische Kinder die neue Schule nicht mehr so einfach besuchen“, so Weber.

Ein Umstand, der zahlreichen Politikern vor Jahren — Stichwort: Scheinanmeldungen — Verurteilungen wegen Amtsmissbrauchs einbrachte. „Scheinanmeldungen wird es nicht mehr geben, sollte der Bildungscampus gebaut werden“, kann sich Weber ein Augenzwinkern nicht verkneifen.

Einer jener Ortschefs war auch Strems Bürgermeister Bernhard Deutsch (ÖVP), der dem Projekt ebenfalls kritisch gegenüber steht. „Ich fühle mich wenig angesprochen, aber wir werden im Gemeinderat nochmals darüber reden“, meint Deutsch, der seine Zweifel auch begründen kann: „Wir rechnen in den nächsten Jahren mit knapp 100 neuen Einwohnern in Strem. Das bedeutet auch einen Zuwachs an Schülern. Unter so einem Umstand seine Schule aufzugeben wäre fahrlässig“, so Deutsch, der noch weitere Argumente gegen die Beteiligung seiner Gemeinde am Projekt hat.

„14 Kilometer neben dem geplanten Standort investieren wir derzeit als Gemeinde nämlich auch gerade in die Renovierung der Mittelschule Güssing mit. Außerdem wären kein Kindergarten und keine Kinderkrippe in Planung und genau das sind die Kostentreiber für Gemeinden, wo es gemeindeübergreifende Lösungen bräuchte“, erklärt Deutsch. Auch die Kosten „schrecken“ ihn ab. „13 Millionen Euro ist doppelt so viel, wie das Altenwohnheim in Strem gekostet hat und noch dazu müsste man gewachsene Strukturen ändern und würde wieder Flächen neu versiegeln“, so Deutsch.