Streit ums Geld: Unterschrift gefälscht?. Bezirk Güssing: Ein Wirt steht wegen eines angeblich gefälschten Belegs vor Gericht. Die Pächterin sagt: „Habe kein Geld bekommen.“ Der Prozess wurde vertagt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 23. Januar 2021 (06:12)
APA (Symbolbild)

Zweieinhalb Jahre lang hatte eine 50-jährige Wirtin ein beliebtes Lokal im Bezirk Güssing betrieben, im Sommer 2019 musste sie krankheitsbedingt zusperren.

Sie beendete das Pachtverhältnis für das im Besitz eines 48-jährigen Gastwirts stehende Lokal.

Die Buchhaltung für das Lokal hatte der Vater des 48-Jährigen geführt. Nach der Geschäftsauflösung war die erkrankte Wirtin mit hohen Zahlungen konfrontiert.

„Ich sagte, da wird wohl noch etwas am Geschäftskonto sein“, erinnerte sich die frühere Wirtin vor Gericht. „Er sagte, da ist nichts mehr.“

Mithilfe ihres Mannes, eines Polizeibeamten, ging die 50-Jährige der Sache nach. Sie ließen sich die Kontoauszüge für das im Herbst 2019 geschlossene Geschäftskonto vorlegen. „Wir stellten fest, dass rund 31.000 Euro abgehoben worden waren“, berichtete der Polizist.

Nun wird zivilrechtlich ums Geld gestritten. Bei einer Verhandlung am Bezirksgericht Güssing im September 2020 legte der 48-jährige Besitzer des Lokals eine Quittung vor, um zu beweisen, dass die 50-Jährige die Hälfte des noch vorhandenen Guthabens, rund 15.400 Euro, bar ausbezahlt bekommen habe. „Stimmt nicht! Ich habe keinen Cent gekriegt!“, sagte die frühere Wirtin beim Betrugsprozess in der Vorwoche am Landesgericht Eisenstadt. Die Unterschrift auf dem Beleg sei nicht ihre.

Unterschrift soll jetzt geprüft werden

„Wir können das graphologisch prüfen lassen“, schlug Richterin Karin Lückl vor. „Darum würde ich bitten“, antwortete die 50-Jährige.

Der Besitzer des Lokals, der 48-jährige Gastwirt, bekannte sich zum Vorwurf des schweren Prozessbetrugs nicht schuldig. Die am Bezirksgericht vorgelegte Urkunde sei echt, sein Vater habe seiner früheren Geschäftspartnerin den Geldbetrag übergeben.

Die andere Hälfte habe seinem Sohn gehört, berichtete der 71-jährige Vater des Angeklagten. Die Pächterin des Lokals seines Sohnes sei „25 Jahre lang wie meine Tochter“ gewesen, so der Pensionist. Auch der Angeklagte bestätigte, dass es mit der Pächterin „kein Zerwürfnis“ gegeben habe.

Wenn die 50-Jährige nun behaupte, sie habe kein Geld bekommen, dann müsse sie lügen, meinte der 71-Jährige.

Der Prozess wurde vertagt. Ein Sachverständiger soll klären, ob die Unterschrift echt ist.