„Covid“ hat die Gans gestohlen. Fehlt mit der Schließung von Gastro und Hotels jetzt das Hauptgeschäft? Die BVZ hat bei den Bauern im Bezirk Güssing nachgefragt.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 05. November 2020 (04:44)
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Hat aktuell nicht viel zum Lachen. Ganslbauer Siegfried Marth hat bereits nach dem ersten Lockdown im März gehandelt und nur die Hälfte an Jungtieren für die Ganslsaison 2020 geordert.
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So viel vorweg: Die Burgenländer feiern ihren Landespatron vor allem am Teller und was des Menschen Gaumenfreude ist, wird alle Jahre wieder zum Todesurteil für tausende von Gänsen.

Bis zuletzt hofften Wirten und Gäste wiederum, dass Corona die kulinarischen Ganslwochen nicht auch noch stehlen würde - Fehlanzeige!

„Heulen und Zähneknirschen ist angesagt, hilft aber am Ende nix“, bringt Siegfried Marth aus Hagensdorf seine Situation auf den Punkt. Der Obmann des Projektes burgenländische Weidegans hält knapp 300 Gänse in seinem Betrieb in Hagensdorf. Dass das Martinigeschäft aufgrund des zweiten Lockdown und der damit verbundenen Schließung der Gastronomie gelaufen ist, sei für ihn eine „mittlere Katastrophe, aber andere hat es noch viel schlimmer getroffen“, weiß Marth, der einer von siebzehn „Ganslbauern“ ist, die dem Projekt Burgenländische Weidegans angehören.

„Fuchs hat mehr Gänse gestohlen, als Corona“

„Eine Corona-Ausfallversicherung wie für die Gastro gibt es für uns nicht und das Ganslgeschäft ist saisonal bedingt, wir machen jetzt den Großteil unseres Umsatzes“, so Siegfried Marth, der aber in weiser Voraussicht in diesem Herbst nur die Hälfte an Gänsen in seinen Ställen beherbergte, wie die Jahre zuvor.

„Es war ja schon im Frühjahr absehbar, dass im Herbst eine zweite Corona-Welle kommen wird. Deshalb hab ich viel weniger Gössel, also Jungtiere, als sonst beim Züchter bestellt.“

Siegfried Marth sagt aber auch: „Die ersten zwei Wochen des Ganslgeschäftes liefen top, wie auch die Jahre davor. Wenn der zweite Lockdown zwei Wochen später gekommen wäre, wär es natürlich für alle besser gelaufen, aber vor allem für uns Bauern.“

Marths Kollegin Herta Schneider aus Eisenberg wiederum hat trotz Corona und Lockdown absolut keinen Grund zum Weinen, im Gegenteil: „Ich habe all meine 1.200 Gänse bereits verkauft. Meine Hauptkunden, also Wirten aus der Region, haben mir alle Bestellungen abgenommen und auf Gansl to go oder Lieferservice umgestellt. Da wir einen eigenen Schlachthof haben, kommen auch vermehrt Bestellungen von Privatpersonen rein, die die Gänse dann selbst abholen und daheim zubereiten. Da hat mir der Fuchs in diesem Jahr bestimmt mehr Gänse gestohlen als Corona.“