„Kaffeehausg´schichtl´n 2020 – die Tratschzentrale“. Die besten und pikantesten Geschichten schreibt das Leben – und sie werden schon immer im Kaffeehaus weiter erzählt. Mariana Moser hat darüber ein Buch geschrieben.

Von Dorothea Müllner-Frühwirth. Erstellt am 13. Juli 2020 (05:19)
Rund um die Kaffeekultur in Güssing ranken sich viele Geschichten. Mariana Moser, Inhaberin des Café Piazza nahmen dies zum Anlass und hielt die Geschichten im Buch „Kaffeehausg’schicht’n 2020“ fest. Für den guten Zweck. Kristina Schaberl, Geschäftsführerin Volkshilfe Burgenland (r.) bedankt sich bei den Autoren Mariana Moser und Andrea Deutsch dafür, dass der Reinerlös an die Volkshilfe gespendet wird.
Josef Lang

Eine feine Tasse Kaffee, nette Gesellschaft und der neueste Tratsch – perfekter kann ein Besuch im Kaffeehaus gar nicht sein. Mariana Moser, Inhaberin des Piazza Cafe im City Center, weiß genau, was ihre Kunden glücklich macht. Sie kennt ihre Stammgäste und begleitet sie seit vielen Jahren durch ihre unterschiedliche Lebenssituationen. Oft werden ihr die aktuellen Erlebnisse mitgeteilt, manchmal hört sie auch im Vorbeigehen die neuesten Geschichten.

Ein Buch für alle Geschichten

Auf der Suche nach einem neuen Projekt, dass sie wieder für wohltätige Zwecke in bare Münze umsetzen kann, kam der passionierten Gastronomin mit dem großen Herz daher eine brillante Idee: ein Buch sollte entstehen, gespickt mit den Anekdoten, Geschichten und Sprüchen ihrer Gäste. „Alles beruht auf wahren Gegebenheiten“, erzählt Mariana Moser über ihr Erstlingswerk, „Ich habe etwas Lustiges schreiben wollen, dabei brauchte es keine Fantasie, die Gäste haben den Stoff dazu geliefert.“ Und die Besucher ihres Cafés erkennen sich in dem nun erschienenen Taschenbuch „Kaffeehausg´schichtl´n 2020 – die Tratschzentrale“ wieder. Sie haben Mariana auch beim Schreiben unterstützt: „Es ist eigentlich ein gemeinsames Werk“, freut sich die Chefin über den großen Zuspruch. Um das Projekt in eine fachgerechte Form zu bringen wurde Andreas Deutsch mit ins Boot geholt.

Als Stammgast und Lehrer am Gymnasium in Güssing war er prädestiniert dafür und er erklärte sich gerne dazu bereit, mit Mariana das Buch zu verfassen. „Ich bin selbst ein passionierter Kaffeehausbesucher. Als mir Mariana von ihren Plänen erzählte und fragte, ob ich die Dialoge von den Gästen mitschreiben möchte, habe ich gerne zugesagt. Der Prozess des Entstehens war sehr spannend“, beleuchtet Deutsch die Entstehung des Buches von seiner Seite. „Es hat sich herauskristallisiert, dass Mariana es eher von der heiteren Seite betrachtet, und ich eher von der Mini-philosophischen Seite, das war spannend.“ Auch für Andreas Deutsch war es das erste Buch, das er geschrieben hat. Obwohl oder gerade weil bei der Arbeit so unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallten, hat das gemeinsame Erstlingswerk eingeschlagen wie eine Bombe: alle 120 Exemplare, die geordert wurden, waren im Nu ausverkauft. „Es gibt auch schon eine lange Warteliste für die Nachbestellungen“, freut sich das Autorenteam über die rege Nachfrage. Kein Wunder, die Gäste möchten gerne wissen, ob sie selbst – natürlich unter anderen Namen – in der „Tratschzentrale“ vorkommen. „Diskretion ist trotz allem oberstes Gebot“, verspricht Marina Moser, „Tratschen ist die Kunst nichts zu sagen und doch nichts ungesagt zu lassen.“

Pikante Geschichten bleiben anonym

So wurden auch alle pikanten Geschichten anonym und schön verpackt. „Ich habe mir gedacht die Leute werden skeptisch sein, weil Tratsch oft negativ behaftet ist, er ist aber in die positive Richtung zu sehen und so empfinden es auch die Menschen“, ist Andreas Deutsch angenehm überrascht über die Reaktionen, „ Die Leute suchen eine leichte Lektüre, um wieder ein bisschen Normalität in das Leben hereinzubringen. Der erste Teil unseres Buches ist speziell aus dem Kaffeehaus, in dem sich einige Stammgäste wiederfinden werden, mein Teil ist eher allgemein gehalten, wie zum Beispiel „Der Standler“, eine Geschichte über die Menschen die bei Minus 10 Grad draußen stehen und ab und zu ins Kaffeehaus kommen auf einen heißen Tee.“

Über den guten Zweck und einen zweiten Teil

Einen riesigen Erfolg hatten die beiden Neo-Autoren auch schon bei einem Online-Händler: Kurz nach dem Erscheinen war das Buch unter den Top 100 Bestsellern im Amazon Kulturerbe. Über einen zweiten Teil im kommenden Jahr wird deshalb schon „sehr laut“ nachgedacht. Der Erlös des Buches wird im Herbst an die Volkshilfe Burgenland übergeben. „Wir wollen die Kinderarmut bekämpfen, auch wenn es nur wenige hundert Euro sind, jede Unterstützung zählt“, führt Mariana Moser ihr Anliegen aus. Erhältlich ist das Buch im Piazza Cafe und auf Amazon (als E-Book oder Taschenbuch).